Eigentlich: Henry Edward J. Ps.: Eric Jens Petersen, Henry J., Andrea Serbelloni
Vater: Richard Jacob (1847 Breslau-1899 Berlin), Bankdirektor, Ägyptologe, Zeitungsherausgeber, Verfasser von Reiseromanen. Mutter: Martha, geb. Behrendt (1865 Deutsch-Eglau-1942 deportiert). Bruder: Robert Jacob (1883 Berlin – 1924 Berlin), Rechtsanwalt. Halbschwester: Alice Lampl (1898 Berlin – 21.9. 1938 Wien, durch eigene Hand). – Nach Scheidung der Eltern 1895 heiratete die Mutter im selben Jahr den Wiener Bankier Edmund Lampl; 1898 Übersiedlung der Familie nach Wien. Heinrich Eduard Jacob war 1898-1901 Schüler in Wien, ab 1902 wieder in Berlin. 1909-13 Studium Germanistik, Geschichte, Literatur, Musik in Berlin. Gehörte dem Kreis um Kurt Hiller an; Freundschaft mit Georg Heym. Prosa- und Gedichtveröffentlichungen seit 1910. 1912 Novellenband „Das Leichenbegängnis der Gemma Ebria“. Ab 1913 (bis etwa 1926) war er Mitarbeiter der „Blätter des Deutschen Theaters“. Während des 1. Weltkrieges Tuberkulose-Patient in der Schweiz; skeptische Einstellung zum Krieg. 1920 Roman „Der Zwanzigjährige“. 1921-24 Herausgeber der Zeitschrift „Der Feuerreiter“ (Berlin). 1924 Herausgeber der Anthologie „Verse der Lebenden. Deutsche Lyrik seit 1910“. Feuilletonredakteur und Reiseberichterstatter in Berlin. 1928 definitive Übersiedlung nach Wien. Dramaturgische Beratertätigkeit für Max Reinhardt. 1927 1933 Leiter des „Mitteleuropäischen Büros“ des „Berliner Tageblatts“ in Wien. 1932-33 vertrat Jacob die „Schlesische Funkstunde – Welle Breslau“ in Wien. 1932 Teilnehmer einer Luftschiff-Reise nach Brasilien. Mitglied des österreichischen PEN-Zentrums. 1933 standen seine Bücher auf den ersten „Schwarzen Listen“ der Nationalsozialisten. 1933 stellte er für die von Hermann Kesten bei Allert de Lange in Amsterdam herausgegebene Anthologie „Novellen deutscher Dichter der Gegenwart“ die Erzählung „Der Frankfurter Bücherbrand“ zur Verfügung. Im Juni 1933 Mitunterzeichner einer von Rudolf Jeremias Kreutz u.a. initiierten Resolution des österreichischen PEN-Klubs gegen die geistige Unterdrückung in Deutschland. Durch seine Mutter und Schwester in eine Betrugsaffäre verwickelt, wurde Jacob im Dezember 1935 verhaftet und erst nach Hinterlegung einer Kaution im Juli 1936 wieder auf freien Fuß gesetzt (Freispruch erst am 10.2. 1938). Er verlor seine Bibliothek und viele Handschriften.
Nach der Okkupation Österreichs durch Hitlerdeutschland am 22.3. 1938 neuerlich verhaftet. 1.4. 1938-10.1. 1939 KZs Dachau und Buchenwald. Nach der Freilassung Heirat mit Dora, geb. Angel (1889 Wien-1984 Berlin; Schwester von Ernst Angel, in erster Ehe mit Otto Soyka verheiratet), am 18.2. 1939 in Wien. Im April Emigration über GB in die USA (Ankunft im Juli), wo Jacob in New York lebte. Kurzzeitig von der American Guild for German Cultural Frieedom unterstützt. Vom Deutschen Reich ausgebürgert. 1941-56 schrieb er immer wieder Beiträge für den „Aufbau“ (NY). 1941 gründete er zusammen mit seinem Schwager Ernst Angel in New York die Gruppe „Friends of the European Writers and Artists in America“. Weitere Teilnehmer waren Ivan Goll (für Frankr.), Wystan Hugh Auden, Ann Dunnagan (für GB), Raoul Auernheimer, Berthold Viertel (für Österreich.), Carl Zuckmayer (für Deutschland). E. Angel, der sich lieber dem PEN-Klub anschließen wollte, behinderte aber die weitere Arbeit. 1943 war Jacob mit dem Text „Heinrich Heine“ in der von Emil Ludwig und Henry Kranz in New York herausgegebenen Anthologie „The Torch of Freedom“ vertreten. US-Bürger. Verbindung zu Friderike Zweig. 1953 Rückkehr nach Europa. Aufenthalte ohne festen Wohnsitz in London, Zürich, Hamburg, Frankfurt, München, Berlin, Salzburg. 1965 Mitglied des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland.
Angaben nach: Bolbecher, Siglinde/Kaiser, Konstantin: Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Wien 2000./Bearbeitet von Karl Müller, Saluburg.