Exil Lexikon Kalmar, Fritz

Kalmar, Fritz

Ps.: Harald/Richard Hauser, Robert Peter.

Exil: 1939 Bolivien, 1953 Uruguay.

Vater: Max K. (1873 Wien-1927 Wien), Bankbeamter. Mutter: Ottilie, geb. Rosenfeld (1882 Nagy Kosztolány/Ungarn, heute Slowakei-1962 Montevideo). Brüder: Ernst (1913 Wien-1978 Dakar), Exil: 1939 Bolivien, 1958 Uruguay, 1973 nach Wien zurückgekehrt, Cafétier, Kabarettautor und -darsteller, Karikaturist; Heinz (*1918 Purkersdorf), Exil: 1940 Bolivien, 1953 Uruguay, lebt seit 1973 in Wien, Buchhalter. Mutter und Brüder hatten denselben Exilweg wie Fritz Kalmar. – Er finanzierte sich Mittelschule und Jusstudium an der Universität Wien z. T. als Nachhilfelehrer; 1935 Dr. jur. Absolvierung des Gerichtsjahres; Arbeit als Konzipient bei einem Rechtsanwalt. Begann indes sehr früh als Amateurschauspieler. 27. Jänner 1939 nach London; auf einem norwegischen Schiff, auf dem er als Schmierer geführt und als Hilfskraft eingesetzt wurde, kam Kalmar nach einem halben Jahr nach Peru; dann nach Bolivien. Zunächst Arbeit als Zimmermaler. 1941 war er in La Paz Mitbegründer und später Präsident der „Federación de Austríacos Libres en Bolivia“ (FAL) und organisierte ein aktives Klub und Kulturleben. Von ihrer Gründung 1942 an gehörte er der Theatergruppe um G. Terramare und dessen Frau Erna Terrel an, für die er als Schauspieler und Bühnenautor (Lustspiel „Doppelte Buchführung“, 1946) arbeitete. Nach dem Tod Terramares 1948 führte Fritz Kalmar die Gruppe weiter. Aufgeführt wurden sowohl Klassiker als auch sogenannte „Kammerrevuen“ (von G. Terramare und Fritz Kalmar verfsste, locker zusammenhängende Szenenfolgen mit Liedeinlagen im Stil der Wiener Vorkriegskabaretts, aber ohne eigentliche Revue-Elemente; Komponist war Günther Meyer unter dem Ps. Manfredo Gynt). Seit 1951 auch Gastspiele E. Terrels und Fritz Kalmars (zuerst mit „Revue zu Zweien“) in Montevideo. 1953 Heirat mit E. Terrel und Übersiedlung nach Montevideo. Bildung einer neuen Theatergruppe („Kammerspiele“) in Montevideo, in der auch die Brüder Ernst und Heinz (und dessen Gattin Mia) mitwirken. Daneben auch Opernregisseur in Montevideo, u. a. bei Giuseppe Verdis „Ernani“.

Er trat auch als Erzähler, Essayist und Journalist in österreichischen und deutschen Periodika („Lynkeus“, „Wiener Journal“) hervor. 1977 wurde sein Schauspiel „Im Schatten des Turmes“ unter dem Ps. Harald Hauser am Wiener Volkstheater aufgeführt. Sein Einakter „Don José“ wurde vom Theater in der Josefstadt in der Kellerbühne des Wiener Konzerthauses aufgeführt. – Bis 1990 war Kalmar ehrenamtlich österreichischer Honorar-Generalkonsul in Uruguay; in dieser Eigenschaft unterstützte er auch politisch verfolgte Bürger Uruguays. Er erhielt mehrere österreichische Auszeichnungen, u. a. 1976 das Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs. Kalmar lebt in Montevideo. – Materialien (Programme etc.) zu den Theateraktivitäten Kalmars finden sich in der DSt und in der Hamburger Arbeitsstelle für Exilforschung.

Angaben nach: Bolbecher, Siglinde/Kaiser, Konstantin: Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Wien 2000./Bearbeitet von Karl Müller, Salzburg.

Werkverzeichnis

Forschungsliteratur

  • DÖW (Hg.) - Erzählte Geschichte
  • Hörtner, Werner - Auch das Heimweh hat seine Geschichte. Ein Porträt des Juristen, Schauspielers, Theaterleiters Fritz Kalmar
  • Pohle, Fritz - Emigrationstheater in Südamerika abseits der "Freien Deutschen Bühne", Buenos Aires

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