(Pseudonyme: Franziska Maria Rautenberg, Lawrence H. Desberry, Franziska Maria Tenberg)
Geborene Hermine Isabella Maria Viktoria Gräfin Folliot de Crenneville. Ihren Vater, Franz Graf Crenneville (gest. 1920), österreichischer Gesandter, begleitete sie bereits als Kind auf seinen Reisen nach Nordafrika (Algier, Tanger) und in den Nahen Osten, sowie nach Konstantinopel, Lissabon, Mailand, Florenz; sie erlernte mehrere Sprachen, was sich in 150 Übersetzungen von Romanen und Erzählungen aus dem Französischen, Russischen und Englischen niederschlug. Sie erhielt Unterricht von Hauslehrern, besuchte dann das Sacre Coeur in Algier und ein Pensionat für Höhere Töchter in Dresden. Ausbildung zur Volksschullehrerin in Ebensee (Oberösterreich). 1908, gegen den Willen ihrer Eltern, Heirat mit dem baltischen Gutsbesitzer Victor zur Mühlen (1879-1950). Konversion vom römisch-katholischen Glauben zum Protestantismus.
1908-13 am Gut ihres Mannes in Eigstfer (Kreis Fellin, heute Estland); Trennung von ihrem Mann. Bis 1919 wegen einer Lungenerkrankung in Davos. Seit 1918 Verbindung mit Stefan Klein (Heirat: Bratislava 1938). Übersiedlung nach Frankfurt, Beitritt zur KPD; später nach Berlin. Als Schriftstellerin hatte sie zunächst Erfolg mit ihrem Märchenbuch „Was Peterchens Freunde erzählen“.
Nach der Machteinsetzung der Nationalsozialisten flohen Hermynia Zur Mühlen und Stefan Klein nach Wien. Das Dritte Reich, „dieses zur Wirklichkeit gewordene Gräuelmärchen, zu bekämpfen“, wird zentrales Motiv ihrer drei großen Exilromane. In dieser Zeit innerliche Abwendung von der KP. März 1938 Flucht nach Bratislava unter Zurücklassung ihrer Bibliothek und einer Erbschaft nach ihrer Mutter. 1939 Flucht nach London. Bis 1948 in London, dann Radlett (nördlich von London). Trotz einer schweren Erkrankung übersetzte Hermynia Zur Mühlen neben ihrer literarischen Tätigkeit noch zehn größere Prosaarbeiten von englischen, französischen und US-amerikanischen Autoren. Zu ihrem 60. Geburtstag veranstalten der tschechoslowakische (Präsident: Frantisek Langer) und der österreichische PEN-Klub eine besondere Ehrung mit einer Lesung aus ihrem Werk.
Hermynia Zur Mühlen, zum Zeitpunkt ihrer Exilierung eine bekannte Schriftstellerin, gerät ab den 1950er Jahren in eine lange Vergessenheit. Ihr Nachlass ist verschollen.
Angaben nach: Bolbecher, Siglinde/Kaiser, Konstantin: Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Wien 2000, 722 ff./Bearbeitet von Armin Eidherr, Salzburg.