Albert Drach ist vor allem durch „Die Unsentimentale Reise“ (1966, 2. Aufl. 1988) bekannt geworden. Darin schildert er in Form eines Protokolls seine Exilerfahrung in Frankreich. D. wurde 1987 mit dem Büchner Preis und 1993 mit dem Grillparzer Preis ausgezeichnet.
Seit 1919 war D. literarisch sowie als Jurist tätig. 1938 floh er wegen seiner jüdischen Herkunft ins französische Exil, wo er zwischen 1941 und 1944 mehrmals interniert wurde (u. a. in Les Milles, Rives Altes), einem Transport in ein KZ nur knapp entging und aufgrund listiger Selbstverleugnung – er behauptete gegenüber der Lagerleitung „I. K. G.“ wäre die Abkürzung von „im katholischen Glauben“ statt von „Israelitische Kultusgemeinde“ – frei kam.
D. setzte sich erstmals 1935 in der dramatischen Satire „Das Kasperlspiel vom Meister Siebentot“(veröffentlicht erst im Zuge der Werkausgabe 1965) mit dem Nationalsozialismus und seinen rhetorisch-phraseologischen Machtstrategien auseinander. Seine Exilerfahrung verarbeitete er insbesondere im Bericht „Unsentimentale Reise“ sowie im tagebuchartigen Text „Das Beileid“ (ED 1993).
Charakteristisch für seine Texte ist ein radikal rücksichtsloser Protokollstil, der es ihm erlaubt, mit zynischer Distanz und verfremdeter juristischer Diktion, Grenzen des Beschreibbaren, des Grauens auszuloten und bis in die Nähe des Absurden zu verschieben.
Angaben nach: Bolbecher, Siglinde/Kaiser, Konstantin: Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Wien 2000, 62 ff./Bearbeitet von Wilhelm Kuehs, Klagenfurt.