Exil Praxisfelder 09.) Österreichbilder von Exilierten

Die Perspektive der älteren Autorinnen und Autoren (Monarchie)

Der Schriftsteller Claudio Magris diagnostizierte Mitte der sechziger Jahre, dass die österreichische Literatur bis in seine Zeit hinein von der k. u. k. Vergangenheit bzw. von mythischen Vorstellungen über diese Vergangenheit geprägt sei, dass eine Art habsburgischer Mythos die österreichische Literatur beschäftige. (Claudio Magris: Der habsburgische Mythos in der österreichischen Literatur. Salzburg 1966.) Viel ist seither über diese These diskutiert und geschrieben worden. Tatsache ist, dass die österreichische Literatur geschichtlich, sprachlich und personell aus der spezifischen Situation der Donaumonarchie geschöpft hat.

Aufgabe:

Welche der folgenden Schriftsteller/inn/en stammen aus Gebieten der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie, die heute nicht mehr zu Österreich gehören?

Falls Sie unsicher sind, können Sie sich unter folgenden Links informieren:

Franz Kafka
Ihre Antwort ist richtig. Franz Kafka wurde 1883 in Prag (Böhmen) geboren, das heute die Hauptstadt der Tschechischen Republik ist.
Ihre Antwort ist nicht richtig, denn Hermynia Zur Mühlen wurde 1883 in Wien, in der damaligen Reichs- und Residenzhauptstadt Wien, das heute die Hauptstadt der Zweiten Republik Österreich ist, geboren. Informieren Sie sich über die Autorin in unserem Porträt und Lexikonartikel.
Ihre Antwort ist richtig. Denn Franz Werfel wurde am 10. September 1890 in Prag geboren. Er starb am 26. August 1954 in Beverly Hills.
Ihre Antwort ist richtig, denn Joseph Roth wurde 1894 in Brody/Ostgalizien geboren, in einem kleinen Städtchen, das heute zur Ukraine gehört und damals an der Grenze zum russischen Reich lag.
Ihre Antwort ist richtig, denn Karl Kraus wurde 1874 in Jicin/Böhmen geboren, das heute zur Tschechischen Republik gehört.
Ihre Antwort ist richtig, denn Paul Celan wurde 1920 in Czernowitz/Bukowina geboren, das bis 1918 zur österreichisch-ungarischen Monarchie gehörte und heute auf ukrainischem Staatgebiet liegt. Vgl. Sie auch unseren Lexikonartikel zu Paul Celan.
Ihre Antwort stimmt nicht. Denn Robert Musil wurde 1880 in Klagenfurt, der Landeshauptstadt von Kärnten, geboren. Vgl. Sie dazu auch unser Porträt über Robert Musil.
Ihre Antwort stimmt nicht, denn Theodor Kramer wurde 1897 in Niederhollabrunn in Niederösterreich geboren. Vgl. Sie dazu auch unser Porträt über Theodor Kramer und unseren Lexikonartikel.

Welche unterschiedlichen – nicht nur literarischen – Herangehensweisen mit dieser Vergangenheit verbunden waren, sollen zwei Texte von österreichischen Exilautoren zeigen, die sich direkt damit beschäftigt haben. Es handelt sich dabei um einen Ausschnitt aus dem Roman „Brennende Dörfer“ von Leo Katz und den Beginn der Erzählung von Joseph Roth: „Die Büste des Kaisers“. Beide Texte stammen aus dem Jahr 1907. Bevor Sie aber in unser ARBEITSBLATT wechseln, um dort einige Fragen zu beantworten, studieren Sie, bitte, noch die folgenden Passagen.

Aufgabe:

Wissen Sie, welche Regelung in diesem Jahr in der österreichischen Hälfte der österreichisch-ungarischen Monarchie eingeführt wurde?

Die Badenischen Sprachenreformen
Nein. Die Sprachenverordnungen der Regierung Badeni für Böhmen und Mähren erfolgten 1897. Diese Verordnungen bestimmten die Doppelsprachigkeit für alle Gerichts- und Verwaltungsbehörden und verlangten von allen Beamten die Kenntnis beider Landessprachen in Wort und Schrift. Die Verordnungen scheiterten an deutschnationalen Unruhen. Badeni musste zurücktreten.
Ja. Im Mai 1907 fanden die ersten Wahlen nach dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht statt ? allerdings beschränkt auf Männer über 24 Jahre.
Nein. 1907 betrug die tatsächliche Arbeitszeit zumeist 10 bis 12 Stunden, vor dem Ersten Weltkrieg konnte in den meisten Branchen der Zehnstundentag (einschließlich des Samstags!) durchgesetzt werden. Die österreichische Republik brachte dann den Achtstundentag plus eine Woche bezahlten Urlaub.

Lesen Sie im Folgenden den Ausschnitt aus dem Roman von Leo Katz: Brennende Dörfer und den Beginn der Erzählung von Josph Roth: Die Büste des Kaisers.

[pdfviewer]https://www.literaturepochen.at/wp-content/uploads/rothkaiser.pdf[/pdfviewer]

[pdfviewer]https://www.literaturepochen.at/wp-content/uploads/katzdoerfer.pdf[/pdfviewer]

Folgende Hilfen können Sie noch in Anspruch nehmen:

Aufgabe:

Möchten Sie noch eine Erklärung der Titel der beiden Texte haben?

Brennende Dörfer

Der Roman „Brennende Dörfer“ ist als autobiographischer Bericht eines jüdischen Schülers des k.k. Gymnasiums in Sereth abgefasst und behandelt den Zeitraum Februar bis März 1907.

1907 wurde nicht nur das Männerwahlrecht in der österreichischen Reichshälfte eingeführt, sondern es erhob sich im Februar auch ein rumänischer Bauernaufstand, der Ende März unter dem Feuer der rumänischen Armee zusammenbrach. Er war aus Konflikten über die Höhe des Pachtzinses entstanden. Das Land gehörte großen Grundeigentümern: den Bojaren, dem rumänischen Königshaus und der rumänischen-orthodoxen Kirche. Zwischen diesen Grundbesitzern und der Masse der kleinen und landlosen Bauern gab es eine Schicht von Pächtern, arendasi, die das gepachtete Land für einen Teil der Ernte den Bauern vermieteten. Die Verträge darüber wurden jedes Jahr neu geschlossen.

„Die Pächter waren oft Juden oder Griechen; in der an die Bukowina angrenzenden Moldau dominierten jüdische Pächter. Viele von ihnen waren österreichische Untertanen. Der Zorn der Bauern richtete sich zunächst gegen die Pächter, im Verlauf des Aufstandes mehr und mehr gegen die Grundeigentümer selbst. Der Aufstand von 1907 war der Höhepunkt einer Reihe von Bauernrevolten in Rumänien.“ (Konstantin Kaiser: Nachwort. In: Leo Katz: Brennende Dörfer. Roman. Mit einem Nachwort von Konstantin Kaiser. Wien: Verlag für Gesellschaftskritik, 1993 (Antifaschistische Literatur und Exilliteratur 7, S. 173)

Mit dem ursprünglichen Zorn gegen die Pächter verbanden sich antisemitische, teilweise pogromartige Ausschreitungen.

1907 besucht der Kaiser das ostgalizische Dörfchen Lopatyny, wo Graf Morstin, der sich als übernationaler „Österreicher“ fühlt, lebt. Zur Feier und Erinnerung lässt der Graf eine von einem Bauernjungen gefertigte Büste des Kaisers aufstellen. Nach dem Untergang der Monarchie befiehlt die polnische Republik die Entfernung dieser Büste. Der Graf lässt sie daraufhin von einem orthodoxen und einem katholischen Geistlichen sowie einem Rabbiner beerdigen. In seinem Testament bestimmt er, dass er nicht in der Familiengruft, sondern neben der Büste des Kaisers beigesetzt werden soll.
sereth
Titel: Bernt, Rudolf: Sereth
Sereth war die Geburtsstadt von Leo Katz in der Bukowina. Aus: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild. Bukowina. Wien 1899, S. 13
MalerIn/FotografIn: unbekannt

Aufgabe:

Öffnen Sie nun in unser ARBEITSBLATT, um einige Fragen zu den beiden Texten von Leo Katz und Joseph Roth in Form von kurzen Essays zu beantworten. Im Arbeitsblatt finden Sie weitere Anleitungen. Wenn Sie Ihre Fragen beantwortet und Ihre Eintragungen gemacht haben, dann speichern Sie Ihr Arbeitsblatt auf Ihrem PC oder auf Diskette, um es für weitere Fragen im Zuge dieses Praxisfeldes neuerlich aufrufen und bearbeiten zu können.

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Junges Österreich/Young Austria

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Titel: Deklaration österreichischer Vereinigungen in Großbritannien
Deklaration österreichischer Vereinigungen in Grossbritannien - Resolution. Mit freundlicher Genehmigung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW)
MalerIn/FotografIn: unbekannt

Am ersten Jahrestag der Okkupation Österreichs durch das Deutsche Reich, dem 11. März 1939, wurde in London die Jugendgruppe „Junges Österreich“ (Young Austria) gegründet.

Tausende Jugendliche, zum Teil noch im schulpflichtigen Alter, waren ohne Familie nach Großbritannien gekommen. Für Sie bedeutete die Organisierung einerseits sozialer Halt und Ersatzfamilie, andererseits Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Schon der Name „Junges Österreich“ wies darauf hin, dass diese Jugendorganisation nicht irgendeine politische Gruppe vertreten wollte, sondern sich als Keimzelle eines wiedererstehenden verjüngten Österreich sah.

„Es oblag daher dem Jungen Österreich, in der britischen Öffentlichkeit ein anderes als das von den Medien verbreitete Österreichbild zu verankern. Die Kommunisten, die das Junge Österreich aufbauten, hatten ja schon seit 1937 im Gegensatz zu früheren Positionen das Konzept von einer eigenständigen österreichischen Nation und Kultur entwickelt; dieses Konzept wurde nun in den Jugendgruppen pädagogisch umgesetzt. Man versuchte, die jungen, fast ausschließlich jüdischen Flüchtlinge zu nationalbewußten Österreichern zu erziehen. […] Das Junge Österreich war eine Bewegung, die sich politisch nach links ausrichtete, aber gleichzeitig sehr patriotisch war ? das ging so weit, daß ihre Mitglieder, die größtenteils aus den Wiener jüdischen Arbeiter- und Mittelschichten kamen, in Lederhosen und Dirndl gesteckt und zu Schuhplattlerabenden in verschiedene englische Orte geschickt wurden. Public Relations für einen künftigen Nationalstaat Österreich. (Die übrigens ihre Wirkung keineswegs verfehlte).“

Helene Maimann: Das österreichische Exil in Großbritannien 1938-1945. In: Kultur des Exils am Beispiel Großbritannien. Aufrisse, 8. Jg. Nr. 1/1987, 18-21, hier: 20

So verzeichnete Young Austria 1943 1300 Mitglieder, 95 Prozent von ihnen arbeiteten in der Kriegsindustrie. In einer 1943 unter das Motto „Austrians for Britain“ gestellten Woche leisteten sie 21.650 Überstunden. Über 300 Mitglieder meldeten sich freiwillig zu Kampfeinheiten der britischen Armee. Zirka 300.000 Menschen besuchten im Sommer 1943 die in mehreren britischen Städten gezeigte Fotoausstellung „Austria shall be free“.

Aufgabe:

Betrachten Sie im Folgenden einzelne Dokumente, die das Österreichbewusstsein von Young Austria zeigen, und beantworten sie bitte die daran anschließenden Fragen.

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Titel: Fried, Erich: Mitgliedsausweis
Mitgliedsausweis des Jungen Österreich für Erich Fried (Gruppe "Maida Vale", Mitgliedsnummer 36), ausgestellt am 1. Juli 1941. Aus: Abbildung aus: Volker Kaukoreit und Jörg Thunecke (Hg.): 126, Westbourne Terrace. Erich Fried im Londoner Exil (1938-1945) Texte und Materialien. Turia + Kant 2001, S. 2. Nachlaß Erich Fried, Österreichisches Literaturarchiv der Österreichischen Nachtionalbibliothek
MalerIn/FotografIn: unbekannt

Auf der Rückseite findet sich folgender Text:

„AUS UNSEREM PROGRAMM: »JUNGES OESTERREICH« ist die einheitliche Organisation der in Gross-Brita[n]nien lebenden oesterreichischen Jugend, die ohne Unterschied der Religion und Weltanschauung ihre Heimat. frei, unabhaengig und demokratisch haben will. »JUNGES OESTERREICH« will die oesterreichische Jugend im Geiste der Liebe und Treue zur Heimat erziehen und bekennt sich zu der in der Heimat um ihre Freiheit kaempfenden Jugend. »JUNGES OESTERREICH« will die oesterreichische Kultur und nationale Eigenart im eigenen Rahmen pflegen und sie seinem Gastlande weitervermitteln. »JUNGES OESTERREICH« will Freundschaft und Kameradschaft mit der britischen Jugend. »JUNGES OESTERREICH« fuehlt sich engverbunden mit der tschechischen und deutschen freiheitlichen Jugend im gemeinsamen Kampf gegen den gemeinsamen Feind. »JUNGES OESTERREICH« heisst Kameradschaft halten mit allen jungen Landsleuten und gegenseitig Hilfe bringen. Einer ist schwach, viele aber sind stark. »JUNGES OESTERREICH« will mithelfen am demokratischen Aufbau Oesterreichs, das der Jugend ein Leben in Freiheit, Glueck und Freude geben wird.“

Aufgabe:

Können Sie eventuell noch einen weiteren Satz formulieren, der in dieses Programm passen könnte? Wechseln Sie nun in unser ARBEITSBLATT, um diese Frage zu beantworten (vgl. Frage 2.1.). Rufen Sie, bitte, dazu wieder Ihr schon gespeichertes Arbeitsblatt von dem von Ihnen gewählten Speicherplatz auf. Vergessen Sie nicht, Ihre Arbeitsergebnisse im Anschluss wieder unter demselben Filenamen auf Ihrem PC oder Ihrer Diskette zu speichern.

Betrachten Sie nun folgende Programmangebote des „Young Austria“ und lesen Sie daran anschließend eine Kritik an dieser „Heimatpflege“!

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Titel: Chor des Young Austria
Veranstaltungshinweis für den Chor des Young Austria. (Young Austria, IV. Jahrgang, Nr. 9/1942. Mit freundlicher Genehmigung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW)
MalerIn/FotografIn: unbekannt

„Der Chor des Young Austria unter der Leitung von Erwin Weiß, die Spielgruppe unter Otto Tausig und die Volkstanzgruppe entwickelten sich zum besten und erfolgreichsten Propagandainstrument der gesamten Emigrationsbewegung.“

Österreicher im Exil. Großbritannien 1938-1945. Eine Dokumentation. Hrsg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Wien 1992, 168

springdance
Titel: Young Austria: Einladung zum Frühlingstanz
Einladung des Young Austria zum Frühlingstanz. Die Zeichnung erinnert an die Wachau. Mit freundlicher Genehmigung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW)
MalerIn/FotografIn: unbekannt
skihuette
Titel: Young Austria: Schihüttenabend
Hinweis auf einen Schihüttenabend zugunsten der Internierten in der Zeitschrift Young Austria (Young Austria, II. Jahrgang, Dez. 1940). Mit freundlicher Genehmigung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW)
MalerIn/FotografIn: unbekannt

Die sozialdemokratische Zeitschrift „London Information“ kritisierte im Oktober 1941 unter dem Titel „Schuhplattler gegen Hitler“ die ihrer Meinung nach zu folkloristischen Darbietungen des Young Austria.

„Am 11. Oktober fand in der Albert Hall ein großes internationales Jugend-Meeting (International Youth Rally) im Zeichen des Kampfes gegen Hitler statt, welches von Kommunisten und Bürgerlichen (auch Vertretern einzelner Regierungen) veranstaltet war. Die österreichischen Sozialisten sind dazu nicht eingeladen worden: man hat unsere Teilnahme nicht gesucht, man hat sie aber nach bekannten Methoden vorgetäuscht, indem eine dazu nicht befugte Person in den Ankündigungen fälschlich als Vertreter unserer Partei bezeichnet wurde. Teilgenommen hat natürlich die unter kommunistischer Leitung stehende Organisation Young Austria. Und welches war der Beitrag dieser jungen Österreicher zur internationalen Kampfveranstaltung? Sie haben – geschuhplattelt! Über diese politische Leistung der österreichischen Kommunisten ließen sich viele heitere und bittere Worte sagen. Wir wollen uns mit einigen ganz kurzen Feststellungen begnügen: In Österreich selbst schuhplattelt kein Mensch; dieser überlebte Bauerntanz gehört zu den Requisiten der Hollywood-Operette und – der vaterländischen Traditionslüge. Er gehört zu jener verlogenen Vorstellung vom ewig heiteren, ewig tanzenden Österreich, die wir Sozialisten immer bekämpft haben und die uns in der Welt so sehr geschadet hat: die Welt hat die österreichische Demokratie für ein Heurigenidyll gehalten und den österreichischen Faschismus nicht zur Kenntnis genommen – nach dem Schießen ging ja das Jodeln weiter! Nein, kein österreichischer Arbeiter schuhplattelt.“

London-lnformation, Nr. 20, Mitte Oktober 1941. Zitiert nach: Österreicher im Exil. Großbritannien 1938-1945. Eine Dokumentation. Hrsg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Wien 1992, 201. Quelle: DÖW Bibliothek 3058

Aufgabe:

Wechseln Sie nun in unser ARBEITSBLATT, um die Frage 2. 2. zu beantworten. Rufen Sie, bitte, dazu wieder Ihr schon gespeichertes Arbeitsblatt von dem von Ihnen gewählten Speicherplatz auf. Vergessen Sie nicht, Ihre Arbeitsergebnisse im Anschluss wieder unter demselben Filenamen auf Ihrem PC oder Ihrer Diskette zu speichern.

soldkar
Titel: Young Austria - Zeichnung
Zeichnung in "Young Austria. Eine Sondernummer für unsere Soldaten" (Young Austria, Nr. 7, VI. Jahr, 8. 4. 1944). Mit freundlicher Genehmigung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW)
MalerIn/FotografIn: unbekannt

Über 300 Mitglieder des Young Austria hatten sich freiwillig zu Kampfeinheiten der britischen Armee gemeldet. Die Bildunterschrift unter obige Zeichnung lautete: „Gee, my British Buddy – I kinda guess we are both from … , eh?“

Aufgabe:

Welchen Ort nennt der Soldat?

Austria
Die Antwort wäre zu selbstverständlich.
Das wäre eine gute Antwort, denn in der Leopoldstadt und in der Brigittenau lebten die meisten jüdischen Wiener. Die beiden Bezirke waren deshalb auch unter dem Namen „Mazzesinsel“ bekannt.
Dies ist die Originalantwort. In der Leopoldstadt und in der Brigittenau lebten die meisten jüdischen Wiener. Die beiden Bezirke waren deshalb auch unter dem Namen „Mazzesinsel“ bekannt.
Das wäre eine mögliche Antwort, da die meisten Exilierten aus Wien stammten. Der Witz liegt aber wohl in einer detaillierteren Ortsangabe.
soldbrief
Titel: Brief eines jungen Soldaten
Brief eines jungen österreichischen Soldaten an "Young Austria. Eine Sondernummer für unsere Soldaten" (Young Austria, Nr. 7, VI. Jahr, 8. 4. 1944). Mit freundlicher Genehmigung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW)
MalerIn/FotografIn: unbekannt

Aufgabe:

Welches Land ist mit „theoretisch benachbartes Land“ in dem „Brief eines jungen Soldaten“ gemeint?

Deutschland
Das Deutsche Reich ist nur indirekt gemeint.
Österreich war damals zwar ein Bestandteil des Deutschen Reiches, aber selbstverständlich meint der Schreiber hier sein ehemaliges Heimatland.
Die britische Armee und die Tito Armee arbeiteten zwar zusammen, der Schreiber meint hier aber nicht Jugoslawien.
quizoeyav9
Titel: Young Austria: Kennst du Österreich?
Fragen nach der Geographie Österreichs in der Zeitschrift Young Austria (Young Austria, V. Jahrgang, Nr. 9/1943). Mit freundlicher Genehmigung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW)
MalerIn/FotografIn: unbekannt

Aufgabe:

Wechseln Sie nun erneut in unser ARBEITSBLATT, um die Frage 2.3. (Österreichquiz) zu beantworten. Rufen Sie, bitte, dazu wieder Ihr schon gespeichertes Arbeitsblatt von dem von Ihnen gewählten Speicherplatz auf. Vergessen Sie nicht, Ihre Arbeitsergebnisse im Anschluss wieder unter demselben Filenamen auf Ihrem PC oder Ihrer Diskette zu speichern.

kommya
Titel: Aufruf des Young Austria
Aufruf des Young Austria zum Beitritt in die Organisation. (Young Austria, 3. Jahrgang, Nr. 2/Ende Jaenner 1941. Titelblatt. Mit freundlicher Genehmigung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW)
MalerIn/FotografIn: unbekannt

Aufgabe:

Wechseln Sie nun in unser ARBEITSBLATT, um die Frage 2.4. zu beantworten. Rufen Sie, bitte, dazu wieder Ihr schon gespeichertes Arbeitsblatt von dem von Ihnen gewählten Speicherplatz auf. Vergessen Sie nicht, Ihre Arbeitsergebnisse im Anschluss wieder unter demselben Filenamen auf Ihrem PC oder Ihrer Diskette zu speichern.

Wien 1938 und Österreich 1945

Lesen Sie bitte das folgende Gedicht von Theodor Kramer. Die Strophen dieses Gedichtes sind vertauscht. Ihre Aufgabe ist es, die korrekte Strophenordnung wiederherzustellen. Indem Sie dies tun, können Sie die Lage der vom NS-Regime Verfolgten nachvollziehen und ein Bild von Wien bzw. Österreich nach dem „Anschluss“ bekommen.

Wer läutet draußen an der Tür?

(a) Wer läutet draußen an der Tür? Leg du die Betten aus. Der Hausbesorger war’s; wir soll’n am Ersten aus dem Haus.

(b) Wer läutet draußen an der Tür? Laß, Schatz, die Wanne voll. Die Post war da; der Brief ist nicht dabei der kommen soll.

(c) Wer läutet draußen an der Tür? Die Fuchsien blühn so nah. Pack, Liebste, mir mein Waschzeug ein und weine nicht: sie sind da.

(d) Wer läutet draußen an der Tür, kaum daß es sich erhellt? Ich geh schon, Schatz. Der Bub hat nur die Semmeln hingestellt.

(e) Wer läutet draußen an der Tür? Bleib nur; ich geh, mein Kind. Es war ein Mann; der fragte an beim Nachbar, wer wir sind.


Wien 1938

Um die richtige Strophenordnung rekonstruieren zu können, nehmen Sie bitte folgende Hilfen in Anspruch:

Aufgabe:

Stellen Sie fest, welche historischen Ereignisse sich in diesem Gedicht widerspiegeln!

Historisch lässt sich das Gedicht schnell einordnen, denn es trägt die Unterzeile „Wien 1938“. Informieren Sie sich über die Ereignisse des Jahres 1938, insbesondere über die Auswirkungen dieser Ereignisse auf die Schriftstellerinnen und Schriftsteller, im Speziellen auf antifaschistische und jüdische Autorinnen und Autoren. Benützen Sie dazu die in unserer Lehr- und Lerneinheit angebotenen Informationen.

Aufgabe:

Gehen Sie dazu zum Index-Verzeichnis und suchen Sie unter dem Schlagwort „Anschluss 1938“.

Welche Lebensumstände – auch Theodor Kramers – gibt dieses Rollengedicht wieder? Studieren Sie dazu unsere Porträt-Vorlesung zu Theodor Kramer. Sie zeigt jene Stationen, die Kramer 1938 und 1939 bis zu seiner Ausreise nach England durchmachen musste.

Überlegen Sie, in welcher Reihenfolge Theodor Kramer folgenden Repressalien ausgesetzt war: Verlust der Wohnung, Berufsverbot und damit auch Verbot seiner Schriften, Verzweifelte Versuche, eine Einreisegenehmigung in ein Asylland zu erhalten.

Suchen Sie die entsprechenden Stellen im Gedicht!

1939 werden Kramers „sämtliche Schriften“ in der „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ der Reichsschrifttumskammer angeführt. Dieser sein Leidensweg wird im Gedicht wiedergeben. Berufsverbot: „das lyrische Ich ist immer zu Hause“. Wohnungsverlust: „der Hausbesorger war’s: wir soll’n/am Ersten aus dem Haus.“ Hoffen auf eine Einreise- bzw. Aufenthaltsgenehmigung, für England brauchte man beispielsweise ein Affidavit: „der Brief ist nicht/dabei, der kommen soll.“ Die Leser/inn/en können so Leerstellen mit Wissen auffüllen und bei der Lösung auf inhaltliche Progression zurückgreifen.

Jede Strophe wird mit der anaphorischen Frage eingeleitet: „Wer läutet draußen an der Tür?“ Nur in einer Strophe folgt eine halbwegs beruhigende Antwort. Ist das lyrische Ich so wie Kramer und andere Schriftsteller/innen zunehmender Repression ausgesetzt, so muss die Strophe mit der beruhigenden Antwort wohl die erste Strophe sein. Die in den anderen Strophen erfolgenden Antworten geben dagegen zu wachsender Beunruhigung Anlass.

Aufgabe:

Welche ist daher die erste Strophe?

a

NEIN

NEIN

NEIN

Dies ist die erste Strophe. In ihr heißt es: „Der Bub hat nur / die Semmeln hingestellt.“ Es ist auch die einzige Strophe, in der im Zusammenhang über die an der Tür läutende Person das beschwichtigende Partikel „nur“ verwendet wird.

NEIN

Eine gewisse Entwicklung lässt sich auch an den die Türglocke betätigenden lyrischen Personen festmachen.

Sehen Sie sich das Gedicht noch einmal unter dem Aspekt der vor der Tür Stehenden an. (Die entsprechenden Stellen sind fett markiert.) Versuchen Sie, das Gedicht anhand des Grades der Bedrohlichkeit, die von ihnen ausgeht, zu ordnen.

Gedicht unter dem Aspekt der vor der Tür Stehenden

(a) Wer läutet draußen an der Tür? Leg du die Betten aus. Der Hausbesorger war?s; wir soll?n am Ersten aus dem Haus.

(b) Wer läutet draußen an der Tür? Laß, Schatz, die Wanne voll. Die Post war da; der Brief ist nicht dabei der kommen soll.

(c) Wer läutet draußen an der Tür? Die Fuchsien blühn so nah. Pack, Liebste, mir mein Waschzeug ein und weine nicht: sie sind da.

(d) Wer läutet draußen an der Tür, kaum daß es sich erhellt? Ich geh schon, Schatz. Der Bub hat nur die Semmeln hingestellt.

(e) Wer läutet draußen an der Tür? Bleib nur; ich geh, mein Kind. Es war ein Mann; der fragte an beim Nachbar, wer wir sind.

Damit dürfte wohl auch die letzte Strophe klar sein.

Aufgabe:

Welches ist daher die letzte Strophe?

c
Ja. Das Gedicht endet nach durchgängiger Verwendung von Substantiven mit einem bezuglosen Personalpronomen: „sie sind da.“ Die ständig über dem Gedicht schwebenden Schergen der Macht (SA / SS / Gestapo) werden trotz des anonymen „sie“ damit konkret.

NEIN

NEIN

NEIN

NEIN

Zuletzt können Sie noch versuchen, das Gedicht nach der von Strophe zu Strophe wechselnden Zeitform zu ordnen:

Zeitformen im Gedicht
(a) Wer läutet draußen an der Tür? Leg du die Betten aus. Der Hausbesorger war?s; wir soll?n am Ersten aus dem Haus. (b) Wer läutet draußen an der Tür? Laß, Schatz, die Wanne voll. Die Post war da; der Brief ist nicht dabei der kommen soll. (c) Wer läutet draußen an der Tür? Die Fuchsien blühn so nah. Pack, Liebste, mir mein Waschzeug ein und weine nicht: sie sind da. (d) Wer läutet draußen an der Tür, kaum daß es sich erhellt? Ich geh schon, Schatz. Der Bub hat nur die Semmeln hingestellt. (e) Wer läutet draußen an der Tür? Bleib nur; ich geh, mein Kind. Es war ein Mann; der fragte an beim Nachbar, wer wir sind.

Damit dürfte die korrekte Ordnung der Strophen endgültig klar sein. Wie lautet sie?

a b c e d
Nein – es ist wohl nicht denkbar, dass die „harmloseste“ Strophe am Ende einer bedrohlichen Entwicklung steht.
Nein – allerdings wäre diese Möglichkeit von der thematischen Entwicklung durchaus denkbar.

Ja. Auch die Biographie Kramers zeigt jene Stationen, die er 1938 nach dem Einmarsch durchmachen musste: Berufsverbot, Verlust der Wohnung, verzweifelte Versuche, eine Einreisegenehmigung in ein Asylland zu erhalten. 1939 werden Kramers „sämtliche Schriften“ in der „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ der Reichsschrifttumskammer angeführt. Dieser sein Leidensweg wird im Gedicht wiedergeben. Berufsverbot: das lyrische Ich ist immer zu Hause. Wohnungsverlust: „der Hausbesorger war’s: wir soll’n / am Ersten aus dem Haus.“ Hoffen auf eine Einreise- bzw. Aufenthaltsgenehmigung, für England brauchte man beispielsweise ein Affidavit: „der Brief ist nicht / dabei, der kommen soll.“

Die Entwicklung lässt sich auch an den die Türglocke betätigenden lyrischen Personen festmachen. Das Gedicht beginnt mit einem Bäckerbuben und endet nach durchgängiger Verwendung von Substantiven mit dem bezuglosen Personalpronomen: „sie“: „sie sind da.“ Die ständig über dem Gedicht schwebenden Schergen der Macht (SA / SS / Gestapo) werden trotz des anonymen „sie“ damit konkret.

Theodor Kramer Wer läutet draußen an der Tür?

(d) Wer läutet draußen an der Tür, kaum daß es sich erhellt? Ich geh schon, Schatz. Der Bub hat nur die Semmeln hingestellt.

(e) Wer läutet draußen an der Tür? Bleib nur; ich geh, mein Kind. Es war ein Mann; der fragte an beim Nachbar, wer wir sind.

(b) Wer läutet draußen an der Tür? Laß, Schatz, die Wanne voll. Die Post war da; der Brief ist nicht dabei der kommen soll.

(a) Wer läutet draußen an der Tür? Leg du die Betten aus. Der Hausbesorger war’s; wir soll’n am Ersten aus dem Haus.

(c) Wer läutet draußen an der Tür? Die Fuchsien blühn so nah. Pack, Liebste, mir mein Waschzeug ein und weine nicht: sie sind da.

Wien 1938

Nein – diese Anordnung scheidet aus all den vorher genannten Gründen aus.

Lesen Sie unter dem Eindruck des Bildes, das Kramer vom Wien nach dem „Anschluss“ zeichnet, das Gedicht von Erich Fried, der sich mit der Situation nach dem Ende der nationalsozialistischen Besetzung auseinander setzt.

An Oesterreich

Nicht Liebe wär’s, von deiner Schuld zu schweigen, die tief dich beugt und dich zu brechen droht. Und diese deine Schuld wird ganz mein Eigen Wie deine Berge und wie deine Not. Du sollst einst nicht nur mit dem Finger zeigen: Den argen Nachbar straf, der mir gebot! Zu deiner Schuld musst du dich selbst bekennen Und im Gericht den eignen Namen nennen.

Ich bin voll Angst, zu dir zurückzukehren Und mitzusühnen, der ich niemals schlug. Der falschen Büsser will ich mich erwehren, und du wirst oft noch glatt sein von Betrug! Wohl hätt ich dies und jenes dich zu lehren, zu lernen auch … Doch bin ich stark genug? Und dennoch wird die Bahn mich heimwärts tragen. Du bist mein Wagnis – und ich muss dich wagen.

Erich Fried: Oesterreich. Gedichte. Zürich 1946 [recte 1945], 13. In: Volker Kaukoreit und Jörg Thunecke (Hg.): 126, Westbourne Terrace. Ericht Fried im Londoner Exil (1938-1945) Texte und Materialien. Turia + Kant 2001, 81

Aufgabe:

Wechseln Sie nun in unser ARBEITSBLATT, um einige Fragen zum Gedicht von Erich Fried (Frage 3.) zu beantworten. Rufen Sie, bitte, dazu wieder Ihr schon gespeichertes Arbeitsblatt von dem von Ihnen gewählten Speicherplatz auf. Vergessen Sie nicht, Ihre Arbeitsergebnisse im Anschluss wieder unter demselben Filenamen auf Ihrem PC oder Ihrer Diskette zu speichern.

Anhang

Werkverzeichnis

  • Fried, Erich - Oesterreich. Gedichte
  • Katz, Leo - Brennende Dörfer
  • Kramer, Theodor - Verbannt aus Österreich
  • Roth, Joseph - Die Büste des Kaisers

Forschungsliteratur

  • Chvojka, Erwin; Kaiser, Konstantin - Vielleicht hab ich es leicht, weil schwer, gehabt
  • DÖW (Hg.) - Österreicher im Exil. Großbritannien 1938 - 1945
  • Kaiser, Konstantin - Theodor Kramer 1897 - 1958
  • Kaukoreit, Volker; Thunecke, Jörg (Hg.) - 126, Westbourne Terrace. Erich Fried im Londoner Exil (1938-1945). Texte und Materialien
  • Magris, Claudio - Der habsburgische Mythos in der österreichischen Literatur
  • Maimann, Helene - Das österreichische Exil in Großbritannien 1938-1945
  • ohne Autor - Über Kramer hinaus und zu ihm zurück
  • Schmidt-Dengler, Wendelin - Dengler, Wendelin - Referat auf der Kramer-Tagung 1985
  • Staud, Herbert - Viel.Fach.Deutsch. Deutschunterricht in der Oberstufe. Theorien - Modelle - Themen
  • Staud, Herbert; Thunecke, Jörg (Hg.) - Theodor Kramer. Chronist seiner Zeit
  • Strigl, Daniela - Wo niemand zuhaus ist, dort bin ich zuhaus
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