(Ps.: Peter Mahr) Exil: 1938 Jugoslawien.
Vater: Dr. Victor H. (1870 Leipnik, Mähren-1943 [?] Theresienstadt), Ohrenfacharzt, 1911-36 a.o. Prof. an der medizinischen Fakultät in Wien, publizierte über 60 fachwissenschaftliche Aufsätze; eine ordentliche Professur konnte er wohl wegen seiner jüdischen Herkunft nicht erlangen. Beteiligte sich Mitte der 1920er Jahre an der „Nobelpreisaktion“ für Karl Kraus. Im April 1938 entzogen ihm die Nationalsozialisten die venia legendi und die Pension. Mutter: Hedwig, geb. Bunzl (1874-16.7.1942 Theresienstadt); Konvertierte zum Katholizismus, auch Peter Hammerschlag wurde bei Eintritt in die Volksschule getauft. Beide Eltern wurden 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert und kamen dort um. Bruder: Valentin (1909-1975 Wien, durch eigene Hand), Chemiker, emigrierte 1938 über Mexiko nach Buenos Aires.
Peter Hammerschlag wuchs in Wien-Alsergrund auf, besuchte das Gymnasium, danach Vorlesungen der Kunstgeschichte an der Universität Wien und nahm an einem Lehrgang (1921/22) für Buch- und Illustrationsgewerbe an der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt teil (viele seiner Texte hat er mit eigenen phantasievollen Illustrationen und Karikaturen versehen). Überliefert wurde, dass er bereits als Schüler Texte für Schulveranstaltungen („Mittelschulrevuen“ gemeinsam mit Marcel Prawy) formulierte und mit Kabarett-Programmen an den Schwarzwald-Schulen („Fast ausgelernt“, 1927) auftrat. Verfasser von satirischen und grotesken Texten, Gedichten und Kurzgeschichten – in der Nachfolge von Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz, Peter Altenberg – für Cabarets in Wien; versuchte sich dann 1929 in Berlin, trat selbst mit eigenen Texten auf („Küka“ – Künstlerkaffee, wo auch der Gründer der „Katakombe“ Werner Fink jahrelang tätig war). Freundschaft mit Friedrich Torberg, der mit ihm seine Gedichte besprach und ihm den Kontakt zum „Prager Tagblatt“ vermittelte. Veröffentlichungen in deutschen Zeitschriften wie dem „Querschnitt“, der „Weltbühne“, der „Jugend“, „Vossische Zeitung“. 1931 wurde er von Stella Kadmon für ihre eben gegründete Kleinkunstbühne „Der Liebe Augustin“ (die Idee zur Namensgebung stammte von Peter Hammerschlag) als ‚Blitzdichter‘, der auf Zuruf aus dem Publikum aus dem Stegreif Gedichte (u. a. Literatur-Parodien) verfertigte, und als Programmautor herangezogen. Er dominierte diese Bühne vom 1. bis zum 9. Programm – Texte von Peter Hammerschlag wurden für die Aufführungen im „Lieben Augustin“ von dem später in die USA geflüchteten und berühmt gewordenen Komponisten Fritz Spielmann („Schinkenfleckerln“, „Snap the fingers“, „Paper roses“ – 1973 mit dem „Grammy“ ausgezeichnet) und Franz Eugen Klein (in einem deutschen KZ ermordet) vertont (die Vertonung von drei Kabarettnummern wurde am 17.8. 1932 von der RAVAG gesendet). Die Chansons, die Peter Hammerschlag für Stella Kadmon schrieb („Das Nummernfräulein“ u. a.), nahm sie mit ins Exil; sie wurden Teile des Programms der Vortragsabende auf ihrem „Dachgarten“ in Tel Aviv.
Ab 1933 auch Beiträge für andere Kleinkunstbühnen: „Die Stachelbeere“, „Kleinkunst im Café Colonnaden“, „ABC“, „Literatur am Naschmarkt“. Er gehörte damit, obwohl selbst kein politisch denkender Autor, der kulturell oppositionellen, dezidiert antinazistischen Szene an.
Kontakt zum „Bund junger Autoren“, zu Hans Weigel und Rudolf Weys. Zs. mit Hertha Pauli Szenenfolge „Don Juan kommt zurück“. Veröffentlichungen in: Wiener Magazin, Wiener Allgemeinen Zeitung, NFP, Neues Wiener Tagblatt, Muskete, Das Kleine Blatt.
1934 vertonte Adelheid Bergmann „4 moderne Kinderlieder nach Worten von Peter Hammerschlag“ (Wien: Haslinger o. J.). Trotzdem blieb er materiell stets von seinen Eltern abhängig.
Juli 1938 Arisierung der elterlichen Wohnung. Er hofft auf eine Ausreise nach Großbritannien (Übersetzungen eigener Texte ins Engl.); eine Emigration nach Argentinien zu seinem Bruder lehnt er ab. 15.8. 1938 mit beschränkter Aufenthaltsgenehmigung nach Belgrad, wo er entfernte Verwandte hat. Bei dem Versuch, mit seinem ungültig gewordenen Pass die Aufenthaltsgenehmigung für Jugoslawien zu verlängern, am 30.11. 1938 festgenommen und nach Ungarn abgeschoben und von dort ins deutsche Reichsgebiet. Enger Kontakt zu Gerda Waschinsky und Rudolf Weys, der unter seinem eigenen Namen P. H.- Texte im 1. Programm des „Wiener Werkel“ (Jänner 1939) plaziert hatte („Seemannslos“ – nach einer Idee von P. H.). 1942 letzter von R. Weys überlieferter Text: „Von der Lüneburger Heide und der Simmeringer Had“. 1941 Zwangsarbeiter (u. a. beim Straßenbau und einer Leergutsammelstelle, 20. Bezirk, Engerthstraße). Nach der Deportation der Eltern aus der Ghettowohnung im 1. Bezirk, tauchte Hammerschlag in Wien unter; u. a. in der Wohnung des Komponisten Alexander Steinbrecher (mit dem er 1937 Couplets für das Burgtheater verfasst hatte). Auf der Straße verhaftet und vermutlich am 17. Juli direkt nach Auschwitz deportiert. Am 18. Juli 1942 erreichte ein Transport, aus Wien kommend, Auschwitz – von 995 Menschen überlebte keiner.
Über seine phänomenalen Literaturkenntnisse und seine Lebensuntüchtigkeit blieben in Wien nach 1945 viele Anekdoten im Umlauf. H. Weigel und R. Weys wiesen in ihren Kabarett-Büchern immer wieder auf ihn hin. Texte von Peter Hammerschlag erhielten sich im Besitz von Friedrich Torberg (heute als Krypto-NL im NL Torbergs, WStLB), der sie in seiner Bearbeitung herausgab, und in diversen anderen Nachlässen. Sammlung auch in ÖNB/ÖLA. Unveröffentlicht blieben Gedichte, Kurzprosa, ein Romanfragment „Cyprian Schoellberger geht ins 48ste“ und ein geplantes „Bilderbuch für schlimme Kinder“ (50 Gedichte).
Angaben nach: Bolbecher Siglinde/Kaiser Konstantin: Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Wien 2000/Bearbeitet von Siglinde Bolbecher-Kaiser, Wien.