Exil Lexikon Lorenz-Szabo, Valerie

Lorenz-Szabo, Valerie

Valerie Lorenz wuchs in einer jüdischen, an Literatur und Kultur interessierten Familie auf. Der Vater war ein begeisterter Besucher von Karl Kraus-Lesungen und sammelte die kleinen roten Hefte der „Fackel“. Valerie Lorenz und ihre drei Schwestern rezitieren Goethes „Faust“ in verteilten Rollen. Die ersten Lebensjahre verbrachte sie in Gmünd (NÖ), wo sie auch die Volksschule besuchte, anschließend die Hauptschule in der Wittelsbachgasse in Wien. Sie absolvierte die dreijährige Bundeslehranstalt für Frauengewerbe, Schneidermeisterin (übte den Beruf allerdings nie aus). 1937 Heirat mit Wilhelm Szabo, der als Hauptschullehrer in Weitra (NÖ) beschäftigt war. Nach dem Einmarsch Hitlers wurde die Wohnung der Eltern im 3. Bezirk, Weißgerberlände 26, arisiert. Die jüngere Schwester Trude, verehelichte King, flüchtete über Dänemark, Großbritannien nach Australien. Zwei ihrer Onkel und eine Tante und deren Kinder wurden in den Vernichtungslagern der Nazis ermordet. 1939 wurde ihr Ehegatte Wilhelm Szabo aus dem Schuldienst entlassen. Gemeinsam übersiedelten sie nach Zwettl (NÖ), wo sie im Stift Zwettl Zuflucht fanden, aber isoliert und in Angst. Freundschaft mit Rudolf Brunngraber. Gegen Ende des Krieges wurde sie arbeitsdienstverpflichtet (Steuerbuchungsstelle), während ein Teil des Stiftes Zwettl von der SS requiriert wurde. 1945 Übersiedlung nach Weitra, wo Wilhelm Szabo Direktor der Haupt- und Berufsschule wurde. Bis auf wenige, aber unentbehrliche Freunde, blieben sie Außenseiter und Fremde. Zunächst schrieb Valerie Lorenz-Szabo für die Schublade und im Schatten ihres Mannes. Freundschaft mit Erika Mitterer, Ilse Tielsch, Marlen Haushofer, Otto Basil, Helmut Scharf. Nach der Pensionierung ihres Ehemanns in den 1960er Jahren Übersiedlung nach Wien. Veröffentlichungen in „Volksstimme“, „Stimme der Frau“, „Sterz“, „Fettfleck“, „Podium“, „Mit der Ziehharmonika“. Ihre Erzählungen kratzen an der säuberlichen Tünche des demokratischen Aufbaus, entblößen die integrierten faschistischen Verknüpfungen. Dissoziativ stehen die Liebe zum Waldviertel, den vertrauten Orten ihrer Kindheit, und die daran verknüpften Erwartungen neben den Entäuschungen, der schonungslosen Wahrnehmung von Lüge und Vertuschung. Protagonistinnen ihrer Erzählungen sind Frauen, die der Einsamkeit, Isolation zu entkommen suchen.

Nachlass: Österreichisches Literaturarchiv (Teile als Konvolut dem Nachlass von Wilhelm Szabo beigegeben).

Angaben nach: Bolbecher, Siglinde/Kaiser, Konstantin: Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Wien 2000/Bearbeitet von Karl Müller (Salzburg)

Werkverzeichnis

Forschungsliteratur

  • Kaiser, Konstantin - Interview mit Valerie Lorenz-Szabo
  • Wimmer, Philipp - Valerie Lorenz-Szabos letzte Erzählung "Die Chronik " Warum nicht Moosbrunn!? ist eine fiktive Geschichte

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