(Wien 1905-Mexiko 1959). Nach langen Malübungen, die schon in früher Kindheit durch Privatlehrer und seine Eltern gefördert wurden, und in denen der Mensch nur noch eine Ellipse – das Oval eines Gesichts – an seine Gegenwart im Raum erinnert, überziehen sich ab 1935 Paalens erste surrealistische Bilder mit einem gleichförmigen, durchscheinenden, fein- gerippten Gewebe, das an Spinngewebe und Fledermausflügel erinnert. Bald richtet der Automatismus hier seltsame, nachtwache Totems auf, bald lässt er Krallenungeheuer unter dem Himmel miteinander kämpfen, die der Künstler „saturnsche Fürsten“ nennt. Eigens dazu erfindet Paalen, angeregt durch die Kellermalereien seiner böhmischen Heimat, eine automatische Maltechnik, die als „fumage“ in die Kunstgeschichte eingeht – also die Rauchmalerei, mit der Flamme einer Kerze oder eines Öllichts auf frisch grundierter Leinwand zeichnend.
1938 kehrt Paalen seiner Heimat, Paris und Europa den Rücken und reist in die Neue Welt. Auf einer Wahrnehmungsreise durch British Colombia, Alaska und durch die USA kommt er, eingeladen von Frida Kahlo und Diego Rivera, gemeinsam mit seiner Frau Alice Rahon und der gemeinsamen Schweizer Freundin Eva Sulzer nach Mexiko.
In seiner Pariser Zeit gehörte Wolfgang Paalen dem engsten Kreis um André Breton an. Aber 1942 distanzierte sich Paalen in seinem Essay „Farewell au Surréalisme“ von den einstigen Weggefährten.
Über die neuesten Errungenschaften der Naturwissenschaften bestens unterrichtet, ist Paalen davon überzeugt, dass Kunst und Wissenschaft es sich schuldig sind, simultan an der Entdeckung der Geheimnisse des Universums zu arbeiten. Bestärkt durch seine gründlichen Kenntnisse der primitiven Kunst Nordamerikas, vor allem der Mexikos und der Nordwestküste, besteht für ihn die Aufgabe der Kunst einer Epoche darin, ihre höchsten Gedanken zu artikulieren.
Mit diesen Ideen beschäftigt, komponiert er 1953 mit einigen vibrierenden Strichen und selten aufflackernden Farben einen tragischen und sinnlichen Raum, der von Gewitterbeben erfüllt ist. 1958 verwandeln sich seine Bilder in Blumensträucher, kurz danach, in einer stürmischen Nacht, schießt er sich mit dem Revolver ins Herz. In Mexiko erschien von 1942 bis 1944 die Aufsehen erregende Kunstzeitschrift „DYN“, in Anlehnung an das griechische Wort to dynaton, das Mögliche genannt. Hier scheinen erstmals die glänzenden Eigenschaften des Herausgebers und Schriftstellers Paalen auf. Der deutsche Autor Gustav Regler, ebenfalls Mexiko-Exilant, schreibt die erste bekannte Monographie über Paalen, die 1946 in New York von George Wittenborn verlegt wurde. In Paalens Nachlass befinden sich zahlreiche schriftstellerische Arbeiten, darunter Lyrik, Erzählungen, Kurzgeschichten und zwei surrealistische Dramen. Paalen schreibt in drei Sprachen, auf Deutsch, Englisch und Spanisch. Wolfgang Paalen publizierte etwa 25 kunsttheoretische Arbeiten, die in verschiedenen Zeitschriften und Publikationen erschienen. Seit den 30er Jahren erschienen, so z. B. „The New Image“ (DYN 1942), „Farewell au Surréalisme“ (DYN 1942), „Paysage Totémique“ (DYN 1942), „Art and Science“ (DYN 1942), „Totem Art“ (DYN 1943), „La Crise du Sujet dans la Peinture Moderne“ (Revue de IFAL 1945), „Metaplastic“ (Dynaton 1951) usf.
Bearbeitet von Christian Kloyber, Strobl.