Exil Lexikon Sonnenschein, Hugo

Sonnenschein, Hugo

(Pseudonym: Sonka)

Studierte ohne Abschluss Philosophie in Wien und Prag. 1907-12 ohne ständigen Wohnsitz, Hauptaufenthaltsort Wien. 1907 erste literarische Publikation. 1911 Einjährig-Freiwilliger. 1914-18 Infanterist. September 1918 Desertion; „Rote Garde“ in Wien. November 1918 auf dem Weg nach Prag verhaftet, bald freigelassen; schließt sich der tschechischen Sozialdemokratie an. 1920 abermals verhaftet. Mitarbeit an der anarchistisch-sozialistischen Wochenschrift „Cerven“.

Teilnehmer an KP-Gründung in Wien und Prag. Kontroverse mit Karl Kraus, von diesem als „kosmisches Schlieferl“ klassifiziert. 20er Jahre in Wien. Bis zum Ausschluss wegen „trotzkistischer Abweichung“ 1927 Sekretär der tschechischen KP-Gruppe in Wien. 1930 erschien im Paul Zsolnay Verlag „Der Bruder Sonka und die allgemeine Sache oder das Wort gegen die Ordnung“ Mitarbeit im PEN-Klub. Protestkampagne gegen die Einführung eines Schmutz- und Schundgesetzes, Organisation von Sitzungen, Reisen zu Tagungen, Teilname an Begräbnissen, aber auch beim PEN-Kongress von Ragusa im Mai 1933 vehementes Auftreten gegen die Nationalsozialisten. 1934 wird Hugo Sonnenschein, der tschechoslowakischer Staatsbürger ist, als „kommunsitischer Parteigänger“ in Schubhaft genommen und „für beständig aus Österreich abgeschafft“. Auf Bücherverbotsliste der Bundespolizeidirektion Wien gesetzt. In Prag 1937 Herausgeber einer Broschüre gegen die Moskauer Schauprozesse „Für Recht und Wahrheit“; Korrespondenz mit Leo Trotzki. Prozess mit Karl Kraus wegen des in der Brünner „Arbeiter-Zeitung“ erschienenen Gedichtes „Zeitgeister“.

Leben im Untergrund; dann nach Auschwitz deportiert. Im KZ und danach entsteht Hugo Sonnenscheins Gedichtsammlung „Schritte des Todes“. Nach der Befreiung zuerst nach Moskau, dann im Mai 1945 wegen angeblicher Kollaboration von der CSR-Justiz in Haft genommen; 1947 in Prag zu 20 Jahren Haft verurteilt. (Aufgrund von Anschuldigungen des Gestapo-Kommissars Willi Leiner). Es kommt, trotz Bemühungen von verschiedener Seite zu keiner Intervention des Internationalen PEN-Klubs.

Angaben nach: Bolbecher, Siglinde/Kaiser, Konstantin: Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Wien 2000, 595 ff./ Bearbeitet von Armin Eidherr, Salzburg.

Werkverzeichnis

Forschungsliteratur

  • Gauß, Karl-Markus - Markus - Der "weltverkommene Bruder Sonka"
  • Gauß, Karl-Markus - Markus - Hugo Sonnenschein
  • Haslinger, Josef - Einleitender Bericht über einen besiegten Autor
  • Maierbrugger, Arno - Laß mich bös' sein, Herrgott! Amen
  • Maierbrugger, Arno - Das Wort gegen die Ordnung: Hugo Sonnenschein, der vergessene Dichter
  • Ohrlinger, Herbert - Hugo Sonnenschein-Sonka
  • Schmidhofer, Claudia - Die Legende vom weltverkommenen Sonka

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