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Konstantin Kaiser:
Berthold Viertel (1885-1953)
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Die Stellung zur Österreich-Frage
In einer den Umfang der "Vor-Bemerkung" übersteigenden Anmerkung werden die "Wiener Juden" Arnold Schönberg, Hugo v. Hofmannsthal, Gustav Mahler, Sigmund Freud und Arthur Schnitzler genannt, deren Werk in die Welt gedrungen ist und so auch nach dem Untergang Wiens erhalten bleibt. Wiens kulturelle Eigenart wird nun in geänderter Perspektive skizziert:
"Hier fand die neueste Entwicklung Deutschlands einen Widerstand, der aus einer tiefen Wesensverschiedenheit stammte. Hier war eine Kontinuität nach rückwärts erhalten, die in einem alten Kulturboden wurzelte. Diese Eigenart, die jeder Fremde, der nach Wien kam und sie genoß, besser verstand als der Norddeutsche, mag aufgeopfert werden, sie ist es wohl schon. Wer sie gekannt hat, fühlt, daß etwas unersetzliches verloren geht. Eine Jugend, die nach dem Krieg [= der Erste Weltkrieg] geboren wurde, ist vielleicht imstande, ihre Hoffnungen auf eine völlige Entfremdung zu setzen. Von denen aber, die noch den Wert dessen erlebt haben, was jetzt verloren geht, werden viele eher sterben als sich wandeln wollen."
Der Nationalsozialismus erscheint hier als Ausdruck und Verursacher einer "völligen Entfremdung", in der das identitätsstiftende Potential einer ganzen Kultur beiseite geworfen wird. Viertel umschreibt das kulturelle Potential, das in Gefahr ist, unwiederbringlich der Vernichtung anheim zu fallen. Ob es sich aber nur um eine passive Masse von Vergangenheit, nicht auch um eine mögliche Zukunft handelt, hängt vom Tun und Lassen der Menschen, die in Österreich leben ab.
S. 14/25
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