Exil Lexikon Dor, Milo

Dor, Milo

Eigentlich: Milutin Doroslovac. Pseudonym: Alex Lutin, Alexander Dormann. Sohn wohlhabender serbischer Eltern. Aufgewachsen in Groß-Betschkerek und verschiedenen Dörfern des Banats und der Batschka. 1933 Übersiedlung nach Belgrad. 1937 erste Veröffentlichungen in Schülerzeitungen. Er schloss sich als Mittelschüler einer kommunistischen Jugendgruppe an; 1940 darum vom Schulbesuch ausgeschlossen; 1941 Externisten-Matura. 1942 wegen kommunistischer Widerstandstätigkeit verhaftet, gefoltert und 1943 zur Zwangsarbeit nach Wien deportiert. 1944 erneute Gestapo Haft. 1945 49 Studium der Theaterwissenschaft und Romanistik an der Universität Wien. Mitarbeiter der Zeitschrift „Plan“. Ab 1949 freischaffender Schriftsteller und Journalist. 1950 geht Dor, dessen materielle Lage in Wien aussichtslos scheint, vorübergehend in die BRD. 1951 erste Teilnahme bei einer Tagung der „Gruppe 47“, deren Mitglied er später wird (Vizepräsident 1971-1975). Protestiert gegen die Reintegration der Nazi-Schriftsteller in die österreichische Literatur. Seit 1952 Autor zahlreicher Fernsehspiele und Fensehdokumentationen. 1953-63 verfasst er zusammen mit Reinhard Federmann (1923-1976) eine Vielzahl von Kriminal- und Unterhaltungsromanen, u.a. „Internationale Zone“ (1953), „Romeo und Julia in Wien“ (1954), „Othello von Salerno“ (1956), „Die Abenteuer des Herrn Rafaeljan“ (1963). 1954-1961 Verfasser auch von Hörspielen. 1962 Herausgeber von „Die Verbannten. Eine Anthologie“ (Graz: Stiasny 1962) und „Ein Orden für Argil. Jugoslawien“ und „Gemordete Literatur“. 1972-1978 Vizepräsident des österreichischen PEN. Übersetzte u. a. Werke von Ivo Andric und Isaak Babel. Hrsg. von „Die Leiche im Keller. Dokumente des Widerstandes gegen Dr. Kurt Waldheim“ (1988) und der Anthologie „Das schwarze Licht. Serbische Erzähler der Gegenwart“ (übers. von Milo Dor und Ivan Ivaniji, Wien 1990). Zahlreiche Preise für sein literarisches Schaffen. Seit 1975 Präsident der Literarischen Verwertungsgesellschaft; seit 1979 Präsident der Interessengemeinschaft österreichischen Autoren. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen seit 1962, postum Theodor-Kramer-Preis für Schreiben im Exil und im Widerstand (2006). Lebte abwechselnd in Wien und in Rovinj (Kroatien). (Angaben nach: Bolbecher, Siglinde/Kaiser, Konstantin: Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Wien 2000, 133 ff./Bearbeitet von Karl Müller, Salzburg)

Werkverzeichnis

Forschungsliteratur

  • Gauß, Karl-Markus - Markus - Milo Dor, Schriftsteller.
  • Grünauer, Peter (Hg.) - Das große kleine Dorf aus dem wir stammen.
  • Lajarrige, Jacques (Hg. - Milo Dor - Budapest - Belgrad - Wien.
  • Niederle, Helmut A. (Hg.) - Milo Dor. Beiträge und Materialien.

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