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KAPITEL

1. Palšstina/Israel - ein "Exilland"?
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2. Moshe Ya'akov Ben-GavriÍl
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3. Meir Marcell Faerber
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4. Simon Kronberg
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5. Max Brod
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6. Max Zweig
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7. Leo Perutz
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8. Anna Maria Jokl
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9. Elazar BenyoŽtz
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10. Anhang
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Armin A. Wallas:
"Exilland" Palšstina/Israel

Meir Marcell Faerber


Wie Ben-GavriÍl fasste auch Faerber den Entschluss zur Alija ohne äußeren Zwang und aus zionistischer Überzeugung. 1934 verließ er die Tschechoslowakei und siedelte sich in Tel Aviv an. Obwohl er Hebräisch beherrschte, hielt er bei seinem literarischen Schreiben aber dennoch an der deutschen Sprache fest und bemühte sich in den folgenden Jahrzehnten immer wieder, organisatorische Grundlagen für das kulturelle Leben der deutschsprachigen Einwanderer zu schaffen, unter anderem gehörte er zu den Mitbegründern der "Hitachdut Olej Austria". Als Mitglied der jüdischen Untergrundorganisation Hagana, die die Selbstverteidigung der Juden in Palästina leitete, war er - im Widerstand gegen die restriktive Immigrationspolitik der britischen Mandatsmacht - an der Einschleusung illegaler Einwanderer nach Palästina beteiligt und betätigte sich bei der Sozialarbeit für die Flüchtlinge aus Hitler-Deutschland.

Faerber, Meir Marcell zeigen

"Im altneuen Lande, in das trotz feindseliger Haltung der britischen Mandatsverwaltung gegenüber den zionistischen Aspirationen zahlreiche Juden vor dem aggressiven Antisemitismus der Nazis flüchteten, war das Leben in mancher Hinsicht problembeladen. Da die meisten Einwanderer von Judentum, Zionismus und den Verhältnissen in ihrem neuen Lande nur sehr vage, unklare Begriffe hatten und das Hebräische ihnen fremd war, gründete ich zusammen mit einem Ostrauer Jugendfreunde, der die Administration übernahm, die erste deutschsprachige Tageszeitung des Mittleren Ostens. Sie wurde in Beirut als deutschsprachige Ausgabe der französischen "La Syrie" gedruckt. Wir nannten sie "Orient-Express" und ich leitete die Redaktion in Jerusalem. Der hebräische Journalistenverband, dem ich angehörte, fasste einen Boykottbeschluss, da Deutsch als die Sprache der Nazis verpönt war, und wir mussten die Zeitung nach etwa zweieinhalb Monaten einstellen, obwohl sie ein dringliches Bedürfnis befriedigte. [...] Ende der 30er, Anfang der 40er Jahre war meine Hauptbeschäftigung die Mitarbeit an den Bemühungen, den Einwanderern, insbesondere den illegalen, die Einordnung im Lande zu erleichtern. Den Rahmen für diese (freiwillige und unentgeltliche) Arbeit bot der Verband der Einwanderer aus Österreich, dessen Leitung ich angehörte." (Faerber, Statt einer Autobiographie, 1990, 26 f.)

Nach der Gründung des Staates Israel war Faerber als Parlamentsberichterstatter und Redakteur der deutschsprachigen Zeitung "Jediot Chadaschot" tätig und wirkte auch als Israel-Korrespondent zahlreicher ausländischer Zeitungen. Das publizistische Oeuvre Faerbers umfasst unter anderem eine kurz gefasste Geschichte der Knesset, des israelischen Parlaments (Das Parlament Israels, 1958), Porträtskizzen über führende israelische Politiker ( ... die Israel führen, 1971) und "Streiflichter" aus der Geschichte der Juden in Österreich (Österreichische Juden, posthum erschienen 1996). Sein umfangreiches literarisches Werk beinhaltet sowohl Lyrik, Erzählprosa und Dramatik als auch Kinderbücher und Märchen (die Kinderbücher sind in hebräischer Sprache erschienen). Faerbers Erzähltexte - der wichtigste davon ist der Roman "Drei mal drei Glieder einer Kette" (1985) - spielen teilweise vor historischem Hintergrund, teilweise handeln sie im Israel der Gegenwart. Des Öfteren arbeitet der Autor mystische, aus kabbalistischen und chassidischen Traditionen entnommene Motive in das Handlungsgerüst ein.

"Meine Bücher sind - auch wenn ich sie in deutscher Sprache schreibe - ja doch voll von jüdischem Inhalt und hebräischem Geist. Wenn jemand eine deutsche Muttersprache und eine deutsche Schulsprache hat, so wirkt sich das auf seine Möglichkeiten aus, sich zum Ausdruck zu bringen. Wenn ich etwas literarisch Gültiges schreiben will, so fällt mir das leichter in der deutschen Sprache als in der hebräischen." (Faerber, Deutschsprachige Literatur in Israel, 1993, 30)

Faerber, Meir M.: Stimmen aus Israel zeigen

Faerber, Meir M: Auf dem Weg

zeigen

Besonderes Verdienst erwarb sich Faerber als langjähriger Organisator und Mentor der deutschsprachigen Literatur Israels. 1975 gründete er den "Verband deutschsprachiger Schriftsteller in Israel", den er bis zu seinem Tod leitete. Die Nachfolge übernahm die inzwischen ebenfalls verstorbene Germanistin Margarita Pazi; nunmehr wird der Verband von dem aus der Bukowina stammenden Publizisten Josef N. Rudel geleitet. Der Verband schuf für die deutschsprachigen Schriftsteller Israels eine organisatorische Plattform, von der aus Kontakte zu Verlagen und Zeitschriften geknüpft werden konnten. Das Schaffen dieser Autoren entstand lange Jahre in weitgehender Isolation und Abgeschiedenheit - isoliert in Israel (aufgrund des Festhaltens an der deutschen Sprache) und nicht oder wenig beachtet im literarischen Leben der deutschsprachigen Länder. Für die Bekanntmachung dieser lange Zeit "vergessenen" Literatur trugen vor allem die beiden von Faerber herausgegebenen Anthologien "Stimmen aus Israel" (1979) und "Auf dem Weg" (1989) bei, die einen repräsentativen Querschnitt des deutschsprachigen Schreibens in Israel wiedergeben.


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