Exil Lexikon Frank, Rudolf

Frank, Rudolf

Frank besuchte das Humanistische Gymnasium in Mainz (1904 Abitur) und studierte Staatswissenschaften in München (1904-1905), Zürich (1905-1906), Heidelberg (1906), Berlin (1906-1907) und Gießen (1907-1908; 1908 Promotion zum Dr. jur.). Aus der 1918 in Wien geschlossenen Ehe mit Otty (Trennung 1926) ging eine Tochter (Renate, geb. 1919), aus der 1929 geschlossenen Ehe mit Anna gingen zwei Söhne (Vincent Carl, geb. 1930; René Antonio, geb. 1936) hervor.

Bereits in seiner Berliner Zeit nahm Frank Schauspielunterricht und trat fortan in Provinz- und Sommertheatern auf. 1909-1912 war er als Herzoglicher Hofschauspieler, 1912 als Oberregisseur am Hoftheater Meiningen engagiert; überdies schrieb er Theaterkritiken für die „Vossische Zeitung“ und die „Schaubühne“ (später: „Weltbühne“). 1913 wechselte er als Regisseur an das Frankfurter Schauspielhaus unter Felix Hollaender. Während des Ersten Weltkrieges wurde Frank an die Ostfront, dann nach Bukarest versetzt und leitete dort das deutsch-rumänische Teatrul Nazional. 1917 verhaftet, nach Königsberg rückversetzt und wieder nach Rumänien verschickt, eröffnete Frank dort ein zweites Theater mit deutsch-rumänischem Theaterensemble. Nach einer Strafversetzung wurde er infolge eines Engagements an die Darmstädter Oper vom Militärdienst suspendiert. Nach Kriegsende arbeitete Frank als Theaterkritiker der „Frankfurter Nachrichten“, als Regisseur und Dramaturg am Frankfurter Neuen Theater und als Regisseur an den Münchner Kammerspielen (1921-1924; 1923 Oberregisseur und Direktionsstellvertreter; Frank inszenierte u.a. Stücke von Lion Feuchtwanger, Jean Giraudoux und sorgte 1922 für die Uraufführung von Brechts „Trommeln in der Nacht“). 1924 initiierte er Nachtvorstellungen mit dem Komiker Karl Valentin, den er salonfähig machte. Nach dreijähriger Tätigkeit als Regisseur der „Compagnia primaria di prose Alda Borelli“ in Italien zog er 1926 wieder nach Deutschland und stand ab August 1928 in einem festen Vertrag mit den städtischen Bühnen Düsseldorf. Seit 1930 in Berlin, synchronisierte Frank amerikanische Filme, schrieb Drehbücher und Hörspiele. 1933 in Zusammenhang mit der Verfolgung linker Intellektueller nach dem Reichstagsbrand verhaftet, wurde Frank nach 26tägiger Haft infolge von Intervention entlassen und publizierte 1934-1936 pseudonyme Unterhaltungsromane in Zeitungen und Zeitschriften. Im Dezember 1936 emigrierte Frank nach Wien, arbeitete 1936-37 an den Kleinkunstbühnen „Theater für 49“, „Jüdisches Kulturtheater“ und „Modernes Theater“ am Schwarzenbergplatz mit. Nach dem „Anschluss“ flüchtete Frank im Mai 1938 nach Zürich, arbeitete heimlich, da er dem Arbeitsverbot für Emigranten in der Schweiz unterlag, als Lektor, bearbeitete und übersetzte Theaterstücke unter dem Pseudonym Frank C. Ruddy und schrieb Filmdrehbücher und Liedertexte für „Emigrantenfilm“ (Vorführung auf der Schweizerischen Landesausstellung). Frank wurde wegen des Verstoßes gegen das Arbeitsverbot denunziert, interniert und aufgefordert, die Schweiz zu verlassen, fand jedoch als Lagernachtwächter im Flüchtlingslager Lugano und St. Cergue am Genfer See ein Auskommen. 1944 ließ er sich im Kanton Baselland nieder und war seit 1946 weiterhin als Übersetzer, Theaterkritiker der „Basler Zeitung“ und Verfasser von Radiobeiträgen tätig.

Bearbeitet von Beatrix Müller-Kampel, Graz.

Werkverzeichnis

Forschungsliteratur

  • Busch, Arnold - Rudolf Frank in den Jahren 1933 bis 1945
  • DÖW (Hg.) - Österreicher im Exil. Frankreich 1938 - 1945
  • John, Hans-Rainer - Rainer - Nach 60 Jahren zum erstenmal gedruckt. Rudolf Frank: Fair play oder Es kommt nicht zum Krieg [...]
  • Müller-Kampel, Beatrix - Kampel, Beatrix - Aus dem Reich der Träumer, Stänkerer und Schmähführer. Österreich-Kommentare zu Rudolf Franks Roman "Fair play".
  • ohne Autor - Rudolf Franks Nachlass
  • Stadt Mainz (Hg.) - Rudolf Frank. Theatermann - und vieles mehr

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