coll. Daniel Krauskopf, Tel Aviv. Mit freundlicher Genehmigung von Yosl Bergner, Tel Aviv.
MalerIn/FotografIn: Yosl Bergner
Die PORTRÄTS sind insgesamt 10 ausgewählten Autor/inn/en aus Österreich gewidmet, die Emigration und Exil erleben mussten, und setzen sich mit ihrer Biographie und ihrem künstlerischem Werk auseinander. Am Ende von Kapiteln oder Textabschnitten werden multimediale Materialien (Fotos, Töne, Videos, Externe Links, Textausschnitte) angeboten. Jede Einheit enthält einen ANHANG, in dem die bibliographischen Materialien versammelt sind und eine Printversion der Vorlesung angeboten wird.
Konstantin Kaiser
Das Porträt behandelt den wohl bedeutendsten österreichischen Lyriker der 30er Jahre und des Exils, einen Lyriker, der in zerfransten Peripherien zu Hause war, bei Taglöhnern, in Schenken, Nachtcafés, auf Märkten, Rangierplätzen, staubigen Straßen, später in Londoner Parks, Pubs und Vorortezügen. Mit einer ganz eigenen Musikalität, dem zart-bitteren Ton der Ziehharmonika, dem Instrument der Vaganten und Besitzlosen, aber auch mit unerbittlicher Schärfe und Präzision für die Dinge des Alltags, des konkreten Lebens, erhob Theodor Kramer immer wieder seine Stimme "für die, die ohne Stimme sind." Und er erhob seine Stimme für Österreich, als dieses von der Landkarte verschwunden war, unbedankt, wie er nach seiner Rückkehr, um hier zu sterben, feststellen musste.
Wilhelm Kuehs
Das Porträt stellt eine der vielseitigsten Schriftstellerinnen und Essayistinnen des 20. Jahrhunderts, die "Grand Dame der Österreichischen Literatur" vor. Wie kaum eine andere Autorin war sie in die großen intellektuellen und dramatischen historischen Ereignisse des Jahrhunderts verstrickt: in die kulturellen Bewegungen der Zwischenkriegszeit (Wiener Kreis, Reformpädagogik, Rotes Wien), in die Exil- wie Remigrationsproblematik, pendelnd zwischen der englischen Welt, Deutschland und Österreich und zwischen den Sprachen. Stets war sie auch in Debatten über den Status des Schreibens engagiert, in der englischen Exilöffentlichkeit ebenso wie nach ihrer Rückkehr nach Österreich im P.E.N.-Club und anderen literarischen Vereinigungen.
Markus Kreuzwieser
Ausgewählte Bilder, Textausschnitte und Kommentare zu Musils Leben, Denken und Werk unmittelbar vor und im Exil sollen sowohl seine schwierige biographische Situation erhellen als auch die Komplexität seines Denkens und Schaffens illustrieren. Das Porträt bietet gerafft Informationen zu den Jahren zwischen 1931 und 1942.
Siglinde Kaiser-Bolbecher
"Stella Rotenbergs Lyrik ist geprägt von der Erfahrung der Shoa. Als Opfer und als Überlebende der Vernichtung - in der Situation des Exils der Erfahrung des 'nicht da nicht dort' (Albert Ehrenstein) ausgesetzt - stellt die Autorin ihre Literatur in den Dienst der Erinnerung. Die Themen Verfolgung, Exil, jüdische Identität und (Mutter)-Sprache durchziehen ihr lyrisches Ouevre. [...] Stella Rotenbergs Exil-Erfahrung äußert sich in Bildern der Heimatlosigkeit und der Sehnsucht nach 'Heimat'. Im Motivkomplex Exil - Sprache - Heimat steckt die Lyrikerin ihre Identität als Position des 'Zwischen' ab." (Armin A. Wallas: "Dennoch schreibe ich" - Eine Annäherung an das literarische Werk von Stella Rotenberg 1991) Stella Rotenberg, der es 1939 gelang, nach Großbritannien zu flüchten, lebt seitdem dort. Nach Kriegsende erfuhr sie, dass ihre Eltern und nahezu alle ihre Verwandten in den NS-Vernichtungslagern ermordet wurden. 1946 erhält sie die britische Staatsbürgerschaft. Seit 1948 lebt sie in Leeds. Trotz der Abgeschiedenheit von einem kulturellen deutschsprachigen Leben schrieb Stella Rotenberg all die Jahre über in ihrer deutschen Muttersprache.
Konstantin Kaiser
Berthold Viertel ist einer der vielseitigsten Künstler des Exils. Das Porträt zeigt Leben und Werk des Lyrikers, Prosaisten und stilprägenden Theatermannes und Filmregisseurs. Vor dem Ersten Weltkrieg war Viertel Dramaturg und Regisseur an der "Freien Volksbühne" in Wien, sein erster Gedichtband "Die Spur" (1912) erschien in der bekannten expressionistischen Reihe "Der jüngste Tag", nach anfänglicher Kriegsbegeisterung orientierte sich Viertel mit Hilfe von Karl Kraus neu, dem er bis 1934, als Kraus den österreichischen Ständestaat favorisierte, auch politisch verbunden blieb. Schon 1928 übersiedelte Viertel in die USA und arbeitete als Drehbuchautor und Regisseur in Hollywood und New York. In Berlin erlebte er die Machteinsetzung Hitlers, als Viertel gerade die Verfilmung von Hans Falladas "Kleiner Mann - was nun?" vorbereitete. Im Februar 1933 flüchtet er aus Deutschland und geht nach Frankreich und Großbritannien. Im Mai 1939 verlässt er London, nachdem ihm die Arbeitsgenehmigung verweigert worden ist, und kehrt in die USA zurück. Er war an vielen Exil-Projekten beteiligt, u. a. als Mitbegründer und Gründungspräsident des "Freien Deutschen Kulturbundes in Großbritannien", als Vertreter der in Paris tätigen "Ligue pour l'Autriche vivante", als Mitbegründer der "Tribüne für freie deutsche Kunst und Literatur in Amerika" (1942) und des "Aurora Verlages" (1944) oder als Mitarbeiter der Exil-Kulturzeitschrift "Austro-American Tribune". 1942 wurde Viertel US-Citizen. Im August 1948 kehrt er nach Europa zurück, wo er am Zürcher Schauspielhaus Regie führt, im Dezember 1948 kommt er nach Wien zurück und erhält ein Engagement als Gastregisseur am Burgtheater. Er arbeitet bei den Salzburger Festspielen. Nach Intervention des österreichischen Bundespräsidenten Theodor Körner wird Viertel 1953 wieder österreichischer Staatsbürger. Erst durch die seit 1989 erscheinende Berthold-Viertel-Studienausgabe ist das umfangreiche Exil-Werk Viertels zugänglich.
Wilhelm Kuehs
Das Vorlesungsporträt stellt den Schriftsteller, Fotografen und Zeichner Fred Wander vor. Es rückt vor allem jene Texte und Erfahrungen in den Mittelpunkt, die seine Fluchtrouten ab 1938 nach Frankreich und in die Schweiz nachzeichnen sowie die traumatische Deportation nach Auschwitz und die Schwierigkeiten, nach 1945 wieder in ein "normales" Leben zurückzukehren, zum Thema haben.