(eigentlich: Günther Stern. Ps.: Reinhold Hoffmann) Exil: 1933 Frankreich, 1936 USA, 1950 Ö.
Vater: William St. (1871-1938), Psychologe. Mutter: Clara, geb. Josephy (1877-1945). Schwestern: Hilde (*1900), verheiratet mit Hans Marchwitza (1890-1965), Schriftsteller; Eva (*1904), verh. Michaelis, leitete im Exil in London die Jugendalija, ging dann nach Israel.
1917 Einsatz in einer paramilitärischen Schülergruppe in Frankreich, 1918-24 Studium der Psychologie, Kunstgeschichte, Philosophie in Hamburg und Freiburg i. Br. bei Edmund Husserl, Ernst Cassirer, Martin Heidegger. 1923 Dr. phil. Dissertation: „Die Rolle der Situationskategorie im Logischen. 1928 erscheint in Bonn „Über das Haben. Sieben Kapitel zur Ontologie der Erkenntnis“. 1924-33 freier Schriftsteller und Journalist in Berlin und Paris („Vossische Zeitung“, Rundfunkstationen). Mitherausgeber der Zeitschrift „Das Dreieck“. Verbindung zu dem Theaterkritiker Herbert Ihering und Bertolt Brecht. 1928 Heirat mit Hannah Arendt, gleich ihm Schülerin Martin Heideggers (Scheidung 1937). Arbeit an „Philosophische Untersuchungen über musikalische Situationen“, mit welchen er sich in Frankfurt habilitieren wollte. 1930 Annahme des Nachnamen Anders.
März 1933 Flucht nach Paris. Lebt vom Stundengeben. 1936 erscheint in franz. Übersetzung sein Vortrag „Die Weltfremdheit des Menschen“ (1929) unter dem Titel „Pathologie de la liberté. Essai sur la non identification“ in Paris (Recherches Philosophiques, 7. Jg., 1936/37, 22-54). 1936 Preis des Querido-Verlages für die Novelle „Der Hungermarsch“ (erschienen in der Zeitschrift „Die Sammlung“, 2. Jg., Nr. 6, 294-314, im Februar 1935). Mitarbeit auch an der Exilzeitschrift „Neue Deutsche Blätter“. 1936-39 in NY; Fabrikarbeiter. 1939-42 in Los Angeles; u.a. Tätigkeit als Requisiteur in der Filmindustrie. 1940 schlägt er Berthold Viertel und Ernst Waldinger die gemeinsame Herausgabe eines Gedichtbandes „In diesem Augenblick“ vor; das Projekt kommt nicht zustande. Dann Rückkehr nach New York. Zeitweise Arbeit für Office of War Information. Beiträge in den Exilzeitschriften „Aufbau“ (ab 1939), AAT (1944-46), „Neue Rundschau“. Mitarbeit bei der philosophischen Fachzeitschrift „Journal for Philosophic and Phenomenological Research“ (Buffalo), u. a. mit einer Arbeit über die Pseudokonkretheit der Philosophie Heideggers.
1945 Heirat mit Elisabeth Freundlich. 1949 Ästhetik-Vorlesungen an der New School for Social Research; US-Bürger.
1950 Rückkehr nach Europa, Niederlassung in Wien. 1951 österreichischer Staatsbürger. Mitbegründer der Bewegung gegen Atomwaffen; Freundschaft mit Robert Jungk; Mitglied des Russell Tribunals gegen den Vietnam Krieg in Stockholm und Kopenhagen. Schlug eine ihm von Ernst Bloch reservierte Philosophieprofessur in Halle an der Saale (DDR) aus. Seit 1955 Mitglied des PEN-Clubs, seit 1971 der Akademie der Künste (Westberlin). 1967 „Deutscher Kritikerpreis“, 1978 Literaturpreis der Bayrischen Akademie der schönen Künste, 1979 „Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik“, 1980 Preis der Stadt Wien, 1983 Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt. 1982 Austritt aus der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) aus Protest gegen den israelischen Libanon-Krieg. In den letzten Lebensjahren intensive Mitarbeit an der Zeitschrift „Neues Forum“ (Wien); Freundschaft mit deren Herausgeber Gerhard Oberschlick.
Die meisten der oft sehr spät veröffentlichten literarischen Arbeiten Günther Anders‘ entstanden im Exil oder gehen doch in wesentlichen Momenten auf Versuche seiner Exilzeit zurück. Seit 1984 erscheinen bei C. H. Beck in München „Gesammelte Schriften in Einzelbänden“. 1992 lehnt er ein Ehrendoktorat der Universität Wien ab.