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Konstantin Kaiser:
Berthold Viertel (1885-1953)
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Berthold Viertel und der Sozialismus
Viertel besaß ein Korrektiv dagegen: die starke Empörung über das Unrecht und die später nicht mehr preisgegebene Einsicht, dass der Sozialismus 'so oder so' der Menschheit als Ziel und Schranke vorausliege. (Mit einer Partei oder einem bestimmten Weg hat er sich nie identifiziert.)
"Er [der "Knabe Georg", wie sich Viertel in einem Teil der autobiographischen Fragmente nennt] hatte den heiligen Urzorn dieser großen Unabhängigen" [der alttestamentarischen Propheten], die gegen das in Stadt und Land üppig wuchernde Unkraut tobten und erst nach dem Untergange einen für immer anbrechenden Frieden prophezeiten, wie feuriges Gift in sich eingesogen ..."
Allmählich ist es Viertel gelungen, die eschatologischen Züge aus seinem Bild des Sozialismus zu tilgen. Am 11. Juli 1944 schreibt er aus New York an Salka:
"Und daß so viele Menschen, wie nur möglich, ein volles, reiches Leben haben, darum geht der Kampf, das nenne ich Sozialismus. Die Parteien: das sind zeitlich bestimmte Werkzeuge zu diesem Zweck."
Viertel formulierte diese Einsicht angesichts eines nahezu wirklich eschatologischen Geschehens: am Höhepunkt der militärischen Auseinandersetzung des Zweiten Weltkriegs, im selben Monat, in dem durch einen russischen Bericht die an jüdischen Menschen im Konzentrationslager Majdanek bei Lublin verübten Greuel weltweit publik und - gegen alle schwankende Hoffnung - unbezweifelbar geworden waren. Viertel hatte verstanden, dass das Gedankenspiel mit dem "Untergang des Abendlandes" nicht Warnung, sondern für viele Wunschtraum gewesen war.
KZ Majdanek / Lublin zeigen
KZ Majdanek / Lublin zeigen
S. 12/25
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