(eigentlich: Sacharja-Chana Bergner)
Seine Mutter, Hinde Bergner, ist die Verfasserin der Autobiographie „In den langen Windernächten“ (in deutscher Übersetzung von Armin Eidherr, Salzburg 1995). Melech Rawitsch wuchs ohne traditionelle religiöse Erziehung auf. Er wandte sich früh der Philosophie Baruch Spinozas zu. Ab 1910 arbeitete er als Bankangestellter – zuerst in Lemberg und dann in Wien, wo er 1912-21 lebte. Im 1. Weltkrieg diente er in der österr.-ungarischen Armee. Seine Übersetzungen ins Jiddische (u. a. von Gedichten Else Lasker-Schülers und Albert Ehrensteins) erschienen in der jiddischen Wiener Literaturzeitschrift „kritik“.
1921 erschien sein Gedichtband „nakete lider“ in Wien. 1921 gab er, inzwischen Vater zweier Kinder, seine berufliche Sicherheit auf und übersiedelte nach Warschau, das damals eines der Hauptzentren der jiddischen Literatur war. In Warschau bildete er zusammen mit dem überzeugten Kommunisten Perez Markisch (1952 in der SU im Zuge der stalinistischen „Säuberungen“ ermordet) und mit Uri Zvi Grinberg den harten Kern der expressionistischen Schriftstellergruppe „chaljasstre“; er arbeitete zuerst bei der „Zentralen Jiddischen Schulorganisation“ (ZISchO) und dann als Sekretär des jiddischen Schriftstellerverbandes (250 Mitglieder).
1934 verließ er Polen, durchreiste die halbe Welt und lebte 1936-38 in Melbourne (Australien). Nach Aufenthalten in Buenos Aires, New York und Ciudad de México kam er 1941 nach Montreal, wo er – mit Unterbrechung durch zwei Israel-Aufenthalte (1950 und 1954-56) – bis zu seinem Tode blieb.
Eines von Melech Rawitschs bekanntesten Werken ist das bisher in fünf Bänden edierte „majn lekssikon“ (in jiddischer Sprache): eine Sammlung biographischer Skizzen über jiddische Schriftsteller, Journalisten etc. Rawitsch verfocht in Aufsätzen die Idee, aus dem jüdischen Schrifttum der letzten zwei Jahrtausende einen zweiten Band der Bibel zu kanonisieren. – Armin Eidherr übersetzte einen Abschnitt seiner Autobiographie und Gedichte (erschienen 1993 in: Literatur und Kritik Nr. 273/274, 56-63) und veröffentlichte eine größere Auswahl aus der Autobiographie (vor allem die Abschnitte über Rawitschs Zeit in Wien) im Rahmen der Buchreihe „Jiddische Bibliothek“. Melech Rawitschs Sohn Yosl (Jossel) Bergner lebt als Maler in Tel Aviv (Israel). – Der sehr umfangreiche Nachlass befindet sich in der National and University Library, Jerusalem.
Bearbeitet von Armin Eidherr, Salzburg.