Exil Praxisfelder 12.) Schriftstellerinnen im Exil – Zuständig fürs Überleben

Aspekte des Exils von Schriftstellerinnen

Die Art und Weise, in der das durch den Nationalsozialismus erzwungene Exil ge- und erlebt wurde, hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Neben dem Land, das einen aufnahm, war natürlich der Zeitpunkt, zu dem man Österreich bzw. Deutschland verlassen hat, wichtig. Denn davon hing nicht nur ab, ob man Geld und persönliche Dinge noch mitnehmen konnte, sondern dieser Zeitpunkt bestimmte auch in vielem die Behandlung, die man im Exil-Land erfuhr, z. B. ob man in Großbritannien als Emigrant/in oder als „alien of an enemy country“ eingestuft wurde und damit Einschränkungen in den Orten, in denen man sich niederlassen durfte, unterlag oder überhaupt interniert wurde.

Wichtig war natürlich auch, ob man als politischer Flüchtling im Exil-Land raschen Kontakt zur dortigen entsprechenden Partei (Kommunisten, Sozialisten) knüpfen konnte und so neben der Weiterführung des politischen Kampfes auch neue persönliche Bekanntschaften schließen und Hilfe im Alltagsleben finden konnte, oder ob man aus „rassischen“ Gründen fliehen musste. Speziell für assimilierte Juden, die keinen Kontakt zu den religiösen Gemeinden hatten, war die Situation schwierig, denn erst allmählich bildeten sich bestimmte Organisationen, wie z. B. die American Guild for German Cultural Freedom von Hubertus Prinz von Löwenstein, die den immer zahlreicher werdenden Flüchtlingen Hilfestellungen leisteten.

Während die Bedeutung dieser Aspekte in der Exil-Forschung relativ früh erkannt und untersucht wurde, ebenso wie die soziale und berufliche Herkunft, ist die Bedeutung des Geschlechts und des Alters der Emigrant/inn/en erst in jüngster Zeit ins Blickfeld gerückt. So ist es natürlich leichter für einen Automechaniker oder eine Näherin, in einem fremdsprachigen Land einen Arbeitsplatz zu finden als für eine Sekretärin oder einen Handelsvertreter, bei denen die sprachliche Ausdrucksfähigkeit eine wichtige Rolle spielt. Auch Chemiker oder Ärzte hatten es relativ leichter als Rechtsanwälte oder Schauspieler.

Jüngere Leute, die noch in der Ausbildung standen, lernten nicht nur die Sprache des Exillandes schneller, sondern sie konnten sich auch offener auf dem neuen Arbeitsmarkt orientieren. Gerade bei jungen Frauen aus behüteten bürgerlichen Familien wurde das Exil manchmal auch als Befreiung empfunden. Die Notwendigkeit, Geld zu verdienen, gab ihnen die Möglichkeit, Berufe zu ergreifen, denen die Eltern „zu Hause“ niemals zugestimmt hätten; das Exil ermöglichte es ihnen, die Rolle der „höheren Tochter“, die gut gebildet zu Hause darauf wartet, geheiratet zu werden, zu verlassen. Aber auch ältere Frauen, die ihr Leben lang nur Hausfrauen waren, entwickelten im Exil oft erstaunliche Aktivitäten und verdienten nun – gezwungenermaßen – den Lebensunterhalt für Mann und Kinder.

Jeder einzelne Fall ist natürlich eine Summe dieser unterschiedlichen Faktoren und jeweils spezifisch. Dennoch kann man einige generelle Trends herauslesen, zu denen es natürlich immer Ausnahmen gibt.

Wir wollen im Folgenden einige dieser Trends nennen und uns dann exemplarischen Biographien von österreichischen Schriftstellerinnen zuwenden, die verschiedene Möglichkeiten des Umgangs mit dem Exil repräsentieren.

Generell kann gesagt werden, dass männliche Exilanten meist versuchten, ihren erlernten Beruf auch im Exil weiter auszuüben, die notwendigen Zusatzqualifikationen zu erlangen oder wenigstens im Berufsfeld zu bleiben. Für Schriftsteller war dies natürlich schwieriger als z. B. für Chemiker oder Ärzte, allerdings zeigt sich, dass die meisten von ihnen tatsächlich weiter Manuskripte in deutscher Sprache verfassten. Waren sie zu dem Zeitpunkt, an dem sie ins Exil getrieben wurden, bereits berühmt, wie z. B. Thomas Mann oder Stefan Zweig, so wurden ihre Bücher ins Englische übersetzt und von englischsprachigen Verlagen, sowie in den deutschsprachigen Exil-Verlagen publiziert; waren sie noch nicht so bekannt oder entsprach ihre Art zu schreiben nicht dem Geschmack des englischsprachigen Publikums, so schrieben sie, wie Bert Brecht, Oskar Maria Graf oder Hermann Broch „für die Schublade“ und für die Zeit nach dem Ende des Nationalsozialismus. Viele von ihnen erhielten für ihre Arbeit Unterstützungen und Stipendien von diversen Hilfsorganisationen und Stiftungen, in den USA (und teilweise auch in Südamerika) spielten auch die Universitäten, die Wohnungen, Essen und Arbeitsmöglichkeiten als Gegenleistung für Vorträge oder Lehrtätigkeit zur Verfügung stellten, eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der deutsch(sprachig)en Kultur.

Diese Schriftsteller blieben sich selbst treu, gingen keine literarischen Kompromisse ein, außer dass eine Reihe von ihnen neben der literarischen Arbeit auch politisch-journalistische oder politisch-wissenschaftliche Texte schrieb.

Auch die Schriftstellerinnen versuchten natürlich, weiter in ihrem Beruf zu arbeiten, allerdings zeigt sich bei ihnen eine sehr viel größere Anpassungsbereitschaft – an das neue Publikum, an den neuen Markt und an die Exil-Situation generell. Eine Reihe von ihnen wagte den für Schriftsteller/inn/en so schweren Sprung in eine andere Sprache und schrieb z. B. auf englisch – so u. a. Vicki Baum, deren erste Bücher noch übersetzt werden, die aber bald selber englisch schrieb, so Hermynia Zur Mühlen, die schon vorher aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt hatte, nun aber im englischen Exil selber die Sprache wechselte. Auch Hilde Spiel, Salka Viertel und Gina Kaus machten diesen so schwierigen Schritt in eine neue Sprache.

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Titel: Kaus, Gina um 1960
Quelle: Von Wien nach Hollywood. Erinnerungen von Gina Kaus. Neu herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Sibylle Mulot. 1. Aufl., Suhrkamp Verlag. Die Rechtsansprüche konnten trotz aller Bemühungen nicht in allen Fällen ermittelt werden. Sollten noch welche bestehen, bitten wir, sich mit der Projektleitung in Verbindung zu setzen.
MalerIn/FotografIn: unbekannt
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Titel: Kaus, Gina: Porträt um 1950
Von Wien nach Hollywood. Erinnerungen von Gina Kaus. Neu herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Sibylle Mulot. 1. Aufl., Suhrkamp Verlag. Foto Sammlung Otto Kaus. Die Rechtsansprüche konnten trotz aller Bemühungen nicht in allen Fällen ermittelt werden. Sollten noch welche bestehen, bitten wir, sich mit der Projektleitung in Verbindung zu setzen.
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Titel: Kaus, Gina im reifen Alter
Quelle: Gina Kaus: Und was für ein Leben ... mit Liebe und Literatur, Theater und Film. Hamburg: Albrecht Knaus Verlag 1979, Umschlagfoto. Copyright: Foto: Hein & Menno Kohn (Angabe auf dem Umschlag). Die Rechtsansprüche konnten trotz aller Bemühungen nicht in allen Fällen ermittelt werden. Sollten noch welche bestehen, bitten wir, sich mit der Projektleitung in Verbindung zu setzen.
MalerIn/FotografIn: Hein & Menno Kohn

Neben der Sprache wechseln die Autorinnen auch häufig das literarische Medium. Während z. B. Bert Brecht und Berthold Viertel am Hollywood-System des Schreibens fürs Kino scheiterten, passten sich Gina Kaus und Salka Viertel diesem System ein und ernährten dadurch ihre Familien. Hermynia Zur Mühlen schrieb aus Erwerbsgründen Kriminalromane, Hilde Spiel Reiseromane und historische Romane, für die ein Markt vorhanden war, später wechselt sie zum Journalismus. Dass diese Anpassungsfähigkeit den Frauen nicht immer leicht gefallen ist, bezeugen Briefe und Erinnerungen. So schreibt Gina Kaus:

„Ich konnte es mir nicht leisten, darüber nachzudenken, ob es ehrenvoll sei, für den Film zu arbeiten. Ich brauchte Geld, und zwar sofort […] Es war sicherlich nicht gut für meine Reputation, daß ich jeden Job annahm, auch wenn mir die Geschichte nicht gefiel, aber […] wir waren eine sechsköpfige Familie, und ich war diejenige, die sie erhalten mußte.“

zitiert nach Kreis, 1988, 185

Ähnliches trifft auf Salka Viertel zu. Sie schrieb an ihren Mann:

„Jetzt ist die Chance da, jetzt, wo ich Geld verdiene, kannst Du schreiben. Ich war sehr stolz, dass ich Dir den Scheck von meinem selbstverdienten Geld schicken konnte […] Auch der Mama schicke ich von meinem Schandlohn. Prostitution ist ein Beruf für Frauen.“

zit. nach Kreis, 1988, 182

Deutlich zeigt sich in diesen Zitaten die Ambivalenz der Autorinnen: Zwar sind sie einerseits stolz auf ihre Fähigkeit, in der neuen Umgebung und unter den schwierigen Umständen des Exils, den völlig anderen Lebens- und Arbeitsumständen, Geld zu verdienen, nicht nur finanziell unabhängig zu sein, sondern auch für die Familie zu sorgen, also die traditionelle Männerrolle des Familienernährers zu übernehmen, gleichzeitig wissen sie aber, dass der Wert der Arbeit, die sie leisten – in beiden Fällen das Verfassen von Drehbüchern für Hollywood-Studios – im europäischen literarischen Wertekanon, dem sie, ihre Familien und Freunde verhaftet sind, als Verschleudern ihres Talents und ihrer Ambitionen gilt, nicht geachtet wird, schlicht „Prostitution“ ist, wie es Salka Viertel ausdrückt. Und sie haben mit dieser Einschätzung bis heute recht, denn diese Arbeiten werden von der Literaturwissenschaft nach wie vor nicht behandelt. Mehr noch, diese Arbeit stempelt sie sozusagen ab, wie dies Gina Kaus vorhergesehen hat, und führt dazu, dass auch ihre Romane nicht mehr ernst genommen, sondern als bloße Unterhaltungsliteratur abqualifiziert werden.

Wenn der Sprachwechsel – aus welchen Gründen auch immer – unmöglich war, so gab es noch die Möglichkeit, das künstlerische Medium zu wechseln. Mela Hartwig z. B. schreibt zwar im englischen Exil weiterhin deutschsprachige Romane. Als sich für diese allerdings, auch nach Kriegsende, keine Verlage finden lassen, wechselt sie zur Malerei als künstlerischer Ausdrucksform. Oder: Die kunstgewerblichen Arbeiten von Paula Ludwig (1900-1974) im Exil in Brasilien dienen neben dem Broterwerb auch dem künstlerischen Ausdruck.

Generell kann man sagen, dass die Frauen in der Exil-Situation sehr rasch auf die Notwendigkeit, den Alltag selbst zu organisieren, reagiert haben, während sich die Männer in diesem Punkt meist auf ihre Ehefrauen oder Freundinnen verließen. In fast allen Biographien findet man bei den Frauen eine Periode, in der sie jeden Job annahmen, um für die Familie Geld zu verdienen. Das heißt, sie arbeiten als Hausgehilfin, als Köchin, als Putzfrau, sie tippen Manuskripte, arbeiten als Kellnerinnen oder in der Fabrik. In all diesen Positionen kommen sie in direkten Kontakt mit den Bewohner/inne/n des Gastlandes und lernen so – direkt und praktisch – die jeweilige Landessprache und auch die Umgangsformen und die Alltagsgewohnheiten kennen, was natürlich zu einer besseren Anpassung an das neue Land führt. Diese praktische Lebensbewältigung wird nicht nur von Frauen ausgeübt, die keine berufliche Qualifikation hatten; wir finden dieses Muster durchaus auch bei Akademikerinnen, bei Schriftstellerinnen, und auch bei Frauen aus der begüterten Oberschicht, die bis zur Emigration über Dienstboten verfügten und selber keinerlei Haushaltserfahrung haben. Nur ganz wenige Frauen bestehen darauf, wie zum Beispiel Maria Leitner (1892-1942), in ihrem angestammten Beruf als Schriftstellerin und Journalistin weiter zu arbeiten. Ihre verzweifelten Briefe mit der Bitte um Unterstützung an Hubertus Prinz von Hohenlohe zeigen auch diesen Aspekt ihrer Lage drastisch. „Maria Leitner bemühte sich intensiv um ein Visum für die USA – aber leider erfolglos. Sie war von den US-Behörden als Ungarin – und damit als angeblich weniger gefährdet – eingestuft worden, wie aus einem ihrer letzten Briefe hervorgeht. Im Frühjahr 1942 wurde sie nochmals im Büro des American Rescue Committee von Varian Fry in Marseille gesehen: eine völlig verzweifelte Frau, die dringend ärztlicher Hilfe bedurfte. Maria Leitner dürfte verhungert sein.“ (Bolbecher/Kaiser: Lexikon der österreichischen Exilliteratur 2000, 436)

Bei Männern ist der praktische Zugang zu den Alltagsproblemen des Überlebens sehr viel seltener. Zwar sehen sie, wie das Gedicht Berthold Viertels zeigt, die Problematik sehr wohl, doch für sie fällt Beruf und Berufung (die Schriftstellerei) unbedingt zusammen. Sie akzeptieren meist problemlos die ‚Aufopferung‘ der Frauen, die nahtlos in das traditionelle Frauenbild passt, die „neue Frau“ der zwanziger Jahre, deren Emanzipation sich in Berufstätigkeit, Bubikopf und Charleston-Kleid manifestiert hatte, scheint vergessen zu sein.

Berthold Viertel: Die Frauen

Die durchs Exil uns trugen, Die Frauen, uns verbunden, Die törichten und klugen Haben den Weg gefunden.

Der ging über Berge und Meere, Im endlosen Trott und mit Hast. Und der Mann war oft eine schwere, Undankbare Last.

Ihn schulternd, Leib und Seele, Fanden sie keine Ruh, Den fremden Staub in der Kehle Und die eigenen Tränen dazu.

Das Geld war aufzuspüren, Wo es sich listig verbarg. Und Wirtschaft war zu führen, Enger als ein Sarg.

Und Kinder zu gebären, Von Wehen heimgesucht, Als ob wir zuhause wären Auf der ziellosen Flucht.

Nester zu baun und zu räumen, Wie es dem Zufall gefällt. Und von der Zukunft zu träumen In zerfallender Welt.

Aus: Schlaflosigkeit. Gedichte 1939 bis 1945. In: Berthold Viertel: Das graue Tuch. Gedichte. Studienausgabe Band 3. Hg. von Konstantin Kaiser. Wien: Verlag für Gesellschaftskritik 1994, 331. Antifaschistische Literatur und Exilliteratur. Studien und Texte 9

Vicki (Hedwig) Baum (1888-1960)

Vicki Baum, geboren 1888 in Wien und dort zur Harfenistin ausgebildet, war mit „Menschen im Hotel“ und mit „stud. chem. Helene Willfüer“ eine Bestseller-Autorin des deutschsprachigen Buchmarktes der Weimarer Republik. Ihre im Ullstein-Verlag publizierten Bücher sind Musterbeispiele für die Vermarktung von Roman und Person. Die Verfilmung des Romans „Menschen im Hotel“ in Hollywood mit Greta Garbo führt 1931 zu einer Einladung in die USA. Obwohl es nicht zu der geplanten Mitarbeit am Drehbuch kommt, nützt sie die Gelegenheit, um mit ihrer Familie in die USA zu emigrieren, da sie nicht will, dass ihre beiden Söhne in dem Klima des Hasses, der Nazi-Deutschland kennzeichnet, aufwachsen. Dafür nimmt sie große finanzielle Verluste in Kauf. Sie verliert ihren lukrativen Job bei Ullstein, die Garantie, dass ihre nächsten Bücher dort gedruckt und entsprechen vermarktet werden, sie nimmt in Kauf, dass sie ihre Freunde und Freundinnen und Kolleg/inn/en nicht mehr wieder sieht. Sie hat den Vorteil, dass sie mit einem berühmten Namen in die USA kommt, dass sie durch den Film und durch die englischen Übersetzungen ihrer Romane dort über Einkünfte verfügt. Ihr Mann ist Dirigent und Komponist, er wird später Dirigent des – nicht gerade weltberühmten – Orchesters von Pasadena, bleibt aber immerhin in seinem Beruf. Nachdem die Versuche von Vicki Baum, Drehbücher für Hollywood zu schreiben, nicht erfolgreich sind, kehrt sie zu ihrem Medium, dem Roman, zurück und schreibt schon bald selber auf englisch. Sie nimmt die US-Staatsbürgerschaft an und bleibt bis zu ihrem Tod 1960 in den USA – lediglich in ihren Essgewohnheiten bleibt sie ihrer alten Heimat Wien treu. Ihre „Zwetschkenknödel“-Einladungen sind in Emigrantenkreisen berühmt. Vicki Baum ist eine der wenigen Autorinnen, bei der die Emigration keinen entscheidenden Bruch in der Karriere bedeutet. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass sie von Anfang an eine sehr pragmatische Haltung zum Schreiben eingenommen hat, das für sie immer auch ein Mittel war, um Geld zu verdienen. Nicht ohne Selbstironie und Selbstbewusstsein schreibt sie in ihrer Autobiographie, dass sie „the best second best author“ gewesen sei.

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Titel: Vicki Baum bei der New Yorker Premiere des Filmes "Grand Hotel" (1932)
Quelle: apropos Vicki Baum. Mit einem Essay von Katharina von Ankum. Frankfurt am Main: Verlag Neue Kritik 1998, 62. Vicki-Baum-Archiv; Sjpgtung der Akademie der Künste Berlin. Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Wolfgang Lert.
MalerIn/FotografIn: unbekannt
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Titel: Vicki Baum - Zigarettenpause am Schreibtisch (1932)
Quelle: apropos Vicki Baum. Mit einem Essay von Katharina von Ankum. Frankfurt am Main: Verlag Neue Kritik 1998, 67. Die Rechtsansprüche konnten trotz aller Bemühungen nicht in allen Fällen ermittelt werden. Sollten noch welche bestehen, bitten wir, sich mit der Projektleitung in Verbindung zu setzen.
MalerIn/FotografIn: unbekannt
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Titel: Vicki Baum - modisch in Hollywood (1937). Foto: D'Gaggeri Studio
Quelle: apropos Vicki Baum. Mit einem Essay von Katharina von Ankum. Frankfurt am Main: Verlag Neue Kritik 1998, 70. Foto D?Gaggeri Studio. Die Rechtsansprüche konnten trotz aller Bemühungen nicht in allen Fällen ermittelt werden. Sollten noch welche bestehen, bitten wir, sich mit der Projektleitung in Verbindung zu setzen.
MalerIn/FotografIn: D'Gaggeri Studio
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Titel: Vicki Baum - erster Fernsehauftritt in London (1939)
Quelle: apropos Vicki Baum. Mit einem Essay von Katharina von Ankum. Frankfurt am Main: Verlag Neue Kritik 1998, 71. Die Rechtsansprüche konnten trotz aller Bemühungen nicht in allen Fällen ermittelt werden. Sollten noch welche bestehen, bitten wir, sich mit der Projektleitung in Verbindung zu setzen.
MalerIn/FotografIn: unbekannt

Hermynia Zur Mühlen (1883-1951)

Dass Anpassungsfähigkeit allein nicht ausreicht, um im Exil als Schriftsteller/in erfolgreich zu überleben, zeigt das Beispiel von Hermynia Zur Mühlen. Diese aus der österreichischen Hocharistokratie stammende Autorin, die ihre Kindheit und Jugend bei ihrer Großmutter in Gmunden verbracht hat, hat sich in den Zwanzigerjahren für die Linke, für die Kommunisten, entschieden und ist u. a. als Übersetzerin der Werke von Sinclair Lewis im Berliner Malik-Verlag bekannt geworden. In ihren eigenen Werken wie „Unsere Töchter, die Nazinen“ (1935) oder „Als der Fremde kam“ („Came the stranger. A novel“ London 1946; Wien 1947) versucht sie als eine der ersten, die Motive der Anhänger/innen des Nationalsozialismus zu verstehen und, von diesem Verständnis ausgehend, für eine Abkehr von dieser Ideologie zu werben. Gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann, der aus dem Ungarischen ins Deutsche übersetzt, führt sie ihr Emigrationsweg von Deutschland nach Österreich, in die Tschechoslowakei und schließlich nach Großbritannien. Obwohl auch sie die Sprache wechselt, was für sie als Übersetzerin etwas einfacher war, und obwohl auch sie bereit ist, ihre politische Botschaft in populären Medien, wie im Kriminalroman oder in modernen Märchen für Kinder zu verstecken, gelingt es ihr nicht mehr, mit ihrer unermüdlichen schriftstellerischen Arbeit eine einigermaßen gesicherte Existenz für sich und ihren Ehemann zu verdienen. Ihr Mann, der als Übersetzer aus dem Ungarischen ins Deutsche in Großbritannien keinerlei Verdienstmöglichkeiten hat, sucht sich aber auch keinen anderen Job. Sie stirbt schließlich, weil sie sich den nahen und teureren Arzt nicht leisten können und der billigere zu spät kommt – so zumindest lautet der Vorwurf, den sich ihr Ehemann bis an sein Lebensende machen wird. Hermynia Zur Mühlens Exil-Existenz am Rande bzw. unter der Armutsgrenze ist typisch für viele Exilant/inn/en, ebenso typisch ist, dass ihre Versuche, nach Österreich zurückzukehren, ohne Antwort blieben. Mitverantwortlich für ihr Schicksal ist wohl auch, dass sie in der Zwischenkriegszeit eindeutig dem linken politischen Lager angehört hat und ihre literarischen Arbeiten auch primär in den linken publizistischen Medien und Verlagen verbreitet waren. Angesichts des Stalinismus entfernt sich Zur Mühlen vom Kommunismus, weigert sich aber, ihn direkt zu verurteilen, geht 1945 auch nicht in die SBZ, in die spätere DDR. In Zeiten des Kalten Krieges ist diese Position – zusätzlich zur Exil-Situation – einem Erfolg als Schriftstellerin sicher nicht förderlich.

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Titel: Zur Mühlen, Hermynia
Quelle: Bolbecher, Siglinde/Kaiser, Konstantin: Lexikon der österreichischen Exilliteratur, Wien: Deuticke 2000, S. 723. Archiv der Theodor Kramer Gesellschaft
MalerIn/FotografIn:
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Titel: Stumpp, Emil: Porträtzeichnung von Hermynia Zur Mühlen zu "Über meine Köpfe" (1933)
Quelle: Altner; Manfred: Hermynia Zur Mühlen. Eine Biographie. Bern: Peter Lang 1997, 133:
MalerIn/FotografIn: unbekannt

Mela Hartwig (1893-1967)

Auch Mela Hartwig, die 1928 mit ihrem Novellenband „Ekstasen“ Aufsehen erregt hat, ist – aus politischen und aus rassischen Gründen – nach Großbritannien ins Exil gegangen. Auch sie versucht dort literarisch Fuß zu fassen, auch sie versucht es – vergeblich – mit der Anpassung an den Markt, indem sie einen Liebesroman schreibt, der sich von ihren stark expressionistisch geprägten ersten Texten stark unterscheidet. Anders als Vicki Baum und Hermynia Zur Mühlen schreibt sie allerdings zeitlebens deutsch und ist damit auf den deutschsprachigen Markt bzw. auf Übersetzungen angewiesen. Sie scheitert zu ihren Lebzeiten in beiden Bereichen. Erst 1992 wird „Ekstasen“ neu aufgelegt, im Jahr 2000 wird ihr Roman „Bin ich ein überflüssiger Mensch“ zum ersten Mal aus dem Nachlass publiziert. Obwohl sie das Schreiben privat nie aufgibt, versucht sie in den 60er Jahren einen neuen Weg und nimmt ihre Malerei wieder auf. Bereits die Schriftstellerei war für sie ein Medienwechsel gewesen, denn ausgebildet war sie als Schauspielerin. Bis zu ihrer Heirat mit Robert Spira übte sie diesen Beruf auch aus. Seinetwegen verließ sie Berlin, wo sie ein Engagement hatte und zog nach Graz. Dort begann sie ihre literarische Tätigkeit. Als sich im Exil herausstellte, dass eine Fortsetzung der literarischen Karriere von Großbritannien aus nicht möglich war, versuchte sie einen neuerlichen Wechsel und erzielte auf einigen Ausstellungen beachtliche Erfolge, die allerdings primär auf das neue Heimatland beschränkt blieben. Die Wiederentdeckung ihres literarischen Werkes findet erst Jahrzehnte nach ihrem Tod statt.

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Titel: Hartwig, Mela: Spiegelungen: Gedichte. Einbandillustration von Alfred Wickenburg 1953
Quelle: Moderne in dunkler Zeit. Widerstand, Verfolgung und Exil steirischer Künstlerinnen und Künstler 1933-1948. Hg. Von Günter Eisenhut und Peter Weibel. Graz: Verlag Droschl 2001, S. 430. Mit freundlicher Genehmigung von Dr. Henriette Gorton, Graz.
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Titel: Hartwig, Mela (Spira), um 1914
Quelle: Moderne in dunkler Zeit. Widerstand, Verfolgung und Exil steirischer Künstlerinnen und Künstler 1933-1948. Hg. Von Günter Eisenhut und Peter Weibel. Graz: Verlag Droschl 2001, S. 424. - Eisenhut-Archiv der Neuen Galerie am Landesmuseum Joanneum Graz. Mit freundlicher Genehmigung von Günter Eisenhut
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Titel: Hartwig, Mela: Ekstasen
Quelle: Moderne in dunkler Zeit. Widerstand, Verfolgung und Exil steirischer Künstlerinnen und Künstler 1933-1948. Hg. Von Günter Eisenhut und Peter Weibel. Graz: Verlag Droschl 2001, S. 425. - Eisenhut-Archiv der Neuen Galerie am Landesmuseum Joanneum Graz. Mit freundlicher Genehmigung von Günter Eisenhut
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Lili Körber (1897-1982)

Lili Körber, die in Moskau geboren und aufgewachsen ist, musste Russland mit ihrer Familie nach der Oktoberrevolution verlassen. Sie absolvierte ihr Literaturstudium in der Schweiz, Wien und in Deutschland und lebte dann bei ihrer Familie in Wien, wo sie begann, für die „Arbeiterzeitung“ zu schreiben. Berühmt wurde sie, als sie, wie so viele Schriftsteller und Schriftstellerinnen in der Zwischenkriegszeit, zu einem Besuch in die junge, im Aufbau befindliche Sowjetunion eingeladen wurde. Anders als die anderen Delegationsmitglieder – darunter Anna Seghers – war sie aufgrund ihrer Russisch-Kenntnisse nicht auf die Reiseführer angewiesen. Sie entschied sich, das neue Regime wirklich kennen zu lernen und ließ sich als ungelernte Arbeiterin in den Putilow-Werken anstellen, wo sie über ein halbes Jahr arbeitete. Ihre Erfahrungen verarbeitete sie in einem Reportageroman „Eine Frau erlebt den roten Alltag“ (1932), der großes Aufsehen erregte. Sie entwickelte dabei eine neue Romanform, ein Tagebuch, in dem eine Liebesgeschichte verbunden wird mit genauen journalistischen Berichten, mit Zeitungsausschnitten, montierten Wandzeitungen, Aufrufen etc. Diese Form verwendet sie auch in ihren Berichten über die Auswirkungen der Machtübernahme durch die Nazis auf das Leben einer jüdischen Schauspielerin, die mit einem „Arier“ verheiratet ist und als letzten Ausweg nur mehr den Selbstmord sieht („Eine Jüdin erlebt das neue Deutschland“ 1934, neu aufgelegt unter dem Titel „Die Ehe der Ruth Gompertz“ 1984) und in ihrem Bericht über den „Anschluss“ Österreichs, der 1938 in einer Schweizerischen Zeitung unter dem Pseudonym Agnes Muth erscheint.

Ihr Exilweg führt über Frankreich, wo sie noch als Journalistin arbeiten kann, und in die USA (New York). Zwar versucht sie auch dort weiter zu schreiben, doch nur einige wenige Gedichte werden publiziert. Sie vollzieht darauf hin einen radikalen Bruch mit ihrer Vergangenheit und macht eine Ausbildung als Krankenschwester. Sie übt diesen Beruf bis zu ihrer Pensionierung aus. Im Gegensatz zu ihr gelingt es ihrem Ehemann Grave in seinem eigenen Berufsfeld in den USA Fuß zu fassen. Dass die radikale Entscheidung für einen Brotberuf keineswegs unproblematisch war, drückt das Gedicht aus, in dem Körber die schwierige Situation der Emigrantinnen zwischen der alten und der neuen Heimat, dem alten und dem neuen Leben thematisiert:

Amerika, Amerika

Ich sitze zwischen zwei Stühlen, Der alten und neuen Welt, Dort bin ich mit meinen Gefühlen, Doch hier verdien ich mein Geld.

Dort schrieb ich glühende Verse Und sang „Zur Freiheit, zum Licht!“ Hier spiel‘ ich auf der Börse Und höre den Baseballbericht.

Oh neue Welt, die mir mein Ich zerriß, Mein Selbstbewußtsein und mein Selbstvertrauen, Du bist wie ein nicht passendes Gebiß, Doch ohne Dich könnte ich nicht kauen.

Lili Körber hat das Glück, dass wenige Jahre vor ihrem Tod ihr Werk von einer US- Germanistin, Viktoria Hertling, wieder entdeckt wird. Hertling macht auch noch einige Interviews mit der Schriftstellerin, so dass sie ihre Wiederentdeckung als Autorin noch erlebt.

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Titel: Körber, Lili: Lebensdaten
Quelle: Ute Lemke: Lili Körber. Von Moskau nach Wien. Eine österreichische Autorin in den Wirren der Zeit (1915-1938). Siegen: Carl Böscher Verlag 1999, S. 186f. Copyright: Archiv Ute Lemke. Mit freundlicher Genehmigung von Ute Lemke
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Titel: Körber, Lili: Meldezettel
Quelle: Ute Lemke: Lili Körber. Von Moskau nach Wien. Eine österreichische Autorin in den Wirren der Zeit (1915?1938). Siegen: Carl Böscher Verlag 1999, S. 195. Mit freundlicher Genehmigung des Wiener Stadt- und Landesarchivs, Wien 2002
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Titel: Körber, Lili
Lili Körber: Eine Österreicherin erlebt den Anschluss. Roman. Mit Erläuterungen und einem Nachwort von Viktoria Hertling. Wien, München: Verlag Christian Brandstätter, S. 4. Archiv Eric Grave, New York.. Die Rechtsansprüche konnten trotz aller Bemühungen nicht in allen Fällen ermittelt werden. Sollten noch welche bestehen, bitten wir, sich mit der Projektleitung in Verbindung zu setzen.
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Hilde Spiel (1911-1990)

Auch Hilde Spiel hatte, als sie schon unter dem Austro-Faschismus mit ihrem Mann Peter de Mendelssohn nach Großbritannien emigrierte, bereits ihr erstes deutschsprachiges Buch publiziert, obwohl sie wesentlich jünger ist die bisher genannten Autorinnen. Anders als bei diesen ist auch ihr Mann Schriftsteller und Journalist, der sich also mit den gleichen Schwierigkeiten wie sie konfrontiert sieht. Beide wechseln – zumindest für die journalistischen Arbeiten – zum Englischen. Da das Ehepaar im Exil drei Kinder bekommt (eines stirbt bei der Geburt), ist Hilde Spiel mehr an den Haushalt gebunden als ihr Mann, der meist beruflich unterwegs ist. In der Nachkriegszeit, als ihr Ehemann als britischer Kulturoffizier in Berlin die deutschsprachige westliche Presse mit aufbaut, gelingt auch Hilde Spiel ein neuer beruflicher Start als Theaterkritikerin – unter Hintanstellung ihrer literarischen Ambitionen. Die in Großbritannien aufgebauten und weiterhin in Deutschland gepflegten Kontakte mit dem internationalen P.E.N.- Klub bilden die Grundlage für die wichtige Funktion, die sie in den 70er und 80er Jahren als Kulturfunktionärin in Österreich gehabt hat. Am Schicksal ihrer Familie zeigt sich sehr deutlich die Problematik des Exils: Während Hilde Spiel trotz all ihrer Bewunderung für die britische Demokratie und Lebensart doch zuerst nach Deutschland und dann nach Wien zurückkehrt, entscheiden sich ihre Kinder für Großbritannien als Heimat – die in Körbers Gedicht angesprochene Ambivalenz zwischen alter und neuer Heimat, die freilich nicht nur eine zwischen Europa und den USA sein muss, läuft hier quer durch die Familie.

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Titel: Spiel, Hilde: Tagebuch 1938
Quelle: Hilde Spiel. Weltbürgerin der Literatur. Hg. Von Hans A. Neunzig und Ingrid Schramm. Wien: Paul Zsolnay Verlag 1999 (= PROFILE. Magazin des Österreichischen Literaturarchivs, 2. Jg., Heft 3, März 1999) S. 15. Mit freundlicher Genehmigung von Felix de Mendelssohn
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Titel: Spiel, Hilde (1937)
Quelle: Hilde Spiel. Weltbürgerin der Literatur. Hg. Von Hans A. Neunzig und Ingrid Schramm. Wien: Paul Zsolnay Verlag 1999 (= PROFILE. Magazin des Österreichischen Literaturarchivs, 2. Jg., Heft 3, März 1999) S. 27. Mit freundlicher Genehmigung von Felix de Mendelssohn
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Titel: Spiel, Hilde (1936)
Quelle: Hilde Spiel. Weltbürgerin der Literatur. Hg. Von Hans A. Neunzig und Ingrid Schramm. Wien: Paul Zsolnay Verlag 1999 (= PROFILE. Magazin des Österreichischen Literaturarchivs, 2. Jg., Heft 3, März 1999) S. 63. Mit freundlicher Genehmigung von Felix de Mendelssohn
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Resümee

Fassen wir noch einmal zusammen: Schriftstellerinnen, die ins Exil gehen mussten, zeigten meist eine große Bereitschaft, sich auf die neue Zwangssituation einzustellen. Sie stellten dabei meist ihre persönlichen Wünsche hinter der Notwendigkeit zurück, für einen Partner oder eine Familie sorgen zu müssen. Ihre Anpassungsleistung reicht dabei vom Wechsel der Sprache (Vicki Baum, Gina Kaus, Hermynia Zur Mühlen), über den Wechsel der (literarischen) Gattung (Gina Kaus, Salka Viertel, Hilde Spiel, Hermynia Zur Mühlen; Mela Hartwig) bis zur gänzlichen Aufgabe des Schreibens (Lili Körber) und der Hinwendung zu einem „praktischen“ Beruf. „Jobben“ in untergeordneten Berufen, von der Putzfrau über die Typistin bis zur Deutsch-Lehrerin findet sich als Phase in fast allen Biographie – bei einigen wird der Job zum Dauerzustand (Paula Ludwig).

„Frauen ist es viel leichter gefallen, sich umzustellen. Frauen haben jede Arbeit angenommen. Sie waren Köchin, Serviererin, Putzfrau. Als Frauen waren sie ja auch solche Arbeiten eher gewohnt. Die Männer hatten es da schwerer. Für sie bedeuteten diese Arbeiten einen sozialen Abstieg“, sagt die Literaturwissenschaftlerin Margot Ruben in einem Gespräch mit Gabriele Kreis im Jahre 1979. (Kreis 188, 83). Dieses Zitat zeigt, wie tief verwurzelt das traditionelle Frauenbild noch immer ist: Frauen sind quasi von Natur aus für Haushaltsarbeiten ausgebildet und sind nicht nur fähig, diese Arbeiten auszuführen, sondern es macht ihnen auch noch Spaß. Wenn wir auf die Biographien der hier behandelten Autorinnen näher eingehen – sie sind durchaus typisch für Schriftstellerinnen im Exil -, so stammen sie alle aus Familien, die über zumindest eine Köchin, wenn nicht sogar über mehrere Dienstboten, verfügt haben. Hausarbeiten gehörten keineswegs zu ihrem Erziehungsprogramm: Hermynia Zur Mühlen z. B. lebte in Deutschland prinzipiell im Hotel, um sich die Hausarbeit zu ersparen. Sie empfanden die Notwendigkeit, in unqualifizierten Jobs den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen, durchaus als sozialen Abstieg, den sie aber aus Verantwortungsbewusstsein für die Familie auf sich nahmen. Sie gingen damit allerdings auch in die Falle: Denn diese typisch weibliche Fürsorge für Kinder und Mann hatte zwar die emanzipatorische Wirkung, dass sie die männliche Rolle als Familienerhalter(in) einnahmen, doch konnten sie dies in der Situation des Exils nur um den Preis der Aufgabe der persönlichen Ambitionen, der persönlichen Selbstverwirklichung und des gesellschaftlichen Ansehens (der ausgeübten Arbeit) tun. Dies führte in fast allen Fällen zu einem entscheidenden Bruch, wenn nicht überhaupt zum Ende des ursprünglich eingeschlagenen Wegs, gesellschaftlich anerkannte Literatur zu produzieren.

Die Texte, die vor ihrer Emigration publiziert worden sind, gerieten in Vergessenheit. Diese Texte und jene, die in der Emigration „für die Schublade“ geschrieben worden sind, haben erst seit wenigen Jahren das Interesse der Literaturwissenschaft und auch einiger Verlage gefunden. Am beliebtesten sind zwar nach wie vor die (Auto-)Biographien, doch es lohnt sich, auch die fiktionalen Texte der Autorinnen zu lesen, nicht nur, um etwas über den Übergang einer demokratischen Gesellschaft in eine Diktatur zu erfahren, sondern auch um zu sehen, welche künstlerischen Potentiale durch den Nationalsozialismus zerstört worden sind.

Aufgabe:

Welche österreichischen Autorinnen haben für Hollywood geschrieben?

Vicki Baum
Ja: Vicki Baum arbeitete schon seit April 1931 sieben Monate u. a. in Hollywood; 1933 Abschluss eines Vertrages mit Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), der sie nur halbjährlich band.

Nein: Lesen Sie, bitte, den Lexikonartikel über Mela Hartwig.

Nein: Lesen Sie, bitte, den Lexikonartikel über Lili Körber.

Nein: Lesen Sie unser Porträt zu Hilde Spiel und den Lexikonartikel über die Autorin.

Ja: Die Autorin übersiedelte schon 1928 nach Hollywood, unterzog sich einem intensiven englischen Sprachtraining und erhielt Filmrollen u. a. in „Seven Faces“ und „Sacred Flame“. Berthold Viertel führte Regie. Ermuntert durch Greta Garbo begann Salka Viertel eine Karriere als Filmbuchautorin. 1933 war sie sogar eine Mitbegründerin der Hollywood Screen Writer Guild; 1943 wurde Salka Viertel von Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) gekündigt. 1947 verfasst sie im Auftrag von Warner Brothers das Filmbuch zu „The Deep Valley“. Vgl. auch unseren Lexikonartikel zu Salka Viertel.

Nein: Lesen Sie, bitte, unseren Lexikonartikel über Maria Leitner.

Nein: Lesen Sie, bitte, unseren Lexikonartikel über Paula Ludwig.

Gehen Sie nun zum ARBEITSBLATT und beantworten Sie, bitte, dort die Fragen 4 und 5 in Form von kurzen Essays. Rufen Sie, bitte, dazu wieder Ihr schon gespeichertes Arbeitsblatt von dem von Ihnen gewählten Speicherplatz auf. Vergessen Sie nicht, Ihre Arbeitsergebnisse im Anschluss wieder unter demselben Filenamenauf Ihrem PC oder Ihrer Diskette zu speichern. Dann kehren Sie wieder zu unserem Praxisfeld zurück.

Welche Autorinnen hatten Kinder, für die sie zu sorgen hatten?

Vicki Baum
Ja: Sie hatte zwei Kinder aus der Ehe mit Richard Lert (* 1885), dem Generalmusikdirektor in Mannheim. 1932 entschließt sich Vicki Baum mit ihrer Familie in die USA zu emigrieren, nachdem in Deutschland Hindenburg zum deutschen Reichspräsidenten gewählt worden war.
Ja: 1940 Geburt der Tochter Christina de Mendelssohn in London; das zweite Kind stirbt bei der Geburt, 1944 wird ihr Sohn Felix während eines Bombenangriffs auf London geboren; 1946 Übersiedelung mit den beiden Kindern nach Berlin.
Ja: Hatte drei Söhne, u. a. Peter Viertel (Schriftsteller, Drehbuchautor). Vgl. unsere Lexikonartikel zu Salka Viertel und Peter Viertel.

Gehen Sie nun zu unserem ARBEITSBLATT und beantworten Sie, bitte, dort die Fragen 6 und 7 in Form von kurzen Essays. Rufen Sie, bitte, dazu wieder Ihr schon gespeichertes Arbeitsblatt von dem von Ihnen gewählten Speicherplatz auf. Vergessen Sie nicht, Ihre Arbeitsergebnisse im Anschluss wieder unter demselben Filename auf Ihrem PC oder Ihrer Diskette zu speichern. Dann kehren Sie wieder zu unserem Praxisfeld zurück.

Im ANHANG werden alle selbstständigen Buchpublikationen der genannten Autorinnen verzeichnet. Bei jenen, die aufgrund ihres Exils die Sprache wechselten, wurde der Originaltitel dem der deutschen Übersetzung vorangestellt. Nicht dokumentiert wird der Erscheinungsverlauf der fremdsprachigen Titel in den jeweiligen Ländern. Mehrere Jahreszahlen in Folge markieren Auflagen im jeweiligen Jahr des zuletzt genannten Verlages.

Anhang

Werkverzeichnis

  • Baum, Vicki - Amerikanisches Familienporträt
  • Baum, Vicki - Beyond this journey
  • Baum, Vicki - Bubenreise. Eine Erzählung für junge Menschen
  • Baum, Vicki - Das große Einmaleins
  • Baum, Vicki - Der Eingang zur Bühne
  • Baum, Vicki - Der große Ausverkauf
  • Baum, Vicki - Der Weg
  • Baum, Vicki - Der Weihnachtskarpfen
  • Baum, Vicki - Die andern Tage
  • Baum, Vicki - Die fremde Nacht
  • Baum, Vicki - Die große Pause
  • Baum, Vicki - Die Karriere der Doris Hart
  • Baum, Vicki - Die Strandwache
  • Baum, Vicki - Die Tänze der Ina Raffay. Ein Leben
  • Baum, Vicki - Die Welt ohne Sünde. Der Roman einer Minute
  • Baum, Vicki - Es war alles ganz anders. Erinnerungen
  • Baum, Vicki - Ferne
  • Baum, Vicki - Frühe Schatten. Das Ende einer Kindheit
  • Baum, Vicki - Headless Angel
  • Baum, Vicki - Hell in Frauensee. Ein heiterer Roman von Liebe und Hunger
  • Baum, Vicki - Hier stand ein Hotel
  • Baum, Vicki - Hotel Shanghai
  • Baum, Vicki - Jape im Warenhaus
  • Baum, Vicki - Leben ohne Geheimnis
  • Baum, Vicki - Liebe und Tod auf Bali
  • Baum, Vicki - Marion alive
  • Baum, Vicki - Menschen im Hotel. Ein Kolportageroman mit Hintergründen
  • Baum, Vicki - Miniaturen
  • Baum, Vicki - Mortgage on life
  • Baum, Vicki - Rendez-vous in Paris
  • Baum, Vicki - Schloßtheater
  • Baum, Vicki - Stud. chem. Helene Willfüer
  • Baum, Vicki - Tanzpause
  • Baum, Vicki - Theme for ballet
  • Baum, Vicki - The mustard seed
  • Baum, Vicki - The Ship and the shore
  • Baum, Vicki - The weeping Wood
  • Baum, Vicki - Ulle, der Zwerg
  • Baum, Vicki - Vor Rehen wird gewarnt
  • Baum, Vicki - Written on water
  • Baum, Vicki - Zwischenfall in Lohwinckel
  • Hartwig, Mela - Das Weib ist ein Nichts
  • Hartwig, Mela - Das Wunder von Ulm
  • Hartwig, Mela - Ekstasen
  • Hartwig, Mela - Ich bin ein überflüssiger Mensch
  • Hartwig, Mela - Spiegelungen
  • Kaus, Gina - Der Aufstieg
  • Kaus, Gina - Der Teufel nebenan
  • Kaus, Gina - Die Schwestern Kleh
  • Kaus, Gina - Die Verliebten
  • Kaus, Gina - Katharina die Große
  • Kaus, Gina - Luxusdampfer. Roman einer Überfahrt.
  • Kaus, Gina - Morgen um Neun
  • Kaus, Gina - Toni. Eine Schulmädchen-Komödie in 10 Bildern
  • Kaus, Gina - Und was für ein Leben .... Mit Liebe und Literatur, Theater und Film
  • Körber, Lili - Begegnungen im fernen Osten
  • Körber, Lili - Die Lyrik Franz Werfels
  • Körber, Lili - Eine Frau erlebt den roten Alltag. Ein Tagebuch-Roman aus den Putilowwerken
  • Körber, Lili - Eine Jüdin erlebt das neue Deutschland
  • Körber, Lili - Eine Österreicherin erlebt den Anschluß
  • Körber, Lili - Sato-San, ein japanischer Held. Satyrischer Zeitroman
  • Spiel, Hilde - Anna und Anna
  • Spiel, Hilde - Anna und Anna. Flüchten oder hinnehmen
  • Spiel, Hilde - Briefwechsel
  • Spiel, Hilde - Das Haus des Dichters
  • Spiel, Hilde - Der Baumfrevel. Neues Kapitel aus einem ungeschriebenen Buch
  • Spiel, Hilde - Der Mann mit der Pelerine und andere Geschichten
  • Spiel, Hilde - Der Park und die Wildnis. Zur Situation der neueren englischen Literatur
  • Spiel, Hilde - Die Dämonie der Gemütlichkeit. Glossen zur Zeit und andere Prosa
  • Spiel, Hilde - Die Früchte des Wohlstands
  • Spiel, Hilde - Die hellen und die finsteren Zeiten - Erinnerungen 1911 - 1946
  • Spiel, Hilde - Englische Ansichten, Berichte aus Kultur, Geschichte und Politik
  • Spiel, Hilde - Fanny von Arnstein oder Die Emanizpation
  • Spiel, Hilde - Flute and Drums
  • Spiel, Hilde - Frühe Tage, Kati auf der Brücke, Verwirrung am Wolfgangsee
  • Spiel, Hilde - In meinem Garten schlendernd
  • Spiel, Hilde - Kati auf der Brücke
  • Spiel, Hilde - Kleine Schritte. Berichte und Geschichten
  • Spiel, Hilde - Mirko und Franca
  • Spiel, Hilde - Rückkehr nach Wien. Tagebuch 1946
  • Spiel, Hilde - Sir Laurence Olivier
  • Spiel, Hilde - Städte und Menschen
  • Spiel, Hilde - The Darkened Room
  • Spiel, Hilde - Verwirrung am Wolfgangsee
  • Spiel, Hilde - Vienna's Golden Autumn. 1866 - 1938
  • Spiel, Hilde - Welche Welt ist meine Welt?
  • Spiel, Hilde - Die Welt im Widerschein
  • Zur Mühlen, Hermynia - Ali, der Teppichweber. 5 Märchen
  • Zur Mühlen, Hermynia - Als der Fremde kam
  • Zur Mühlen , Hermynia - Das Riesenrad
  • Zur Mühlen, Hermynia - Das Schloß der Wahrheit
  • Zur Mühlen, Hermynia - Der Deutschvölkische
  • Zur Mühlen, Hermynia - Der kleine graue Hund und andere Märchen
  • Zur Mühlen, Hermynia - Der Muezzin - Ein Märchen
  • Zur Mühlen, Hermynia - Der rote Heiland - Novellen
  • Zur Mühlen, Hermynia - Der Spatz - Märchen
  • Zur Mühlen, Hermynia - Der Tempel
  • Zur Mühlen, Hermynia - Die Märchen der Armen
  • Zur Mühlen, Hermynia - Die Söhne der Aischa. Ein Märchen
  • Zur Mühlen, Hermynia - Die weiße Pest
  • Zur Mühlen, Hermynia - Die Wundermauer, der Knecht, die rote Fahne
  • Zur Mühlen, Hermynia - Der Rosenstock. Ein Märchen
  • Zur Mühlen, Hermynia - Eine Flasche Parfüm
  • Zur Mühlen, Hermynia - Ein Jahr im Schatten
  • Zur Mühlen, Hermynia - Ende und Anfang - Ein Lebensbuch
  • Zur Mühlen, Hermynia - Es war einmal . . . und es wird sein
  • Zur Mühlen, Hermynia - Ewiges Schattenspiel
  • Zur Mühlen, Hermynia - Fahrt ins Licht. 66 Stationen
  • Zur Mühlen, Hermynia - Kleine Geschichten von großen Dichtern - Miniaturen
  • Zur Mühlen, Hermynia - Kleine Leute
  • Zur Mühlen, Hermynia - Licht
  • Zur Mühlen, Hermynia - Lina - Erzählung aus dem Leben eines Dienstmädchens
  • Zur Mühlen, Hermynia - Nora hat eine Famose Idee
  • Zur Mühlen, Hermynia - Märchen
  • Zur Mühlen, Hermynia - Reise durch ein Leben
  • Zur Mühlen, Hermynia - Said der Träumer - Ein Märchen
  • Zur Mühlen, Hermynia - Schmiede der Zukunft
  • Zur Mühlen, Hermynia - Schupomann Karl Müller
  • Zur Mühlen, Hermynia - Unsere Töchter die Nazinen
  • Zur Mühlen, Hermynia - Warum? Ein Märchen
  • Zur Mühlen, Hermynia - Was Peterchens Freunde erzählen
  • Zur Mühlen, Hermynia - Wie Said der Träumer zu Said dem Verräter wurde
  • Zur Mühlen , Hermynia (Pseudonym: L. H. Desberry) - Der blaue Strahl
  • Zur Mühlen, Hermynia (Pseudonym: Lawrence H. Desberry) - Der Fememord in New York
  • Zur Mühlen, Hermynia (Pseudonym: Lawrence H. Desberry) - Ejus
  • Zur Mühlen, Hermynia (Pseudonym: Lawrence H. Desberry) - Im Schatten des elektrischen Stuhls
  • Zur Mühlen, Hermynia (Pseudonym: Lawrence H. Desberry) - Abenteuer in Florenz
  • Zur Mühlen, Hermynia (Pseudonym Lawrence H. Desberry) - An den Ufern des Hudson

Forschungsliteratur

  • Eisenhut, Günter - Mela Spira (Hartwig)
  • Hansen-Schaberg, Inge; Schmeichel-Falkenberg, Beate (Hg.) - Schaberg, Inge; Schmeichel-Falkenberg, Beate (Hg.) - Frauen erinnern. Widerstand - Verfolgung - Exil. 1933 - 1945
  • Kannonier-Finster, Waltraud, Ziegler, Meinrad - Finster, Waltraud, Ziegler, Meinrad - Frauen-Leben im Exil. Biographische Fallgeschichten
  • Klapdor, Heike - Überlebensstrategie statt Lebensentwurf. Frauen in der Emigration
  • Kreis, Gabriele - Frauen im Exil. Dichtung und Wirklichkeit
  • Nier, Gert - Frauen schreiben im Exil
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