Im Herbst 1937 besucht sie die erste Klasse Volksschule in Wien. Von März 1938 bis 1941 erhält sie an verschiedenen Schulen, die für die „übrig gebliebenen“ jüdischen Kinder eingerichtet wurden, Unterricht. Nach der Vertreibung aus der Familienwohnung in verschiedenen jüdischen Quartieren untergebracht. Das letzte Jahr in Wien ohne soziale Kontakte, einziges Vergnügen und Zuflucht findet sie in der Literatur. In dieser Zeit legt sie ihren Rufnamen Susi ab und besteht auf ihren zweiten Namen Ruth. 1942 zusammen mit der Mutter und Großmutter (väterlicherseits) nach Theresienstadt deportiert. Die Großmutter stirbt bald darauf. Erhält Unterricht vom Rabbiner Leo Baeck. Mai 1944 mit der Mutter nach Auschwitz verbracht. Indem sie sich als bereits 15jährige ausgibt, entgeht sie der Selektion. Juni 1944 mit einem Arbeitstransport nach Christianstadt, einem Außenlager von Groß-Rosen, wo sie für Schwerarbeit eingesetzt wird. Beginnt im KZ Gedichte zu schreiben. Im Februar 1945 während der Evakuierung des Lagers gemeinsame Flucht mit der Mutter und einem Mädchen, das die Mutter bereits in Auschwitz ‚adoptiert‘ hatte. Getarnt als deutsche Ostflüchtlinge, gelangen die drei Frauen nach Straubing (Bayern), bleiben unentdeckt bis zur Ankunft der US-Army.
1947 Notabitur und Inskription der Philosophie und Geschichte an der Universität Regensburg. 15.10. 1947 zusammen mit der Mutter Emigration nach New York. Nach großen Anfangsschwierigkeiten findet die Mutter Arbeit als Krankengymnastin. Ruth Klüger besucht das Hunter College, 1950 B. A. in Anglistik. Übersiedlung nach Kalifornien, Studium der Amerikanistik an der Berkely Universität; M. A. Anfang der 1960er Jahre Studium der Germanistik in Berkeley. 1963 Dr. phil. mit einer Arbeit über Barocklyrik. 1962-94 Universitätslehrerin an verschiedenen US-Universitäten. 1976-79 aktives Mitglied der Modern Language Association Commission on the Status of Women in the Profession. Mitte der 1970er Jahre wendet sich Ruth Klüger verstärkt feministischen Themen zu. 1977-84 Herausgeberin der Fachzeitschrift „German Quarterly“. 1986 Professorin für Germanistik an der University of California, Irvine (UCI). 1988-90 Leiterin des kalifornischen Studienzentrums in Göttingen (BRD). Dort hat sie im November 1989 einen schweren Unfall, der sie bewegt, ihre Erinnerungen niederzuschreiben. „weiter leben“ wird zu einem preisgekrönten Bestseller. Ruth Klüger lebt in Irvine und Göttingen.
Angaben nach: Bolbecher, Siglinde/Kaiser, Konstantin: Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Wien 2000, 379 f./Bearbeitet von Armin Eidherr, Salzburg.