Friedrich Torberg studierte Philosophie und Germanistik in Prag. Schon früh reüssierte er in der Wiener Literaturszene und lernte Karl Kraus kennen. T.s erster Roman „Der Schüler Gerber hat absolviert“ (1930) erzielte einen beachtlichen Erfolg. Gemeinsam mit Hermann Hesses „Unterm Rad“ (1906) und Robert Musils „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ (1906) gilt T.s Roman als eines der besten Beispiele für die Thematisierung des Aufbegehrens und des Scheiterns der damaligen Jugend an den rigiden Konventionen der Erwachsenenwelt. Der sensible Schüler Gerber wird durch den Lehrer Kupfer, auch „Gott Kupfer“ genannt, systematisch vernichtet. Gerber verzweifelt an der Unmenschlichkeit des Schulbetriebes, die sich in „Gott Kupfer“, einem wahrem Sadisten in Lehrergestalt, symbolisch verdichtet.
1938 Torberg flüchtete vor den Nationalsozialisten zuerst in die Schweiz, von dort über Frankreich, Spanien und Portugal in die USA In Hollywood arbeitete er als Drehbuchautor. Seine Rolle im Exil wird oft kritisch betrachtet. Es wird ihm nachgesagt, er habe sich aktiv an der Verfolgung kommunistischer Kollegen während der McCarthy-Ära beteiligt. Seine antikommunistische Haltung setzte er fort, als er 1951 nach Österreich zurückkehrte. Die von ihm 1954 gegründete und bis 1965 herausgegebene Kulturzeitschrift „FORUM“ beschäftigte sich immer wieder mit angeblichen und tatsächlichen Verbindungen verschiedener Autoren mit dem Sowjetregime und dem Kommunismus. In diesen Zusammenhang gehört auch T.s Engagement gegen die Aufführungen von Stücken Bert Brechts in Österreich (Brecht-Boykott). Auch Hilde Spiel wurde mehrfach Ziel von T.s Anwürfen, was sie ihrerseits immer vehement zurückwies und auf eine alte Antipathie Torbergs gegen sie zurückführte. Spiel nannte ihre Beziehung zueinander einmal eine „Lebensfeindschaft“.
T. wurde durch Essays und vor allem durch seine Anekdotenbücher „Die Tante Jolesch oder der Untergang des Abendlandes in Anekdoten“ (1975), „Die Erben der Tante Jolesch“ (1978) und „Kaffeehaus war überall“ (1982) sowie durch die Übersetzungen Ephraim Kishons bekannt. Er schrieb zahlreiche Theaterkritiken, Gedichte, Drehbücher und Romane. Er gab auch die Werke von Fritz von Herzmanovsky-Orlando heraus. Die teils tiefgreifenden Veränderungen des fragmentarischen Werkes Herzmanovsky-Orlandos, die Torberg vornahm, um eine „lesbare“ Fassung der Texte herzustellen, brachte ihm schwere Kritik seitens der Literaturwissenschaft ein.
1979 erhielt er den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur.
Bearbeitet von Wilhelm Kuehs, Klagenfurt.