Exil Praxisfelder 04.) Von Prag bis Tucson – Die vielen Leben des Hans Natonek

Einleitung

Nicht nur Franz Kafka (1883-1924) hat von den „Krallen“ des Mütterchens Prag gesprochen, die ihn nicht loslassen würden (Kafka 1983, 14), beim exilierten Dichter Josef Paul Hodin (1905-1995) (vgl. Bolbecher, Kaiser 2000, 311-312) fungiert diese Einschätzung der alten Königsstadt als Titel seiner Autobiographie (Hodin 1985). Die Kafka-Literatur füllt Bibliotheken, Hodin ist, wie viele andere Prager Dichter, fast vergessen.

„Von Prag nach Tucson – Die vielen Leben des Hans Natonek“ will Sie anregen, eine Literatur zu entdecken, die ausgelöscht, verdrängt und in vielen Fällen zu Unrecht vergessen wurde. Hellmut G. Haasis resümiert zum Schicksal vieler „Bücher und Menschen“ (Arno Schmidt) aus Prag:

„Prags deutschsprachiger Beitrag zur Weltliteratur ruht in einem Totenhaus. Beweint wurde er kaum. Wer hätte ihn auch schon vermissen können? Ermordet, bestenfalls geflüchtet war der eine Teil des Publikums: die Juden Prags; verjagt nur wenige Jahre später der andere, die letzten Prager deutscher Sprache. Was die Nazis übriggelassen hatten, würgten die Stalinisten.“

Haasis 1992, 349

Aufgabe:

Wen bestimmt Hellmut G. Haasis als die wichtigen Leserinnen und Leser der deutschsprachigen Prager Literatur?

Juden Prags und deutschsprachige Prager
Diese Antwort ist richtig, sie geht eindeutig aus dem Textausschnitt hervor. Hellmut G. Haasis benennet diese beiden Gruppen.
Diese Antwort ist nicht vollständig. Bitte, lesen Sie den Textausschnitt noch einmal, um dann zu ergänzen.
Diese Antwort ist nicht vollständig. Bitte, lesen Sie den Textausschnitt noch einmal, um dann zu ergänzen.

Warum hat die Prager Literatur ihr Publikum verloren?

ermordet oder vertrieben

Diese Antwort ist richtig. Das Lese-Publikum wurde von den Nationalsozialisten und den stalinistischen Kommunisten ermordet oder vertrieben. Hellmut G. Haasis führt dies im Text an.

Diese Antwort ist nicht vollständig. Bitte, lesen Sie den Textausschnitt noch einmal, um dann zu ergänzen.

Wen macht Haasis für den Untergang, den Verlust der Prager Literatur verantwortlich?

Nationalsozialisten

Diese Antwort ist nicht vollständig. Bitte, lesen Sie den Textausschnitt noch einmal, um dann zu ergänzen.

Diese Antwort ist nicht vollständig. Bitte, lesen Sie den Textausschnitt noch einmal, um dann zu ergänzen.
Diese Antwort ist richtig. Hellmut G. Haasis macht sowohl die Nationalsozialisten als auch die Stalinisten für die Ermordung oder Vertreibung der Autor/-inn/en und des Publikums verantwortlich.

Welche Reaktion ortet Haasis aufgrund des Verlustes der Prager Literatur?

Betroffenheit der Fachwelt
Diese Antwort ist nicht richtig. Davon redet Haasis gar nicht, weder von der „Fachwelt“ noch von „Betroffenheit“.
Diese Antwort ist richtig, Hellmut G. Haasis verwendet zur Darstellung dieses Sachverhaltes das Bild des „Totenhauses“, in dem die Prager Literatur ruhe und die Formel, dass sie „nicht beweint“ wurde.

Es handelt sich bei vielen der „Prager Beiträge“ um Dichtungen, die nicht nur Literarhistorikern zu überlassen wären, sondern um Texte, die ein neues Lesepublikum verdienten. Verfasst wurden sie von Autorinnen und Autoren, deren Biographien gleichermaßen der Geschichtsforschung wie Thriller-Autoren Stoff liefern könnten. Friedrich Bruegel (Fritz Brügel) (vgl. Bolbecher, Kaiser 2000, 124-125) hat etwa 1951 den autobiographischen Roman „Verschwörer“ vorgelegt, der die Qualität eines literarischen Polit-Thrillers hat. (vgl. Bruegel 1988)

Kakaniens Erbe(n)

Seit der Öffnung der Ostgrenzen und der Diskussion um die EU-Osterweiterung rückt der östliche Teil der Donau-Monarchie verstärkt ins politische Bewusstsein Europas und vor allem Österreichs.

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Titel: Die Österreichisch-Ungarische Monarchie bis 1918 (Landkarte)
Quelle: Scheucher/Wald/Lein/Staudinger: Zeitbilder 7. Geschichte und Sozialkunde. Vom Beginn des Industriezeitalter bis zum Zweiten Weltkrieg. Wien ÖBV 1995, S. 49. Mit freundlicher Genehmigung von Ed. Hölzel GmbH, Wien, 2002
MalerIn/FotografIn: unbekannt
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Titel: Landkarte: Europa heute (Ausschnitt)

MalerIn/FotografIn: unbekannt

Aufgabe:

Vergleichen Sie bitte die beiden Karten und benennen Sie wichtige Nachfolgestaaten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Öffnen Sie dazu unser ARBEITSBLATT. Dort finden Sie weitere Anleitungen. Wenn Sie Ihre Fragen beantwortet und Ihre Eintragungen gemacht haben, dann speichern Sie Ihr Arbeitsblatt auf Ihrem PC oder auf Diskette, um es für weitere Fragen im Zuge dieses Praxisfeldes neuerlich aufrufen und bearbeiten zu können.

Karl-Markus Gauß polemisiert schon 1988 gegen jene Form österreichischer „Besinnungspolitik“, die eine „selbstverständliche Inbesitznahme dessen, was einem an Kultur nicht gehört, die Eingemeindung von dem, was einst mit kaltem Bürokratenzorn ausgegrenzt oder in hitzigem Dünkel verstoßen wurde“, darstelle. (Gauß 1988, 8) In der Kulturdiskussion eines gemeinsamen Europa sollten weder Besitzerstolz noch die verklärende Huldigung der Habsburger-Monarchie im Zentrum stehen. (ebd., 7, 8) Wünschenswert wäre stattdessen eine historisch-kritische Bestandsaufnahme des kulturellen bzw. literarischen Erbes der verschiedenen Regionen des alten Kaiser-Reichs.

Einen Beitrag zu dieser hat Jürgen Serke vorgelegt. Sein Buch (Serke 1987) zur vergessenen deutschsprachigen Literatur in Böhmen ist, wenn auch in einzelnen Aspekten manchmal fragwürdig (vgl. Gauß 1988, 119), eine informative böhmische Literaturgeschichte, die viel Material zugänglich macht und keiner provinziellen Ideologie huldigt. Serke arbeitete mit dem Zsolnay-Verlag zusammen, bei dem er in der Reihe „Literatur der Böhmischen Dörfer“ wichtige Texte herausgab. Zudem hat neuere Fachliteratur die Situation entscheidend verbessert. (Gauß 1988, Gauß 1991, Binder 1991, Born 1991, Haasis 1992, Demetz 1982, Sudhoff, Schardt 1992, Brandl 1990)

Verkürzend wäre es, ausschließlich den gelenkten Wissenschaften der ehemaligen CSSR die Schuld zu geben, dass viele Prager Dichter dem breiten Lesepublikum lange verloren waren. Ein wesentlicher Grund der verspäteten Auseinandersetzung mit dieser Literatur liegt etwa auch in der österreichischen (Kultur-)Politik der unmittelbaren Nachkriegszeit und der fünfziger Jahre. Denn bestimmt wurden diese Jahre nicht nur durch Aufbauwillen und Staatsvertrag (1955), sondern ebenso durch den unbewältigten Nationalsozialismus oder die verdrängte Ständestaat-Diktatur.

Informieren Sie sich, bitte, zu den Begriffen: Wiederaufbau, Staatsvertrag, Ständestaat.

Da das neu erstandene Österreich wenig von seinen exilierten Dichterinnen und Dichtern wissen wollte, blieben viele im Ausland, da die „Heimat“ keine Hilfe bot und offenbar keinen Wert auf eine Rückkehr legte. Gauß macht für dieses Klima u. a. die Kulturpolitik des ehemaligen Ständestaatsfunktionärs Rudolf Henz (zu Henz vgl. K. Müller 1990, 227-232) in hohem Maße mitverantwortlich, der als Programmverantwortlicher des Österreichischen Rundfunks gezielt förderte oder verhinderte – verhindert wurde von ihm beispielsweise die Ausstrahlung der „Osterlegende“ der böhmischen Dichterin Hermynia Zur Mühlen (1883-1951). (vgl. Gauß 1988, 11 ff., 160-173)

Aufgabe:

Informieren Sie sich, bitte, über Hermynia Zzur Mühlen mit Hilfe der Porträt-Vorlesung.

Der Zusammenhang der Prager Literatur mit der Katastrophe des Dritten Reichs und den Folgen ist überdeutlich: Fast alle Autoren und Autorinnen waren jüdischer Herkunft, von den 35 Autorinnen und Autoren, die in Haasis Anthologie vertreten sind, finden sich nur sieben nichtjüdischer Herkunft. Die verbleibenden 28 wurden von den Nationalsozialisten verfolgt, vertrieben oder umgebracht, ihre Werke verbrannt und ausgelöscht.

Eines von vielen Schicksalen sollen Sie nun näher kennen lernen.

Hans Natonek (1892-1963)

 

Betrachtet man Leben und Werk von Hans Natonek (1892-1963), treten die (politischen) Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die die Existenzen von unzähligen Menschen vernichtet haben, exemplarisch vor Augen und machen die Zusammenhänge zwischen Privatem und Öffentlichem deutlich.

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Titel: Natonek, Hans
Zeichnung von Bil Spira. Quelle: Bolbecher, Siglinde/Kaiser, Konstantin: Lexikon der österreichischen Exilliteratur, Wien: Deuticke 2000, 498. Archiv der Theodor Kramer Gesellschaft
MalerIn/FotografIn: unbekannt

Als Natonek am 20. Jänner 1941 mit dem Flüchtlingsschiff „Manhattan“ in New York ankam, zählte er 48 Jahre. Mit vier Dollar in der Tasche stellte er sich die Frage: „Wie oft kann man ein neues Leben beginnen?“ (Serke 1987, 87)

Tatsächlich lebte Hans Natonek gezwungenermaßen viele Leben in vielen Ländern. Das Habsburger Reich, in das er 1892 als Prager Jude hineingeboren wurde, ging 1918 unter. Der junge Mann ging nach Deutschland, aber die Weimarer Republik hörte 1933 zu existieren auf. Er kehrte 1935 nach Prag zurück, kaufte die tschechische Staatsbürgerschaft, aber diese bot 1939 keinen Schutz mehr vor den Nationalsozialisten. Paris wurde bis 1940 eine Zwischenstation, dann emigrierte er in die USA, nach Arizona, wo er 1963 vergessen starb. (ebd., 88)

In der autobiographischen Prosaskizze „Getto“ (abgedruckt in Haasis 1992, 35-39 oder Natonek 1982, 74-77), erschienen in der Textsammlung „Das jüdische Prag“ (1917), in der auch Franz Kafka seinen Text „Ein Traum“ (Kafka 1976, 137-139) veröffentlichte, beschreibt Natonek einen Spaziergang durch das alte Ghetto, den er als Junge mit seinem Vater unternahm.

Aufgabe:

Lesen Sie bitte nun den Text „Getto“ von Hans Natonek aufmerksam durch und erarbeiten Sie die anschließenden Aufgaben im ARBEITSBLATT. Rufen Sie, bitte, dazu wieder Ihr schon gespeichertes Arbeitsblatt von dem von Ihnen gewählten Speicherplatz auf. Vergessen Sie nicht, Ihre Arbeitsergebnisse im Anschluss wieder unter demselben Filenamen auf Ihrem PC oder Ihrer Diskette zu speichern.

Aufgabe:

Wie sieht der Vater das Ghetto, die alte Judenstadt? Unterlegen Sie Aussagen des Vaters, die sich auf das Ghetto und die jüdischen Traditionen beziehen, mit gelbem Markierstift.

Wie sieht der Ich-Erzähler, also der Sohn, das Ghetto und jüdische Frömmigkeit sowie Tradition? Unterlegen Sie Aussagen des Sohnes, die sich auf das Ghetto und die jüdischen Traditionen beziehen, mit rotem Markierstift.

Bitte erarbeiten Sie nun anhand des Textes ein Persönlichkeitsprofil des Vaters.

Bitte erarbeiten Sie nun anhand des Textes ein Persönlichkeitsprofil des Sohnes.

Zum Schluss des Textes („Was ist denn, Junge …“ bis „… Sabbatlichter entzündet.“): Wie verstehen Sie die Reaktion des Vaters? Warum, glauben Sie, möchte der Sohn vom Vater gesegnet werden?

Was könnte mit den „Sabbatlichtern“ gemeint sein?

In diesem Text geht es um auch um jüdische Assimilation und ihre Probleme. In welchen Passagen des Textes kommt dies zum Ausdruck?

Bitte versuchen Sie in einem kurzen Statement darzulegen, was für Sie und in Ihrem Leben „Tradition“ bzw. „Traditionsverlust“ bedeutet.

Das Kind in der Erzählung „Getto“ zeigt sich von der ihm fremden jüdischen Welt tief berührt. Hans Natonek ging nicht ins Ghetto zurück, wie der Junge in der Erzählung vorschlägt, sondern er absolviert vielmehr sein Philosophiestudium in Wien und Berlin. 1917 geht er als Journalist nach Halle, wo er Gertrud Hüther kennen lernt, die er, nachdem er 1918 zum evangelischen Christentum konvertierte, heiratet.

Zwischen 1920 und 1923 arbeitet er als Feuilletonredakteur in Leipzig bei der „Neuen Leipziger Zeitung“. Als Journalist – er ist auch Beiträger der „Weltbühne“, der „Frankfurter Zeitung“, der „Vossischen Zeitung“ – und Schriftsteller ist er ein wacher Beobachter der politischen Situation, der die Probleme seiner Zeit analysierend durchschaut und schreibend darlegt. So kommentiert er die Ermordung Kurt Eisners (1867-1919), sah die Herrschaft des „Stahlhelms“, untersuchte die Wirkung des Hitler-Ludendorff-Prozesses und prangerte den Opportunismus und die Orientierungslosigkeit des Großteils der bürgerlichen Intelligenz in der Weimarer Republik an. (Vgl. Natonek 1982, 6-72, Abschnitt: Publizistik von 1914-1933)

Ende der zwanziger Jahre konnte Natonek bereits auf ein umfangreiches publizistisches und literarisches Werk zurückblicken, das alle Gattungen (Feuilleton, Kritik, Rezensionen, Essay, Satire, Drama, Lyrik, Roman) umfasste.

Natoneks Vorgesetzter und „Freund“, Richard Lehmann, Chefredakteur der „Neuen Leipziger Zeitung“, ließ ihn nach dem 30. Jänner 1933 über Nacht fallen und „säuberte“ die Redaktion ohne die geringsten Skrupel. Für den Juden Natonek konnte im „erwachten“ Deutschland kein Platz sein. Dies ist verständlich, wenn Sie bedenken, dass er 1920 in der „Weltbühne“ geschrieben hatte:

„Wir brauchen eine neue Generation, in der der letzte Respekt vor der Waffe und ihrem Heroismus erloschen ist. Wir brauchen einen neuen Heroismus: den Mut, Überzeugungen zu vertreten, die – vorerst noch – Mißbilligung, ja Hohn der meisten auf sich laden. Wir brauchen die Militarisierung der Vernunft und die Entwaffnung des Militärs.“

Hans Natonek: Anschauungsunterricht an der Waffe. In: Die Weltbühne 27 (1920). In: Natonek 1982, 36

Aufgabe:

Gegen wen richtet sich dieser Artikel Ihrer Meinung nach?

militante Kommunisten
Gegen militante Kommunisten, die die Weimarer Republik bedrohten, ist falsch. Es gibt keinen Hinweis auf diese politischen Gruppierungen.
Diese Antwort ist nur zum Teil richtig, da Natoneks Kritik weiter geht.
Diese Antwort ist richtig. Der Artikel richtet sich gegen Kriegstreiber, Kriegsverherrlicher, Militaristen und Militär, paramilitärische Gruppen und Vereinigungen. Sie lässt sich aus dem Text erschließen, da Natonek mit den Begriffen „Waffe“, „Militär“, „Militarisierung“ arbeitet.

Welche Forderungen stellt Natonek an die „neue Generation“?

Ächtung von Waffen und Militär
Diese Antwort ist richtig. Natonek fordert eine pazifistische Generation.
Diese Antwort ist richtig. Natonek fordert den Mut ein, zu pazifistischen Überzeugungen zu stehen sowie – in ironischer Verwendung des Begriffes – die „Vernunft“ zu „militarisieren“.

Wie verstehen Sie den Titel dieses Artikels: „Anschauungsunterricht an der Waffe“? Beantworten Sie diese Frage im ARBEITSBLATT. Rufen Sie, bitte, dazu wieder Ihr schon gespeichertes Arbeitsblatt von dem von Ihnen gewählten Speicherplatz auf. Vergessen Sie nicht, Ihre Arbeitsergebnisse im Anschluss wieder unter demselben Filenamen auf Ihrem PC oder Ihrer Diskette zu speichern.

Natoneks literarische Arbeit der Weimarer Jahre zeigt beispielhaft die Möglichkeit von Literatur, komplexe historische Prozesse für die „Nachgeborenen“ (Bertolt Brecht) transparenter zu machen. Die fatale Rolle vieler Intellektueller und Journalisten in der Weimarer Republik ist ein zentrales Thema des Autors. Im Zeitungs-Milieu, das er genau kennt, spürt Natonek der Verflechtung von Autobiographischem und Politischem nach. „Kinder einer Stadt“ (1932) (Natonek 1987) etwa ist ein biographisch eingefärbter Epochen- und Zeitroman, der zu zeigen versucht, dass mit dem Ersten Weltkrieg eine Welt und ihre Werte untergingen. Die Korrumpierbarkeit von Journalisten, Idealen, Weltanschauungen, der dumm-aggressive Chauvinismus, der den Nationalsozialisten in die Hände arbeitet, sind wesentliche Themen.

Der Roman „Kinder einer Stadt“ erzählt die Geschichte von vier Prager Jugendfreunden, die Journalisten werden. Um den zum erfolgreichen (liberalen) Großbürger gewordenen Jungendfreund Epp aus lange aufgestauter Kränkung völlig zu vernichten, nimmt der im Prag der Jugendtage geschmähte „Judenjunge“ Dowidal [!] bei jenen militant-rechten Kreisen Zuflucht, die ihn zuletzt vernichten.

Joseph Roth (1884-1939) war von diesem noch heute lesenswerten Roman begeistert, obgleich er Einwände gegen essayistisch-kommentierende Passagen des Buchs hatte. (Roth [Briefe] 1970, 237 f.) Das Buch wurde am 10. Mai 1933 verbrannt.

Aufgabe:

Informieren Sie sich, bitte, über Autor/inn/en, deren Bücher bei der so genannten „Bücherverbrennung“ von den Nationalsozialisten vernichtet wurden. Tragen Sie, bitte, fünf Autorinnen oder Autoren sowie ihre verfemten und verbrannten Werke in die Tabelle im ARBEITSBLATT ein. Rufen Sie, bitte, dazu wieder Ihr schon gespeichertes Arbeitsblatt von dem von Ihnen gewählten Speicherplatz auf. Vergessen Sie nicht, Ihre Arbeitsergebnisse im Anschluss wieder unter demselben Filenamen auf Ihrem PC oder Ihrer Diskette zu speichern.

Hans Natonek zog den Roman zudem auch selber zurück, da der Reiseschriftsteller Richard Katz (1888-1968) sich in der Figur des Dowidal zu erkennen meinte und bei Ullstein intervenierte. Natonek formuliert in Tucson rückblickend:

„In einer frei erfundenen Romanhandlung schilderte ich einen dunklen Charakter, einen unerbittlichen Rächer seiner Erniedrigung. Ich kehrte sein Innerstes nach außen und mischte tatsächliche mit imaginären Zügen. Die Wirkung war ebenso verblüffend wie verheerend. Der Mann schrie auf, identifizierte sich mit der Figur und schwor, daß er nicht eher ruhen werde, bis das Buch und sein Verfasser vernichtet seien. Es war, als trete das Bild aus seinem Rahmen und als ob die Reaktion der Wirklichkeit die Richtigkeit meiner Geschichte beweise […] Es war ein erschreckender, gespenstischer Vorgang. Ich hatte einen Höllenprinzen dargestellt, und das Original, anstatt zu lächeln: ‚Das bin ich nicht‘, reklamierte sogar die erfundenen Züge für sich. Ich begann mich vor meinem eigenen Geschöpf zu fürchten […] Mein Buch war nicht als ‚Mausefalle‘ geplant, wie Hamlets kleines allegorisches Theaterspiel, in dem sich das Gewissen des Oheim-Mörders fängt. Um so bestürzender [!] war ich über die unbeabsichtigte Wirkung.“

Serke 1987, 108 f.

Aufgabe:

Was meinen Sie? Holt die Wirklichkeit die Fiktion ein oder kann Literatur (Fiktion) Wirklichkeit so intensiv gestalten, dass selbst „Erfundenes“ in der Realität Entsprechungen findet, die der Dichter gar nicht im Auge hatte?

Wirklichkeit holt Fiktion ein
Dies kann der Fall sein. Autor/inn/en zeichnen sich immer wieder durch besondere Hellsichtigkeit in Bezug auf Probleme aus, die sich erst entwickeln oder versteckt unter der allgemein einsichtigen „Wirklichkeit“ ablaufen.
Dies kann der Fall sein. Autor/-inn/en beziehen sich immer auch auf die „Wirklichkeit“ in umfassendem Sinn.

Hans Natonek verarbeitete in all seinen Texten seine politisch-berufliche Situation im Nationalsozialismus sowie seine persönlichen Krisen dieser Zeit. Vor allem in dem erst 1982 aus dem Nachlass publizierten Roman „Die Straße des Verrats“ wird dies besonders deutlich. Hauptfigur ist der jüdische Journalist Peter Nyman, dessen Ehe in dem Augenblick zerbricht, als seine berufliche Existenz durch die Nationalsozialisten zerstört wird. Gleichzeitig thematisiert Natonek das Versagen der freien Presse und die Kapitulation der Demokratie vor Hitler aufgrund der Unentschlossenheit, denn „aus lauter Nicht-Entscheidungen besteht das Leben“ seiner Romanfiguren. „Natoneks Stärke liegt“, meint Wolfgang U. Schütte, der Herausgeber des Romans, „in der Unmittelbarkeit der Widerspiegelung politischer Reaktionen und Haltungen im deutschen Bürger- und Kleinbürgertum der frühen dreißiger Jahre. Das Buch will als Zeitdokument gelesen und verstanden werden.“ (Natonek 1982, 371, Nachwort)

Die Verbindung von Privatem und Politischem wird im Roman programmatisch formuliert: „Im Kleinen geschieht, was im Großen geschieht, und alles hängt zusammen. Der allgemeine Irrsinn ringsum hatte sein exakt mikroskopisches Abbild in dem privaten Geschehen.“ (Natonek 1982, 254)

Natoneks Exposé betont sowohl den politischen als auch den autobiographischen Gehalt des Buchs:

Aufgabe:

Drucken Sie sich diese Textpassage bitte aus und markieren Sie die Schlüsselwörter dieses Exposés, die sich auf „Politisch-Gesellschaftliches“ beziehen, mit gelbem Markierstift.

Bitte markieren Sie die Schlüsselwörter dieses Exposés, die sich auf „Intim-Privates“ beziehen, mit rotem Markierstift.

Überlegen Sie im ARBEITSBLATT Gründe, warum sich oft im Privaten das Politische zeigt bzw. darstellen lässt. Rufen Sie, bitte, dazu wieder Ihr schon gespeichertes Arbeitsblatt von dem von Ihnen gewählten Speicherplatz auf. Vergessen Sie nicht, Ihre Arbeitsergebnisse im Anschluss wieder unter demselben Filenamen auf Ihrem PC oder Ihrer Diskette zu speichern.

In Ruth, der Geliebten Peter Nymans, ist Erica Wassermann, Natoneks zweite Frau, porträtiert. Die Tochter eines jüdischen Hamburger Anwaltes kam durch ihre Eltern, die mit Hermann Ullstein befreundet waren, zur „Neuen Leipziger Zeitung“, wo sie Natonek kennen lernte. Die Straße des Verrats erzähle, so meint Erica Wassermann, wirklichkeitsgetreu, was geschehen sei: 1932 begann eine Affäre zwischen ihr und Natonek, die durch das politisch erzwungene Zusammenrücken der Juden beschleunigt wurde. (Serke 1987, 110 f.) Im Roman wie im Leben bricht die doppelte Katastrophe ein. Natoneks erste Ehe war lange gescheitert. Nun verfolgte ihn (und den Romanhelden) die Hass-Sprache der Nazis auch im intim-privaten Bereich, wenn Margret, Peters Frau im Roman, zu einem Pastor über ihren Mann, den sie nicht freigibt, hasserfüllt formuliert: „‚Er lebt vom Verrat. Er ist ein Jude, ein Zersetzer, ein Zerstörer, ein Judas, wie er im Buche steht!‘ – Das Buch war ‚Mein Kampf‘, das sie mit einer Inbrunst las wie ein Frommer die Evangelien.“ (ebd., 248) Für Natoneks erste Frau Gertrud, so bestätigt Erica Wassermann, traf dies exakt zu – für sie waren Hans Natonek und Erica Wassermann eben „die Juden“. (ebd., 110 f.) An Natoneks neuen Schwiegervater schreibt Gertrud Hüther in einem Brief vom 14. Mai 1937:

„[…] Die Schmierereien Ihrer Tochter und die meines geschiedenen Mannes haben starken Anklang bei den deutschen sowohl auch tschechischen Behörden gefunden […] Und wer da glaubt, nach jüdischer Art ‚mauscheln‘ zu können, der irrt sich gewaltig. Da gibt es zukünftig eins auf die Fingerchen! Heil Hitler!“

zit. nach Natonek 1982, 360, Schreibung im Original

Erica Schmidt-Wassermann hat Hans Natonek wohl das Leben gerettet, da er Vogel-Strauß-Politik betrieb und in Deutschland geblieben wäre. Nach vielen Schwierigkeiten erfolgten die Scheidung und dann die neue Eheschließung. Zunächst lebte das neue Paar bei Ericas Eltern, Natonek recherchierte zum Chamisso-Roman Der Schlemihl (1936), dann wurde ihm vom nationalsozialistischen Regime die Staatsbürgerschaft aberkannt. Ein Zugführer, mit dem Hausmädchen der Familie Wassermann bekannt, versteckte ihn in einer Lokomotive, und so gelangte der nun Staatenlose im Mai 1935 ohne Papiere nach Prag. Die ökonomische Situation dort war trist, denn die Exilblätter konnten wenig zahlen.

Ludwig Winder (1889-1946) und Max Brod (1884-1968) versuchten zu helfen, aber Natonek isolierte sich immer mehr. Mit einer Geldzuwendung eines Onkels kaufte er die tschechische Staatsbürgerschaft. Nun wollte Natonek seine Kinder und auch seine Exfrau, die ebenfalls staatenlos wurde und so keinen Anspruch auf Unterstützung hatte, nach Prag holen. In dieser vielfach komplizierten Situation zerbrach die Ehe mit Erica, das Ehepaar ließ sich noch in Prag scheiden. Erica ging zu ihrer Schwester nach London, Natonek floh nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei nach Paris. Dort vertiefte er seine Freundschaft mit Joseph Roth und verkehrte im Kreis der Individualisten und politisch Lagerlosen. Er konzipierte einen Blaubart-Roman, der eine Verquickung seiner Lebensgeschichte mit dem Blaubart-Mythos, eine Auseinandersetzung mit seinen gescheiterten Liebesbeziehungen ist. Jürgen Serke hat das Werk, an dem der Autor in den USA noch intensiv gearbeitet hat, aus dem amerikanischen Nachlass wieder zugänglich gemacht. (Natonek 1988)

Nachdem Paris von deutschen Truppen besetzt worden war und Internierungslager für Deutsche eingerichtet worden waren, berieten Natonek, Ernst Weiß (1882-1940), Walter Mehring und Hertha Pauli ihre weitere Flucht nach Spanien. Natonek telegraphierte an Thomas Mann (1875-1955) und bat um Hilfe. Er ging nach Lourdes, wo auch Franz Werfel (1880-1945) festsaß. Dann gelangte er nach Toulouse, wo er Walter Mehring und Hertha Pauli, von denen er getrennt wurde, wiedertraf. Ernst Weiß hatte den Freitod gewählt. In Marseille erfuhr Natonek, dass Thomas Mann – wie so oft – geholfen hatte und sein Name an erster Stelle der Rettungsliste stand. Der amerikanische Liberale Varian Fry (1907-1967), der Gestapo und Vichy-Schergen immer wieder überlistete, half bei der Flucht nach Spanien und Lissabon, wo Natonek am 2. Jänner 1941 seine Ausreisepapiere erhielt und nach New York ging.

Aufgabe:

Notieren Sie, bitte, in der Tabelle im ARBEITSBLATT alle Städte, die bisher erwähnt wurden, in denen Hans Natonek gelebt oder gearbeitet hat bzw. die er bei seinen Fluchten berührt hat. Und unterlegen Sie anschließend jene Städte, die Natonek auf der Flucht berührte oder in denen er auf der Flucht lebte, rot. Rufen Sie, bitte, dazu wieder Ihr schon gespeichertes Arbeitsblatt von dem von Ihnen gewählten Speicherplatz auf. Vergessen Sie nicht, Ihre Arbeitsergebnisse im Anschluss wieder unter demselben Filenamen auf Ihrem PC oder Ihrer Diskette zu speichern.

Natonek thematisiert seine Heimatlosigkeit und seine Fluchten in einem kurzen Prosastück, das 1939 in Paris erschien.

Aufgabe:

Bitte lesen Sie den folgenden Text „Die Paß-Stunde“ aufmerksam durch.

Aufgabe:

Welche Stilmittel und literarische Verfahrensweisen können Sie in diesem Text feststellen?

Realistische, reportagenhafte Darstellung der Probleme eines Exilanten

Die Antwort ist falsch. Im Text finden sich keine Kennzeichen dieser Textgattung.

Die Antwort ist richtig. Eine ironische Spannung zeigt sich etwa zwischen dem professoralen „Prüfer“ und dem „Kandidaten“, denn der Kandidat erweist sich als der eigentlich Überlegene.
Diese Antwort ist richtig. Natonek baut (alb)traumhafte Erzähl-Sequenzen auf, die die Probleme von Exilanten besonders eindringlich formulieren.
Diese Antwort ist richtig. Natonek spielt etwa mit dem Wort „Pass“ ironisch, er verwendet es in verschiedenen Zusammenhängen, die die Not und die Sorgen der Exilanten deutlich machen.

Beantworten Sie die folgenden Fragen im ARBEITSBLATT. Rufen Sie, bitte, dazu wieder Ihr schon gespeichertes Arbeitsblatt von dem von Ihnen gewählten Speicherplatz auf. Vergessen Sie nicht, Ihre Arbeitsergebnisse im Anschluss wieder unter demselben Filenamen auf Ihrem PC oder Ihrer Diskette zu speichern.

Welche konkreten Informationen zur Person Natonek können Sie diesem Text entnehmen?

Auch in diesem Text spricht Natonek die Verbindung von Privatem und Politischem an. In welchen Textstellen wird dies besonders deutlich?

Schlüsselwort des Textes ist „Pass“. Nennen Sie verschiedene Bedeutungen und Bedeutungsinhalte des Wortes, die Natonek im Text verwendet.

Der Text ist als „Traum“ angelegt, welche Bedeutungsfelder, wenn Sie auch den Schluss beachten, nimmt oder kann „Traum“ in diesem Text abdecken.

In New York verfasst Natonek einen berührenden Text, der auf Europa zurückblickt und resümiert.

Aufgabe:

Bitte lesen Sie den Text „Letzter Tag“ in Europa durch, drucken Sie ihn aus und beantworten Sie die einige der Fragen im ARBEITSBLATT. Rufen Sie, bitte, dazu wieder Ihr schon gespeichertes Arbeitsblatt von dem von Ihnen gewählten Speicherplatz auf. Vergessen Sie nicht, Ihre Arbeitsergebnisse im Anschluss wieder unter demselben Filename auf Ihrem PC oder Ihrer Diskette zu speichern.

Aufgabe:

Auch in diesem Text gibt es eine Episode um einen „Pass“. Welche ist das und wie unterscheidet sich diese, Ihrer Meinung nach, vom Text „Pass-Stunde“?

Bitte markieren Sie die Abschnitte, in denen Natonek von Europa spricht, mit gelbem Markierstift.

Woran erinnert sich Natonek, als er an Bord des Schiffes zurückblickt?

seine zurückbleibende Frau
Diese Antwort ist nicht richtig. Natonek erwähnt seine Frau im Text nicht.
Diese Antwort ist richtig. Es heißt im Text: „[…] an alle, denen dieser entsetzliche Langstreckenlauf aus Europa heraus nicht oder noch nicht gelungen war, die unterwegs stürzten, an alle Kameraden der Flucht, die in ihren Gräbern oder in ihrer Not zurückgeblieben waren […]“
Diese Antwort ist richtig. Es heißt im Text: „[…] an alle, denen dieser entsetzliche Langstreckenlauf aus Europa heraus nicht oder noch nicht gelungen war, die unterwegs stürzten, an alle Kameraden der Flucht, die in ihren Gräbern oder in ihrer Not zurückgeblieben waren […]“

Wo und wodurch gelingt es ihm, Ihrer Meinung nach, am eindrucksvollsten seine Stimmungen und Gefühle in Sprache zu setzen?

In den USA konnte Natonek vom Schreiben nicht leben. So arbeitete er als Leichenwäscher, belegte einen Mechanikerkurs und unterrichtete Deutsch, Französisch und Geschichte. Schließlich landete er in der Wüste, in Tucson/ Arizona, wo er Tausende Seiten in Englisch schrieb, etwa „In Search of Myself“ (1943), oder die unpublizierten Texte „Destination Unknown“, „The Posthumous of Francois Maimon“, „Yesterday is Tomorrow“. 1945 verfasste er „Fräulein Thea“, einen Roman um eine verführerische Frau, die in die USA geht und sich schließlich als ehemalige KZ-Aufseherin entpuppt. Auch dieses Buch findet keinen Verleger, eine ähnliche Thematik wird in den 1990er Jahren von Bernhard Schlink aufgegriffen, der mit seinem Buch „Der Vorleser“ (1997) einen Bestseller landet.

Noch vor Kriegsende notierte Natonek so hellsichtig wie resignativ:

„Wenn die Deutschen verlieren, werden sie sich tot und eventuell kommunistisch stellen; sie werden ihre Unschuld beteuern und sagen, daß sie von Hitler verführt waren, hilflos in seiner Gewalt, und sie werden sich von Amerika ernähren lassen. Das Risiko der Deutschen ist auf jeden Fall gering, darum werden sie bis zuletzt ihre Chance nehmen. Man kann das Problemkind der Geschichte nicht anders behandeln als: erst schlagen, dann reden.“

Serke 1987, 122 f.

Aufgabe:

Beantworten Sie die folgenden beiden Fragen im ARBEITSBLATT. Rufen Sie, bitte, dazu wieder Ihr schon gespeichertes Arbeitsblatt von dem von Ihnen gewählten Speicherplatz auf. Vergessen Sie nicht, Ihre Arbeitsergebnisse im Anschluss wieder unter demselben Filenamen auf Ihrem PC oder Ihrer Diskette zu speichern.

Welche Reaktionen erwartet Natonek bei Kriegsende vom deutschen Volk?

Wie verstehen Sie den letzten Satz?

1957 unternahm Natonek seine einzige Europareise nach dem Krieg, um seine Kinder zu sehen. Niemand nahm Notiz von ihm. Im gleichen Jahr wurde Hans Natoneks Roman „Der Schlemihl. Ein Roman vom Leben des Adalbert von Chamisso“ (zuerst Amsterdam, Allert de Lange, 1936) wieder aufgelegt, er bleibt lange Zeit sein einziges Buch, das nach dem Zweiten Weltkrieg nachgedruckt wurde.

„Exil ist keine Lösung, die Sprache wandert nicht aus“, schrieb er 1961 an seinen Sohn nach Deutschland. (Serke 1987, 92) Trotz oder gerade wegen dieser Einsicht verfasst er im amerikanischen Exil auch Gedichte. Eines, 1962, ein Jahr vor seinem Tod in Aufbau, New York, Nr. 52, erschienen, trägt den Titel „Wir, die Überlebenden“.

Aufgabe:

Bitte, lesen Sie dieses Gedicht nun zunächst genau durch und beantworten Sie die folgenden Fragen (teilweise im ARBEITSBLATT). Rufen Sie, bitte, dazu wieder Ihr schon gespeichertes Arbeitsblatt von dem von Ihnen gewählten Speicherplatz auf. Vergessen Sie nicht, Ihre Arbeitsergebnisse im Anschluss wieder unter demselben Filenamen auf Ihrem PC oder Ihrer Diskette zu speichern.

Was ist das Thema des Gedichts?

Flucht vor den Nationalsozialisten
Diese Antwort ist nicht richtig. Natonek erwähnt seine Frau im Text nicht.
Diese Antwort ist richtig.
Diese Antwort ist nicht richtig. Natonek erwähnt dies im Text nicht.

Wie verstehen Sie „Feuer“ und „Rauch“ in der ersten Strophe? (im ARBEITSBLATT)

Was könnte Natonek unter „geliehenem Glück“ verstehen?

Das Glück, den nationalsozialistischen Machthabern entkommen zu sein
Diese Antwort ist nicht richtig. Natonek spricht zwar von Verfolgung und Flucht, verknüpft dies allerdings mit der Frage, warum ausgerechnet er „aufgespart“ wurde.
Diese Antwort ist nicht richtig. Natonek spricht in diesem Text nicht von seinem Exilland.
Diese Antwort ist richtig. Allerdings thematisiert das Gedicht das zutiefst Problematische des zufälligen Überlebens. Viele Überlebende des Holocaust legten und legen sich immer wieder die Frage vor: „Warum habe ausgerechnet ich überlebt?“ Die erste Strophe belegt diese Überlegungen.

Was könnte Natonek unter „große Schuld“ verstehen?

Zu wenig persönlicher Einsatz von Natonek für andere Juden
Diese Antwort ist nicht richtig. Die Frage, ob Natonek sich mehr für andere Juden, die nicht gerettet werden konnten, hätte einsetzen können, berührt der Text nicht.
Diese Antwort ist nicht richtig. Die Frage nach der Schuld der Nationalsozialisten und damit nach den Tätern, die die „Endlösung“ und damit die Auslöschung des jüdischen Volkes betrieben haben, wird in diesem Gedicht nicht berührt.
Diese Antwort ist richtig. Natonek spricht von der „dunklen Frage“, die ihn quält, sowie davon, dass er „auserwählt“ wurde, um zu leben, dass diese Lebenszeit letztlich nicht sein Eigentum oder Recht sei, sondern ein Geschenk. „Bessere“ seinen ermordet worden.

Was könnte Natonek mit „Brüder im Martyrium“ meinen?

Die anderen Exilanten
Diese Antwort ist nicht richtig. Der Text thematisiert die Exilanten als Menschen, die die mörderische Bürokratie des Holocausts letztlich zufällig überlebt haben.
Diese Antwort ist richtig. Natonek stellt damit den Bezug zu den in den Konzentrationslagern gequälten und ermordeten Juden her.

Sind Sie im Lehrgang zur Österreichischen Exilliteratur auf Texte gestoßen, die, Ihrer Meinung nach, eine ähnliche Thematik aufweisen? Welche? (im ARBEITSBLATT)

1963 starb Hans Natonek als vergessener Autor, der die menschlichen und politischen Katastrophen dieses Jahrhunderts wie kaum einer verkörpert. Ein Leben voller Zweifel, ein Leben zwischen den Stühlen, ein Leben auf der Flucht, gehetzt, gejagt, verunsichert, verzweifelt – eine Figur aus Kafkas Texten. Kafkaesk auch die Situation seines schriftstellerischen Nachlasses: Die Gestapo beschlagnahmte in Paris mehrere Koffer mit Manuskripten und schaffte sie nach Berlin. 1945 wurden die Dokumente und Manuskripte von den Sowjets sichergestellt und nach Moskau gebracht. 1957 wurde das Material in die DDR überstellt. Das Innenministerium verwaltete die Schriften, der Autor, dessen Adresse in der DDR bekannt war, erhielt sein Eigentum nie zurück.

Niemand aus Europa hat ihn nach 1945 in der Wüste von Arizona aufgesucht. John M. Spalek (University Albany) rettete den amerikanischen Nachlass, den seine dritte Frau Anne nach Natoneks Tod in der Garage aufbewahrte; Natonek verstand das Material lediglich als „persönliche Dokumente“, unter denen sich etwa 50 Notizbücher und ein Großteil der Korrespondenz befand. Ein Drittel der Manuskripte war von Kakerlaken zerfressen.

Anhang

Werkverzeichnis

  • Natonek, Hans - Blaubarts letzte Liebe
  • Natonek, Hans - Der Schlemihl. Ein Roman vom Leben des Adalbert von Chamisso
  • Natonek, Hans - Die Straße des Verrats. Publizistik, Briefe und ein Roman
  • Natonek, Hans - Kinder einer Stadt

Forschungsliteratur

  • Binder, Hartmut (Hg.) - Prager Profile. Vergessene Autoren im Schatten Kafkas
  • Bolbecher, Siglinde; Kaiser, Konstantin - Lexikon der österreichischen Exilliteratur
  • Born, Jürgen (Hg.) - Deutschsprachige Literatur aus Prag und den böhmischen Ländern 1900-1925
  • Brandl, Bruno (Hg.) - Liebe zu Böhmen. Ein Land im Spiegel deutschsprachiger Dichtung
  • Bruegel, Friedrich - Verschwörer
  • Demetz, Peter (Hg.) - Alt-Prager Geschichten
  • Gauß, Karl-Markus - Markus - Die Vernichtung Mitteleuropas
  • Gauß, Karl-Markus - Markus - Tinte ist bitter. Literarische Porträts aus Barbaropa
  • Haasis, Hellmut G. (Hg.) - Die unheimliche Stadt. Ein Prag-Lesebuch
  • Hodin, Joseph Paul - Dieses Mütterchen hat Krallen. Die Geschichte einer Prager Jugend
  • Kafka, Franz - Briefe an Oskar Pollak. 1902-1924
  • Kafka, Franz - Gesammelte Werke. Bd. 4
  • Mann, Thomas - Briefwechsel mit Agnes E. Meyer. 1937-1955
  • Müller, Karl - Zäsuren ohne Folgen. Das lange Leben der literarischen Antimoderne Österreichs seit den 30er Jahren
  • ohne Autor - Diderike Weltatlas
  • Scheucher, Alois; Wald, Anton; Lein, Hermann; Staudinger, Eduard - Zeitbilder 7. Geschichte und Sozialkunde
  • Serke, Jürgen - Böhmische Dörfer
  • Sudhoff, Dieter; Schardt, Michael M. (Hg.) - Prager deutsche Erzähler
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