Besuchte bis 1913 den Cheder, dann beendete er ein polnisches Gymnasium und übersiedelte nach Wien, wo er Jus studierte. Nach der Promotion 1929 arbeitete er als Advokat. 1920 erste Gedichtveröffentlichung in der linkszionistischen „arbeter-zajtung“; dann Artikel und Gedichte in den Zeitschriften „tog“ (Wilna), „naje zajt“ (Wien), „zukunft“ (New York) u. a. 1937 Heirat mit Gustl Ewinger. 1938 Geburt des Sohnes Joachim. – Mendl Neugröschels neuromantische Dichtungen in den 20er und 30er Jahren waren stark beeinflusst von Rainer Maria Rilke, Leopold Stach und Mani Lejb. Hrsg. der Monatsschrift „jidisch“. Nach 1934 arbeitete er in der Wiener Abteilung des „Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts“ (JIWO) mit. 1936 gab er in Wien die „klejne antologje fun der jidischer lirik in galizje 1897 – 1935“ und den Band „pojlishe liriker“ (mit Übersetzungen aus dem Polnischen ins Jiddische) heraus. Nach der deutschen Okkupation Österreichs wurde Mendel Neugröschel im Mai 1938 verhaftet und war bis Februar 1939 in den KZs Dachau und Buchenwald. Danach konnte er mit seiner Frau und seinem Sohn nach Brasilien emigrieren. Im Jänner 1941 reiste die Familie in die USA weiter. In New York arbeitete er als Hilfskraft im Gesundheitsamt und publizierte in jiddischen Zeitschriften. 1955 erschien in New York in dem Sammelband „fun noentn òvar“ seine fundamentale Monographie „di moderne jidische literatur in galizje“. Sein Sohn Joachim lebt als Lyriker, Essayist, Herausgeber (der Anthologien „Great Works of Jewish Fantasy“, „The Shtetl. A Creative Anthology of Jewish Life in Eastern Europe“) und Übersetzer (u. a. von Martin Buber, Elias Canetti, Paul Celan, Manès Sperber, aber auch Joseph Goebbels, Albert Speer, Hans-Jürgen Syberberg, Leni Riefenstahl) in New York.
Angaben nach: Bolbecher, Siglinde/Kaiser, Konstantin: Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Wien 2000, 499 f./Bearbeitet von Armin Eidherr, Salzburg.