Exil Lexikon Müller, Ernst

Müller, Ernst

Ab 1900 engagierte sich Ernst Müller, angeregt durch Begegnungen mit Martin Buber, Nathan Birnbaum und H. Bergman, in zionistischen Vereinen und publizierte in jüdischen Zeitschriften. Seit 1898 in Wien, studierte er Philosophie, Mathematik und Physik und promovierte 1905 mit einer Dissertation über „Bewußtseinsprobleme“. 1906 war Ernst Müller Lehrer am jüdischen Gymnasium in Ungarisch Brod. 1907-09 Versuch der Auswanderung nach Palästina, wo er am hebräischen Gymnasium in Jaffa und an der landwirtschaftlichen Schule Kirjath Sepher unterrichtete, aber aus gesundheitlichen Gründen (Tuberkulose) nach Europa zurückkehren mußte. 1907 09 war er Redakteur der jüdischen Jugendzeitschrift „Unsere Hoffnung. Monatsschrift für die reifere jüdische Jugend“, 1910 12 der von Adolf Böhm hg. Zeitschrift „Palästina“. 1911 erscheint erstmals Ernst Müllers Übersetzung der Gedichte Chaim N. Bialiks; behilflich waren ihm der Lyriker und Literaturkritiker Meir Wiener und Chaim Tartakover. Befreundet mit dem Prager Philosophen und Bibliothekar Hugo Bergmann (später Rektor der Hebräischen Universität in Jerusalem), übersetzte er mit ihm 1913 erstmals Teile des Sohar aus dem Hebräischen ins Deutsche (in Buchform 1932). Von 1911 38 arbeitete er, unterbrochen vom 1. Weltkrieg, als Bibliothekar der IKG. Seit der Begegnung mit Rudolf Steiner 1910 engagierte sich Müller in der anthroposophischen Bewegung. Zusammen mit Bernhard Tag und Egon Wellisch frühes Engagement für den jüdisch-christlichen Dialog.

Im Exil in Großbritannien lebte er krank und in bitterster Not. Er unterrichtete an dem von A. J. Heschel gegründeten Institute of Jewish Learning und schrieb zahlreiche, meist unveröffentlicht gebliebene deutsche und englische Arbeiten. Nach Müllers Tod mußte seine Witwe Frieda, geb. Schorr, wegen Geldmangels seine Bibliothek verkaufen. Müllres verstreut in jüdischen Zeitschriften publizierte Lyrik, die biographische Legende „Luria. Ein kabbalistischer Meister“ und seine autobiographischen Schriften wurden bislang nicht oder nicht in Buchform veröffentlicht. Ein Auswahlband aus seinen meist unveröffentlichten Schriften unter dem Titel „Zionismus und Anthroposophie“, hg. von E. Adunka und mit einem Beitrag von Hans Jürgen Bracker, ist in Vorbereitung.

Angaben nach: Bolbecher, Siglinde/Kaiser, Konstantin: Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Wien 2000, von Evelyn Adunka./Bearbeitet von Karl Müller, Salzburg.

Werkverzeichnis

Forschungsliteratur

  • Institut für Zeitgeschichte, München, und von der Research Foundation for Jewish Immigration (Hg.) - International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933-1945

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