Exil Lexikon Hauser, Carry (Carl Maria)

Hauser, Carry (Carl Maria)

Ps.: Oculus, ceha, cehs Exil: 1939 Schweiz

Carry Hauser besuchte das Schottengymnasium, 1911/12 die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt, 1912-14 die Wiener Kunstgewerbeschule (Lehrer u. a. Oskar Strnad, Alfred Roller) in Wien. Jugendfreundschaft mit einem 1915 im 1. Weltkrieg gefallenen Rudolf Bronnen, älterer Bruder des Schriftstellers Arnolt Bronnen. 1914 Meldung als Einjährig-Freiwilliger zum Kriegsdienst; Einsatz am Dnjestr. Der zuerst kriegsbegeisterte und mehrfach ausgezeichnete Carry Hauser kehrt zum Pazifisten geläutert zurück. Seit 1918 freischaffender Maler, Graphiker und Bühnenbildner in Wien und Passau. Von dem Kunstkritiker (u. a. der AZ), Verleger und Kunsthändler Arthur Roessler gefördert. 1919 Mitbegründer der Künstlergruppe „Freie Bewegung“. Freundschaft mit dem Maler Georg Philipp Wörlen. Mitbegründer der Passauer Künstlergruppe „Der Fels“. 1922 Heirat mit Gertrud Herzog, Sprachwissenschaftlerin und Schriftstellerin jüdischer Herkunft. Freundschaften mit Franz Theodor Csokor (für den er auch Bühnenbilder schuf), Heinrich Suso Waldeck, Otto Stoessl, Alfred Kubin. Verbindung zu Anna Nussbaum und Else Feldmann, zu deren Roman „Der Leib der Mutter“ (erschienen zuerst 1924 in Fortsetzungen in der AZ) er 60 Zeichnungen anfertigte. 1934 Geburt des Sohnes Heinrich Theodor Friedrich. 1925-38 Mitglied, Präsident (1928) und Vorstandsmitglied der Künstlervereinigung „Hagenbund“, nach 1934 der „Notgemeinschaft für Kunst und Schrifttum“ und der Gesellschaft für christliche Kunst. Österreichisch-patriotisch motiviertes Engagement als „Bundestreuhänder für bildende Kunst“ in der Vaterländischen Front (VF) 1934-38, um aus dieser eine „Volksfront“ (mit antinazistischer Stoßrichtung) zu machen. Ab 1935 auch Vertrauensmann der von Guido Zernatto begründeten Kultur- und Freizeitorganisation der VF „Neues Leben“. Beiträge in der ehemals christlich-sozialen „Reichspost“, Bühnenbildner u. a. für das Burgtheater.

Nach dem März 1938 Berufs- und Ausstellungsverbot. Im August 1939 fuhr Hauser, der eine Berufung an eine Kunstschule in Melbourne (Australien) hatte, mit einem Besuchervisum nach Zürich und wurde durch den Kriegsausbruch in der Schweiz festgehalten. Sein Sohn war im April 1939 mit einem Kindertransport nach GB gekommen, von wo er im Oktober 1939 zu seiner Mutter in die Niederlande gebracht wurde. Hausers Frau gelang im August 1939 die Ausreise in die Niederlande. Erst 1946 kam Carry Hauser in der Schweiz mit Frau und Sohn wieder zusammen. – Aufenthalt in Zürich, Lugano und Arbon am Bodensee. Kontakte zum Buchhändler und Verleger Emil Oprecht, zur „Ehrenfelsrunde“, zum deutschen Demokraten Joseph Karl Wirth, auch zu dem Schriftsteller Gnevkov, genannt Blume, der heimlich auch Bilder Hausers kaufte. Unterstützt von der Familie Schell-Noé und der Caritas. Wegen der ihm auferlegten Erwerbsbeschränkungen führte Hauser Wand- und Ölgemälde in der St. Joseph-Kirche in Flims-Waldhaus (Graubünden) unentgeltlich aus; nur die Malmaterialien werden von einem Spender bezahlt. Korrespondenz mit dem im Deutschen Reich verbliebenen Alfred Kubin. 1944 Mitbegründer der Frei-Österreich-Bewegung in der Schweiz. Unter dem Ps. Oculus verfaßte er Beiträge für antinazistische Radiosendungen. Hauser gehörte offenbar auch der „Vereinigung katholischer Österreicher in der Schweiz“ an, für die er einen Hilfe-Aufruf für „Künstler und Schriftsteller“ in Österreich verfasste.

1947 Rückkehr nach Wien. 1952 72 Generalsekretär bzw. Vizepräsident des österreichischen PEN Clubs. Mitbegründer und zeitweise Vizepräsident der „Berufsvereinigung der Bildenden Künstler Österreichs“. Mitglied des „Bundesverbandes der österreichischen Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus – KZ Verband“, des Kuratoriums des DÖW und Präsident der „Aktion gegen den Antisemitismus“. Schrieb u. a. für die Zeitungen „Neues Österreich“, „Die Furche“, „Die Presse“ und „Der neue Mahnruf“, die Zeitschrift des KZ-Verbandes. Verfasser zahlreicher Kurzgeschichten, vor allem aber weiterhin mit großem Erfolg künstlerisch tätig (u. a. zahlreiche Fresken an Wohnbauten in Wien). – Gedichte in der Anthologie „Dein Herz ist deine Heimat“ (Wien 1955). Unveröffentlicht sind Hausers im Schweizer Exil entstandener autobiographischer Roman „Zwischen gestern und morgen“ und seine illustrierten Kriegstagebücher 1914-18.

Nachlass: H. Hauser (Wien).

Angaben nach: Bolbecher, Siglinde/Kaiser, Konstantin: Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Wien 2000./Bearbeitet von Karl Müller, Salzburg.

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