01.) Holocaust und Literatur
Die künstlerische und literarische Darstellbarkeit der Massenvernichtung der Juden ist eines der umstrittensten Themen in den Künsten und Wissenschaften. Schon Paul Celans „Todesfuge“ (entstanden 1945, publiziert 1952) hatte durch die Spannung zwischen schöner Form und bedrängendstem Thema die Frage von Theodor W. Adorno hervorgerufen, ob es nach „Auschwitz“ überhaupt noch möglich sei, Gedichte zu schreiben. In den letzen Jahren rückte diese Problematik wieder verstärkt in den Mittelpunkt auch des öffentlichen Interesses. Nicht zuletzt war aber dafür nun die Tatsache verantwortlich, dass Texte veröffentlicht wurden, die sich als Erinnerungsbücher ausgaben, jedoch fiktionale Geschichten waren. Somit wurde das Problem von Authentizität und Fiktion besonders relevant und ebenso die damit zusammenhängenden Fragen der literarischen Vermittlungsmöglichkeiten. Diese können Sie an unterschiedlichen Beispielen aus der österreichischen Literatur untersuchen: Das „Dachaulied“ von Jura Soyfer ist ein Beispiel für direkt in den Lagern entstandene Texte. „Der Ofen von Lublin“ von Theodor Kramer ist ein im britischen Exil entstandenes Gedicht, das den Holocaust zum Thema hat. Mit der Funktion des Erzählens über die Massenvernichtung in den KZs können Sie sich insbesondere am Beispiel von Texten des überlebenden KZ-Insassen Fred Wander auseinandersetzen. Dann können Sie eine Interpretation eines Kapitels aus der Erzählung „Der siebente Brunnen“ von Fred Wander unternehmen. Die mündlichen wie schriftlichen Ausführungen Ruth Klügers zeigen schließlich, wie sehr die Diskussion zum Thema „Holocaust und Literatur“ in ihr literarisches Schaffen einfließt.








