Exil Lexikon Morgenstern, Soma

Morgenstern, Soma

Wuchs in Ostgalizien in einer orthodoxen jüdischen Familie auf. Soma Morgensterns Muttersprache war Jiddisch; Deutsch lernte er erst in der Schule. Gymnasium in Tarnopol. Ab 1912 Studium Jus, Literaturwissenschaft, Philosophie Universität Wien. 1921 Dr. jur. 1914-18 Kriegsdienst. 1925-27 freischaffender Schriftsteller in Berlin. 1927-34 in Wien Feuilletonkorrespondent für die „Frankfurter Zeitung“. Mitarbeit „Vossische Zeitung“, „Die Literatur“ u. a. Um 1930 Beginn der Arbeit an der Romantrilogie, die mit der „Sohn des verlorenen Sohnes“ beginnt. Kontakte zu orthodox-jüdischen Kreisen. Zu seinen Freunden und Bekannten – die er zum Teil auch in seinen posthum erschienenen autobiographischen Büchern schilderte – zählten Joseph Roth, Alban Berg, Theodor W. Adorno, Otto Klemperer, Hanns Eisler, Anton Webern, Hermann Broch, Franz Werfel, Elias Canetti, Georg Lukács, Ernst Bloch, Walter Benjamin u.a. 1938 Flucht nach Paris, wo er an der „Ligue pour l’Autriche vivante“ mitwirkte und wieder mit Joseph Roth zusammentraf. 1939/40 interniert in Meslay-du-Maine, Montargis und Audierne. 1940 konnte er kurz vor dem Eintreffen der Gestapo fliehen und schlug sich zu Fuß nach Südfrankreich durch. Alle seine Manuskripte und Briefe fielen in Paris in die Hände der Nazis. Im Jänner 1941 in die USA. Verbindung zum Verlag „Jewish Publication Society of America“. In New York lebte er 25 Jahre in einem Zimmer im Hotel Park Plaza an der Upper West Side von Manhattan. 1946 wurde er US-Bürger. Durch die Nachrichten über das Ausmaß des NS-Massenmordes an Jüdinnen und Juden geriet er in eine tiefe Lebenskrise, dachte oft an Selbstmord und hatte eine jahrelange Schreibhemmung. Bis zuletzt arbeitete er an seinen Lebenserinnerungen, konnte sie aber nicht mehr vollenden.

Soma Morgenstern beherrschte viele Sprachen: Deutsch und Jiddisch, Hebräisch, Polnisch, Ukrainisch, Griechisch, Latein, Englisch, Französisch. Ab 1994 erschien eine elfbändige, von Ingolf Schulte herausgegebene, kommentierte und mit Nachworten versehene Ausgabe der Werke.

Angaben nach: Bolbecher, Siglinde/Kaiser, Konstantin: Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Wien 2000, 489 f. (Evelyn Adunka)/Bearbeitet von Armin Eidherr, Salzburg.

Werkverzeichnis

Forschungsliteratur

  • Hoelzel, Alfred - Soma Morgenstern
  • Schulte, Ingolf - Exil und Erinnerung
  • Schulte, Ingolf - Soma Morgenstern - der Autor als Überlebender
  • Weigel, Robert G. (Hg.) - Soma Morgensterns verlorene Welt. Kritische Beiträge zu seinem Werk.

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