Exil Lexikon Hausmann, Raoul

Hausmann, Raoul

Exil: 1933 CSR, dann Spanien; 1936 Schweiz; 1938 Frankreich.

Straßburgisch italienischer Herkunft. Vater: Viktor Hausmann, Kunstmaler (von dem Raoul Hausmann auch unterrichtet wurde). Von 1900 bis 9. März 1933 wohnhaft in Berlin. Studium an der Akademie der Künste, Berlin. 1907-12 Tätigkeit als Illustrator und Kunstkritiker. Im Kreis um die expressionistischen Zeitschriften „Der Sturm“ (ab 1912), „Freie Straße“ und „Die Aktion“ (ab 1916). Aufgrund eines Augenleidens mußte er nicht am 1. Weltkrieg teilnehmen. 1915 Beginn der Verbindung mit Hanna Höch (1889-1979), Malerin. 1917 mit Richard Huelsenbeck und Franz Jung Gründung des „Club Dada“ in Zürich. In der Folge Dada-Veranstaltungen und ab 1919 Herausgabe der Zeitschrift „Der Dada“ (zusammen mit H. Höch, Kurt Schwitters u. a.). Verfasser von Plakatgedichten, Lautgedichten und Gestalter (zusammnen mit H. Höch) von Photomontagen. Galt als der „Dadasoph“ und erhob bis zu seinem Lebensende eine Art Urheberrechtsanspruch auf die Erfindung des Dadaismus. 1922 Trennung von H. Höch. Ab 1923 Übergang zum Konstruktivismus, Studien zur Architektur und zur Erforschung der Wahrnehmung und Photographie. 1923 Heirat mit Hedwig (Heta) Mankiewitz. 1927 Erfindung des „Optophons“ (Umwandlung von graphischen Formen in Musik); Arbeit an der Vervollkommnung dieser Erfindung bis 1932. 1933 Emigration aus Deutschland über Prag, Paris, Barcelona nach Ibiza (Balearen/Spanien), wo er sich, unterbrochen durch Aufenthalte in Paris und Berlin, bis 1936 aufhielt und wegen des Spanischen Bürgerkriegs nach Paris zurückkehrte; dann in der Schweiz, 1937 Reise nach Prag. Aus der Schweiz wurde er „wegen Mangel an Mitteln“ ausgewiesen. Im Mai 1938 wieder zurück nach Paris; Mitarbeit an der „Revue Anthropologique“ (Paris) und der von Sophie Täuber-Arp hg. Zeitschrift „Plastique“. Am 17.8. 1938 richtete er einen Unterstützungsantrag mit Befürwortung von Thomas Mann und Laszlo Moholy Nagy an die AG. 1939 Heirat mit Marthe Prévot; verließ, um der Internierung zu entgehen, Paris, schlug sich 1939-44 als Privatlehrer für Englisch, Deutsch, Spanisch und Malerei in Peyrat-le-Château (Limousin) durch. Im November 1944 ließ er sich in Limoges nieder, wo er bis zuletzt lebte.

Begann nach 1945 neu mit Informel-Malerei. Stand schon 1945 in enger Verbindung mit dem nach Großbritannien geflüchteten Kurt Schwitters in London: Durch ihr Gemeinschaftsprojekt „Pin“ wollten sie den durch den Krieg verschütt gegangenen „schöpferischen Qualitäten“ wieder zum Durchbruch verhelfen. Später auch Verbindung mit dem österreichischen Schriftsteller Ernst Jandl. Mitarbeit an führenden internationalen Architektur- und Kunstzeitschriften und an „manuskripte“ (Graz), die ihn mit einer Sondernummer würdigten. 1966 wurde sein Werk durch Retrospektiven in Stockholm, Zürich und Paris gefeiert.

Nachlass: Musée départemental d’Art contemporain de Rochechouart (Teile); Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz; Stadtbibliothek Hannover (Sammlung). AG-Akte DBF/Exilarchiv.

Angaben nach: Bolbecher Siglinde/Kaiser, Konstantin: Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Wien 2000./Berabeitet von Karl Müller, Salzburg.

Werkverzeichnis

Forschungsliteratur

  • Bartsch, Kurt; Koch, Adelheid - Raoul Hausmann
  • Berlinische Galerie (Eva Züchner) - Raoul Hausmann. Der deutsche Spiesser ärgert sich. 1886-1971
  • Brandes, Uta; Erlhoff, Michael (Hg.) - Raoul Hausmann. Geist im Handumdrehen. Dadasophische Poesie
  • Haus, Andreas - Raoul Hausmann. Kamerafotografien 1927-1957
  • Koch, Adelheid (Hg.) - Ich bin immerhin der größte Experimentator Österreichs. Raoul Hausmann. DADA und Neodada & ein Essay: Raoul Hausmann AUSSICHTEN oder ENDE des Neodadaismus
  • Koch, Adelheid (Hg.) - Raoul Hausmann. La Sensorialité excentrique. Die exzentrische Empfindung
  • Koch, Adelheid (Hg.) - Raoul Hausmann. Umbruch
  • ohne Autor - Raoul-Hausmann. Retrospektive
  • Riha, Karl; Kämpf, Günther (Hg.) - Raoul Hausmann. Am Anfang war Dada
  • Riha, Karl (Hg.) - Raoul Hausmann. Hurra! Hurra! Hurra! 12 politische Satiren
  • Züchner, Eva (Hg.) - Scharfrichter der bürgerlichen Seele. Raoul Hausmann in Berlin 1900 - 1933

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